Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Allograph

Terminus zur Bezeichnung von
Graphemen, die den selben Laut darstellen, aber eine voneinander abweichende Form aufweisen. Etymologisch aus dem griechischen »allos« für »anders« und »graphein« für »schreiben«.

Es gibt unterschiedliche Arten von Allographen:

Grapheme, die sich im Lauf der Schriftgeschichte verändert haben. So der Wechsel von I zu J und von V zu U. Beispiel: »SENATVS POPVLVS« zu »Senatus populus«.

Orthographisch reglementierte Grapheme. So die verschiedenen Schriftzeichen und Zeichenkombinationen für S-Laute (s, ss, ß) oder f statt ph. Beispiel: »
Typographie« und »Typografie«.

Typographisch reglementierte Grapheme ohne funktionale Veränderungen, die lediglich unterschiedliche periphere graphischen Merkmale im Schriftstil und im Figurenverzeichniß aufweisen. So die Transformation der
Minuskelligatur »ß« im normalen Schriftstil zu »SS« in der Formvariante der Kapitälchen bzw. in Majuselschreibweise. Beispiel: »mußte« zu »MUSSTE«.


[T] Digitale Codierungstabellen enthalten normalerweise Grapheme, deren allographische Varianten von sekundären Programmen gesteuert und von unterschiedlichen Tastaturbelegungen erzeugt werden können. Deshalb ist nach der automatischen Transformation von ß im normalen Schrifstil zu SS im Stil der Kapitälchen die
Spationierung fehlerhaft. Die beiden SS sind im Stil der Kapitälchen nämlich als eine Figur auf eine Taste gelegt. Korrekt ist deshalb ein vorheriger Austausch der Ligatur ß mit S+S, also zweimal Taste S bzw. im Minuskelverzeichnis ss.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 03.08.2006
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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