Aldinen

Terminus aus der Paläotypie für knapp 900 Drucke, die etwa zwischen 1489 bis 1597 in der venezianischen Offizin der Buchdruckerfamilie Manutius hergestellt wurden. Besonders die Pergamentdrucke von Aldus Manutius dem Älteren (1449/50–1515) sind bibliophile Kostbarkeiten, darunter ein Vergil von 1501. Die handlichen Editionen griechischer und römischer Klassiker im Oktavformat. 1 ) sowie die Erstausgaben italienischer Dichter wie Dante Alighieri (Florenz, 1265–1321), Francesco Petrarca (1304–1374) oder Giovanni Boccaccio (1313–1375), sicherten den anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg der Offizin.

Ihr Emblem ist ein Anker, um den sich ein Delphin schlingt (bisweilen mit dem Epigramm »sudavit et alsit«), wodurch in pointierter Weise nachdenkliches Festhalten und flexibles Handeln zum Sinnbild für das wissenschaftliche und typographische Bestreben der Familie Manuzzi werden.

Charakteristisch für die Aldinen ist die von Aldo Manutius und seinem Stempelschneider Francesco Griffo entwickelte italienische Kursivtype, neben einem Fundus von nicht weniger als neun griechischen, 14 lateinischen und sogar drei hebräischen Schriftarten. Eine Manutius-Novität ist auch das 1514 erstmals für Drucke verwendete blaue Papier.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmerkung: Das Oktavformat (8°) für Romane ist eine Art »Vorläufer« des heutigen Taschenbuchs. Daneben gab es das Lexikon-, Groß- und Kleinoktav.