Aldusblatt

Blumenartiges Alinea; Zierornament in Form eines herzförmigen Efeublattes; Schmuckzeichen; dekorative Glyphe im Zeichensatz eines Fonts. Der Terminus »Aldusblatt« ist ein Synonym für das »Hederablatt« (lat. »Hedera« für »Efeu« bzw. »hedera folium« für »Efeublatt«); Hedera-Zeichen; Kurzform Hedera. Umgangssprachlich auch als  »Druckerherz« oder »Druckerblume« bezeichnet.

In der typographischen Schriftklassifikation gehört das Aldusblatt (Hederablatt) zu den floralen Alineas bzw. zu den »Fleurons« (franz. »fleuron« für »Schmückendes« von» fleur« für »Blume«), also zu den blumenartigen Zierornamenten. In der Paläographie ist das kalligraphische Hedera in lateinisch- und griechischsprachigen Handschriften eine Alinierung, um Absätze kenntlich zu machen.

Das Aldusblatt (Hedera-Zeichen) ist ein blumenartiges Alinea (Zierornament), das im deutschsprachigen Raum nach dem venezianischen Typographen Aldus Manutius (1449–1515) benannt wurde, der es gerne in seinen Aldinen verwendete. Vom Aldusblatt gibt es heute unzählige Varianten. Beispiel: Drei Aldusblätter aus der Schrift »Minion Pro« (Display) von Robert Slimbach.
Das Aldusblatt (Hederablatt) ist ein blumenartiges Alinea (Zierornament), das im deutschsprachigen Raum nach dem venezianischen Typographen Aldus Manutius (1449–1515) benannt wurde, der es gerne in seinen Aldinen verwendete. Vom Aldusblatt gibt es heute unzählige Varianten. Beispiel: Drei Aldusblätter aus der Schrift »Minion Pro« (Display) von Robert Slimbach.

Das »Aldusblatt« wurde nach dem venezianischen Humanisten, Verleger und Typographen Aldus Manutius (dem Älteren, 1449–1515) benannt, der dieses florale Alinea gerne als Schmuckzeichen, Trenn- und Schlussstück in seinen Aldinen verwendete. 

Da Aldus Manutius sich insbesondere der Wiederbelebung klassischer Handschriften, insbesondere den Klassikern der griechischen und römischen Literatur widmete, liegt die Vermutung nahe, dass er mit dem Hedera-Zeichen typographisch die blumenartigen Zierornamente imitierte, die in der Kalligraphie seit Anbeginn üblich waren und die zum Standardrepertoire jedes versierten Kalligraphen gehörten. 

So wurden beispielsweise u.a. Absätze in griechischen und lateinischen Handschriften und Büchern mit dem Hedera-Zeichen gegliedert. Das Hederablatt war also eine Art Interpunktionszeichen, das einen neuen Absatz bzw. einen Sinnschritt kenntlich machte. 1 )

Das Efeublatt symbolisierte in griechischen, römischen und frühchristlichen Kulturen die ewige Liebe, denn der »Gemeine Efeu« (Hedera helix) ist eine sehr langlebige Pflanze, die nicht selten 500 Jahre alt werden kann. Beispiel: Vergleich eines Aldusblattes aus dem Font »ITC Zapf Dingbats« von Hermann Zapf (1918—2015) im Vergleich zu blühfähigen Laubblättern (Altersform) des Efeus, die etwa 20 Jahre nach der Keimung auftreten können.
Das Efeublatt symbolisierte in griechischen, römischen und frühchristlichen Kulturen die ewige Liebe, denn der »Gemeine Efeu« (Hedera helix) ist eine sehr langlebige Pflanze, die nicht selten 500 Jahre alt werden kann. Beispiel: Vergleich eines Aldusblattes aus dem Font »ITC Zapf Dingbats« von Hermann Zapf (1918—2015) im Vergleich zu blühfähigen Laubblättern (Altersform) des Efeus, die etwa 20 Jahre nach der Keimung auftreten können.

Allerdings war Aldus Manutius nicht der erste Typograph, der das Hedera-Zeichen verwendete. Bereits die Prototypographen Erhard Ratdolt (1447–1527/1528) 2 ) und Peter Schöffer (um 1425/1430–1502/1503) benutzten es in ihren Inkunabeln. Wer das Synonym »Aldusblatt« erstmals einführte, ist nicht überliefert. In der extratypographischen Literatur wird das Hedra-Zeichen vereinzelt auch als »Druckerherz«, »Druckerblume« oder fälschlicherweise als »Weinblatt« interpretiert. Die ursprünglich typische längliche Herzform veränderte sich im Zuge der Moderne hin zu einer eher rundlichen Form.

Bereits der Prototypograph Erhard Ratdolt (1447–1527/1528) übernahm das Hederablatt (Aldusblatt) aus der Kalligraphie. Hier im »Romanae vetustatis fragmenta in Augusta Vindelicorum et eius dioecesi« des Konrad Peutinger, gedruckt 1505 in Augsburg. Quelle: Inkunabelsammlung der Bayerischen Staatsbibliothek, München.
Bereits der Prototypograph Erhard Ratdolt (1447–1527/1528) übernahm das Hederablatt (Aldusblatt) aus der Kalligraphie. Hier im »Romanae vetustatis fragmenta in Augusta Vindelicorum et eius dioecesi« des Konrad Peutinger, gedruckt 1505 in Augsburg. Quelle: Inkunabelsammlung der Bayerischen Staatsbibliothek, München.

Die Sichtung von deutschen Schriftmusterbüchern für Zierrat, Blei- und Holztypen des 19. und 20. Jahrhunderts legt nahe, daß das Aldusblatt im materiellen Schriftsatz nahezu ausschließlich in der von der Antiqua geprägten Typographie üblich war, z.B. in der Italienischen, Französischen oder Englischen Typographie, jedoch nicht oder kaum in der von der Fraktur geprägten Deutschen Typographie. 

Das Aldusblatt bzw. Hedera ist seit Jahrhunderten bis heute noch ein populäres Schlussstück in der Buchtypographie. Es wird es auch gerne von Druckereien, Buchhändlern und Verlagen als »Druckerblume« bzw. Signet verwendet, beispielsweise vom Verlag Hermann Schmidt in Mainz, der sich mit seinem Verlagsprogramm insbesondere auf die Typographie und das Grafikdesign spezialisiert hat. 3 )

Das Aldusblatt in unterschiedlichen horizontalen und vertikalen (links- und rechsdrehend) Varianten findet sich heute in zahlreichen Fonts als Sonderzeichen, beispielsweise in den »ITC Zapf Dingbats« von Hermann Zapf (1918—2015) oder der »Minion Pro« von Robert Slimbach (*1992). 4 )

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Daher rührt – nebenbei bemerkt – auch der typographische Terminus »Alinieren« und »Alinea« (lat. »a linea« für »von der Zeile«) für »Abtrennen« bzw. »Abtrennung« bzw. »mit einer neuen Zeile beginnen«. Deshalb zählt das Aldusblatt auch zu den Alineas.
2.Quelle: Peutinger, Konrad: Romanae vetustatis fragmenta in Augusta Vindelicorum et eius dioecesi  gedruckt, 1505 bei Erhard Ratdolt (1447–1527/1528), Inkunabeln der Bayerischen Staatsbibliothek, München, online verfügbar unter http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00005801/images/index.html?id=00005801&groesser=&fip=qrssdaseayaqrsyztsyztseayaenxs&no=7&seite=9 (19.6.2017).
3.Tipp: Für Liebhaber schöner Typobücher: Verlag Hermann Schmidt GmbH & Co. KG, Gonsenheimer Straße 56, 55126 Mainz, online verfügbar unter https://typografie.de (17.6.2017).
4.Anmerkung: Das vertikale »Floral Heart« hat unter UNICODE® den Code Point U+2766 und das horizontale »Rotated Floral Heart Bullet« den Code Point U+2767. Online verfügbar unter http://www.decodeunicode.org/de/U+2766 (17.6.2017).