Andruck

Unter »Andruck« wird in der Typographie und im Druckwesen ein Probedruck für gewerblichen Druckverfahren (z.B. Offsetdruck) verstanden, um die Qualität und das Zusammenspiel der Druckvorlagen im Verhältnis 1:1 mit den Bedruckstoffen (z.B. Papiere), Druckfarben (z.B. Echtfarben oder CMYK-Farbmodell) und der Druckmaschine beurteilen zu können.

Probedrucke werden im grafischen Gewerbe »Andrucke« genannt. Eine Druckerei, die sich auf Andrucke spezialisiert hat, wird als »Andruckerei« bezeichnet.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Der Grafikdesigner Wolfgang Beinert und sein Drucker bei der Druckabnahme des »Ersten Andrucks« an einer Originaldruckmaschine, in diesem Beispiel an einer Heidelberger Speedmaster.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Der Grafikdesigner Wolfgang Beinert und sein Drucker bei der Druckabnahme des »Ersten Andrucks« an einer Originaldruckmaschine, in diesem Beispiel an einer Heidelberger Speedmaster.

Grundsätzlich wird zwischen dem Andruck auf der Originaldruckmaschine (z.B. einer Heidelberger Speedmaster XL 106) und einem Andruck auf einer speziellen Andruckpresse (z.B. Grafix GX 2 EM) unterschieden. 

Die qualitativ hochwertige Lösung verkörpert grundsätzlich immer der Andruck auf der Originaldruckmaschine, da die Parameter hier zum späteren Auflagendruck (nahezu) 1 ) identisch sind.

Da sehr komplexe Druckaufträge, beispielsweise ein Offsetdruck mit hellen Farbflächen auf kolorierten, beschichteten und/oder texturierten Natur-, Feinst- und Künstlerpapieren (Designerpapiere), 2 ) oft mehrere Andrucke erfordern – und dies auf der Orginaldruckmaschine sehr kostenintensiv wäre, erfolgen in der Regel vor dem »Ersten Andruck« auf der Originaldruckmaschine Probeandrucke auf einer speziellen Andruckpresse (Abziehpresse), die den späteren Auflagendruck bis zu einem gewissen Grad vorwegnimmt. 3 )

Im Segment des »Schnell- und Billigdrucks« wird der Andruck zunehmend von digitalen Proofverfahren – in der Regel durch Tintenstrahldrucke – ersetzt, da diese kostengünstiger und schneller herzustellen sind. Allerdings sind diese keinesfalls mit Andrucken gleichzusetzen, da Proofs, insbesondere auf ungestrichenen Papieren, niemals farbverbindlich, texturverbindlich und rechtsverbindlich sein können. Proofs können Druckergebnisse nur annähernd simulieren. 4 )

Andrucke dienen im grafischen Gewerbe auch als verbindliche Korrekturabzüge. 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Erfolgt der Auflagendruck unmittelbar nach dem »Ersten Andruck«, ist das Ergebnis identisch. Wird die Druckmaschine für den Auflagendruck erneut eingerichtet, sind die Parameter fast identisch. Die Evaluierung wird deshalb am »Zweiten Andruck« an der Originaldruckmaschine vorgenommen.
2.Literaturempfehlung: Beinert, Wolfgang: Natur-, Feinst- und Künstlerpapiere im Offsetdruck, Tipps zur Herstellung, online unter  http://www.beinert.net/natur-feinst-und-kuenstlerpapiere-im-offsetdruck/ (19.8.2017).
3.Anmerkung: Die Ergebnisse einer Originaldruckmaschine und einer Andruckpresse können sich, insbesondere bei komplexen Papieren, signifikant voneinander unterscheiden (z.B. Anpressdruck, Punktzuwachs).
4.Anmerkung: Im qualitativ hochwertigen Offsetdruck gehören digitale Proofs in die Druckvorstufe und werden dort ausschließlich als Layoutproofs und Standproofs verwendet.