Anführungszeichen

Inter­punk­ti­ons­zei­chen; Satz­aus­druck­zei­chen. Im Volks­mund auch »Gän­se­fü­ße« oder »Gän­se­füß­chen« genannt. Opti­sche Aus­zeich­nung 1 ) von wört­li­ch wie­der­ge­ge­be­nen Äuße­run­gen (direk­ter Rede) und Text­stel­len (Zita­te) sowie zur Her­vor­he­bung von Wort­tei­len, Wör­tern oder Satz­tei­len (z.B. Buch­ti­tel, Sprich­wör­ter oder iro­ni­sche Äuße­run­gen).

Anfüh­rungs­zei­chen ste­hen vor und nach dem aus­ge­zeich­ne­ten Wort oder der aus­ge­zeich­ne­ten Text­pas­sa­ge. Das eröff­nen­de Anfüh­rungs­zei­chen wird als »Anfüh­rung«, das schlie­ßen­de Anfüh­rungs­zei­chen als »Abfüh­rung« bezeich­net. Wird in eine Anfüh­rung eine ande­re Anfüh­rung ein­ge­scho­ben, so erhält die­se ein hal­bes Anfüh­rungs­zei­chen. 2 )

Die Ver­wen­dung von Anfüh­rungs­zei­chen wer­den in Deutsch­land ent­spre­chend den Emp­feh­lun­gen des Rats für deut­sche Recht­schrei­bung gere­gelt. 3 ) 4 )

Typo­gra­phi­sche Anfüh­rungs­zei­chen stam­men aus der Anti­qua-Tra­di­ti­on der Spät­re­nais­sance, wel­che sich ver­mut­li­ch aus den Kolum­nen­kom­men­ta­ren ent­wi­ckelt haben. Typo­gra­phi­sche Anfüh­rungs­zei­chen dien­ten ursprüng­li­ch dazu, in latei­ni­sch oder alt­grie­chi­sch abge­fass­ten Tex­ten Pas­sa­gen aus ande­ren Spra­chen sowie wört­li­che und sinn­ge­mä­ße Zita­te zu kenn­zeich­nen. 5 )

Positionen (Stellungen) von Anführungszeichen

  • Deut­sche Anfüh­rungs­zei­chen (Umgangs­sprach­li­ch auch Gän­se­füß­chen genannt)
    ‚‚ham­bur­ger­font­si­tiv‘‘ (unten/oben) 6 )
  • Eng­li­sche bzw. Anglo­ame­ri­ka­ni­sche Anfüh­rungs­zei­chen
    ″ham­bur­ger­font­si­tiv″ (Oben/Oben, zwi­schen k-Linie und x-Linie, opti­sch aus­ge­rich­tet an der H-Linie)
  • Fran­zö­si­sche Anfüh­rungs­zei­chen (Guil­le­mets français)
    « ham­bur­ger­font­si­tiv » (Mitte/Mitte, zwi­schen x-Linie und Grund­li­nie sowie je ein Leer­zei­chen bzw. 1/4 Geviert Zwi­schen­raum nach dem Guil­le­met ouvrant (vor dem ange­führ­ten Wort) bzw. vor dem Guil­le­met fer­mant (nach dem ange­führ­ten Wort). 7 )
  • Umge­kehr­te fran­zö­si­sche Anfüh­rungs­zei­chen (Deutsch­land und Öster­reich)
    »ham­bur­ger­font­si­tiv« (Mitte/Mitte, Spit­ze nach innen, zwi­schen x-Linie und Grund­li­nie ohne Leer­zei­chen)
  • Umge­kehr­te fran­zö­si­sche Anfüh­rungs­zei­chen (Deutsch­spra­chi­ge Schweiz)
    «ham­bur­ger­font­si­tiv» (Mitte/Mitte, Spit­ze nach außen, zwi­schen x-Linie und Grund­li­nie ohne Leer­zei­chen)

Formen (Figuren) von Anführungszeichen

Eine ver­bind­li­che Richt­li­nie für die Zei­chen­form bzw. Figur des Inter­punk­ti­ons­zei­chens im deut­schen Schrift­satz exis­tiert nicht. 8 ) Nur die Posi­ti­on des Satz­aus­druck­zei­chens ist im typo­gra­phi­schen Schrift­satz gere­gelt. Je nach Schrift­gat­tung und Schrift­stil sind somit unter­schied­li­che Figu­ren des Anfüh­rungs­zei­chens mög­li­ch: Zwei gera­de ver­ti­ka­le Stri­che oder abge­schräg­te Stri­che mit oder ohne Aus­lauf­punkt oder Trop­fen sowie run­de Vari­an­ten.

Beispiele unterschiedlicher Formen von An- und Abführungen. Von oben: Celeste, Meta+, Thonburi, DIN Schrift, Matrix Script und Garamont Amsterdam. Infografik: www.typolexikon.de
Bei­spie­le unter­schied­li­cher For­men von An- und Abfüh­run­gen. Von oben: Celeste, Meta+, Thon­bu­ri, DIN Schrift, Matrix Script und Gara­mont Ams­ter­dam.

Die eng­li­sche bzw. anglo­ame­ri­ka­ni­sche Form – nicht Posi­ti­on – der Satz­aus­druck­zei­chen, in Deutsch­land umgangs­sprach­li­ch mit »99÷66« skiz­ziert, ist nur im eng­lisch­spra­chi­gen Schrift­satz übli­ch, um eine Ver­wechs­lung mit den dort gebräuch­li­chen Kür­zeln für Zoll, Sekun­den und Bogen­se­kun­den – ein und zwei ver­ti­ka­le Stri­che auf hal­ber Höhe zwi­schen x- und H-Linie bzw. k-Linie (sie­he Schrift­li­ni­en), teil­wei­se nach unten ver­jüngt – zu ver­mei­den. Im frü­hen 18. Jahr­hun­dert wur­den aus die­sem Grund die Anfüh­rungs­zei­chen in Eng­land – und somit auch in Nord­ame­ri­ka – mit einem Trop­fen ver­se­hen und der Fort­lauf (Hybrid aus Punkt und Kom­ma) abge­schrägt. 9 )

Im Zuge der digi­ta­len Schrift­über­mitt­lung geht die­se anglo­ame­ri­ka­ni­sche Tra­di­ti­on zur Zeit ver­lo­ren, da vie­le Screen Fonts, wie die von Mat­t­hew Car­ter für Micro­soft® gestal­te­te »Ver­da­na«, (z.B. in der Erst­ver­si­on) kei­ne eng­li­schen Anti­qua-Anfüh­rungs­zei­chen im Stan­dard­zei­chen­re­per­toire (exklu­si­ve Gly­phen) mehr füh­ren. 10 ) Ins­be­son­de­re seri­fen­lo­se Screen Fonts füh­ren mehr­heit­li­ch nur noch ein »gera­des Anfüh­rungs­zei­chen«, das dem eng­li­schen Zoll­zei­chen gleicht.

Tipp: Bei freigestellten Zitaten wird die Anführung – egal ob es sich um Deutsche, Englische oder Französische Anführungszeichen handelt, immer zugunsten des Optischen Randausgleichs über die linke Satzkante gestellt.
Tipp: Bei frei­ge­stell­ten Zita­ten wird die Anfüh­rung – egal ob es sich um Deut­sche, Eng­li­sche oder Fran­zö­si­sche Anfüh­rungs­zei­chen han­delt, immer zuguns­ten des Opti­schen Rand­aus­gleichs über die lin­ke Satz­kan­te gestellt.

In der Buch­ty­po­gra­phie gel­ten Fran­zö­si­schen Anfüh­rungs­zei­chen als die schöns­te und best les­bars­te Form­va­ri­an­te aller An- und Abfüh­rungs­zei­chen, da sie kei­ne Lücken im Schrift­satz ver­ur­sacht oder Ver­wechs­lun­gen mit ande­ren Schrift­zei­chen, bei­spiels­wei­se einem Zoll­zei­chen, aus­schließt. 11 )

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Typographen/innen erset­zen oft­mals in Anfüh­rungs­zei­chen gesetz­te Text­pas­sa­gen durch Schrift­aus­zeich­nun­gen (sie­he auch Schrift­mi­schung).
2.Anmer­kung: Hal­be Anfüh­rungs­zei­chen wer­den trotz Uni­code in der HTML-Über­mitt­lung oft nicht kor­rekt dar­ge­stellt oder sie feh­len gänz­li­ch.
3.Quel­le: Deut­sche Recht­schrei­bung, Regeln und Wör­ter­ver­zeich­nis, ent­spre­chend den Emp­feh­lun­gen des Rats für deut­sche Recht­schrei­bung, über­ar­bei­te­te Fas­sung des amt­li­chen Regel­werks, 2006 mit den Aktua­li­sie­run­gen 2001.
4.Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen: Insti­tut für Deut­sche Spra­che (IDS), Mann­heim, Doku­men­te zu den Inhal­ten der Recht­schreib­re­form, ver­füg­bar unter http://​www1​.ids​-mann​heim​.de/​s​e​r​v​i​c​e​/​r​e​f​o​rm/.
5.Anmer­kung: In der Tra­di­ti­on der Gebro­che­nen Schrif­ten, z.B. bei der Frak­tur, wur­den u.a. auch Par­en­the­sen oder Schräg­stri­che zwi­schen Grund- und Ver­sal­hö­he sowie Rau­ten als Anfüh­rungs­zei­chen ver­wen­det.
6.Anmer­kung: In eini­gen typo­gra­phi­schen Lehr­bü­chern wer­den die »kor­rek­ten« deut­schen Anfüh­rungs­zei­chen umgangs­sprach­li­ch und fälsch­li­cher Wei­se mit »99÷66« erklärt. Dies ist aller­dings nur eine von vie­len mög­li­chen Form­va­ri­an­ten. Aber wie kamen die »99÷66« nach Deutsch­land?: Füh­ren­de Schrif­ten- und Setz­ma­schi­nen­her­stel­ler, wie bei­spiels­wei­se Mono­ty­pe® oder Lino­ty­pe®, haben die­se eng­li­sche »99/66-Form« welt­weit mit ihren Schrift­satz­ma­schi­nen und Blei­schrif­ten dis­tri­bu­iert. In Deutsch­land mit sei­ner 500jäh­ri­gen Frak­tur­tra­di­ti­on haben sich die­se eng­li­schen Figu­ren der Anfüh­rungs­zei­chen erst nach dem II. Welt­krieg mit dem Ver­kauf von Anti­qua-Schrift­ma­tri­zen der eng­li­schen Mono­ty­pe® und mit den Schrift­satz­au­to­ma­ten von Lino­ty­pe® durch­ge­setzt; ins­be­son­de­re durch die eng­li­sche Vor­klas­si­zis­ti­sche Anti­qua »Times« (1932) von Stan­ley Mori­son (1889–1967) aus der Mono­ty­pe-Schrif­ten­bi­blio­thek, die in Deutsch­land bis heu­te noch eine der meist­be­nutz­ten Druck- und Büro­kor­re­spon­denz­schrif­ten ist. Neben­bei bemerkt, wur­de auch der ers­te »Duden« nach dem Krieg in der Times gesetzt.
7.Anmer­kung: Die Fran­zö­si­schen Anfüh­rungs­zei­chen in der heu­ti­gen Form gehen auf den fran­zö­si­schen Typo­gra­phen Fir­min Didot (1764−1836) zurück, der die­se erst­mals für sei­ne »Romain de L’Empereur« (»Kai­ser-Anti­qua«) schnitt.
8.Tipp: Jede Form von Anfüh­rungs­zei­chen ist akzep­ta­bel. Die gewähl­te Form muss aber dann durch­gän­gig in einer Schrift­satz­ar­beit ver­wen­det wer­den.
9.Anmer­kung: Ver­ti­ka­le bzw. gera­de Anfüh­rungs­zei­chen sind im deutsch­spra­chi­gen Schrift­satz abso­lut kor­rekt und seit den 1880er Jah­ren bei der deut­schen Gro­tesk übli­ch.
10.Anmer­kung: In Web­brow­sern und Mail­cli­en­ten kön­nen typo­gra­phi­sch kor­rek­te Anfüh­rungs­zei­chen oft nur mit­tels umständ­li­cher Tas­ta­tur­ein­ga­ben rea­li­siert wer­den, wobei die­se dann im Emp­fän­ger-Brow­ser nicht unbe­dingt auch kor­rekt dar­stellt wer­den müs­sen. Web Fonts – sofern sie kor­rek­te Anfüh­rungs­zei­chen im Zei­chen­vor­rat ent­hal­ten – kön­nen die­ses Pro­blem heu­te eli­mi­nie­ren.
11.Anmer­kung: Aus­nah­men sind hier eini­ge Form­va­ri­an­ten bei Klas­si­zis­ti­schen Anti­quas, deren An- und Abfüh­rung­zei­chen an run­den Klam­mern erin­nern.