Ausschießen

Unter »Ausschießen« wird im industriellen Druckwesen bzw. in der Druckvorstufe (Prepress) das gezielte Anordnen von Druckmotiven bzw. Seiten (z.B. Buchinnenseiten) auf einer Druckform (z.B. einer Offsetdruckplatte) verstanden. 1 ) 

Das fachgerechte Ausschießen 2 ) einer Druckform – respektive eines Druckbogens – bestimmt nicht nur die Qualität eines Druckerzeugnisses, z.B. die Registerhaltigkeit von »Verso« (Widerdruck) und »Recto« (Schöndruck), sondern auch dessen Herstellungskosten, beispielsweise durch eine optimale Berechnung der Nutzen. 3 ) 4 ) 5 )

Bei mehrseitigen Publikationen, z.B. bei Büchern oder Prospekten, erfolgt das Ausschießen in der Reihenfolge, dass sämtliche Druckbögen nach der buchbinderischen Weiterverarbeitung die korrekte Motiv- bzw. Seitenabfolge (siehe Pagina) standgerecht wiedergeben. 

Nachdem digitale Druckvorlagen (z.B. eine offenes Adobe InDesign® File oder ein daraus generiertes PDF®) von der Druckvorstufe einer Druckerei übernommen und evaluiert wurde, erfolgt das Ausschießen der Daten, z.B. eines Buchs, in folgenden Arbeitsschritten:

  • Festlegung des Druckbogenformats
  • Wahl der Heftung (z.B. Fadenheftung oder Klebebindung)
  • Wahl des Bogensammelns (z.B. Sammeln oder Zusammentragen)
  • Wahl der Wendeart (z.B. Umschlagen oder Umstülpen)
  • Wahl des Falzschemas 
  • Erstellen eines Falzmusters
  • Erstellen eines Einteilungsbogens
  • Druck eines Standbogens (nur analoge Druckvorstufe)

Als Basis für die Bogenmontage mehrseitiger Druckformen dient der sogenannte Einteilungsbogen. Er dokumentiert alle Elemente eines Layouts und alle Druckmarken. 6 )

Als Basis für die Bogenmontage mehrseitiger Druckformen dient der sogenannte Einteilungsbogen. Er dokumentiert alle Elemente eines Layouts und alle Druckmarken. Beispiel: Schlichtes Ausschießschema mit insgesamt acht Einzelseiten. Die Aufteilung eines Druckbogens in rechteckigen Nutzen ist relativ einfach. Schwieriger wird die Einteilung bei Verpackungen, z.B. bei Faltschachteln.
Als Basis für die Bogenmontage mehrseitiger Druckformen dient der sogenannte Einteilungsbogen. Er dokumentiert alle Elemente eines Layouts und alle Druckmarken. Beispiel: Schlichtes Ausschießschema mit insgesamt acht Einzelseiten. Die Aufteilung eines Druckbogens in rechteckigen Nutzen ist relativ einfach. Schwieriger wird die Einteilung bei Verpackungen, z.B. bei Faltschachteln.

Ausschießschemata ergeben sich aus dem Druckbogenformat, 7 ) den möglichen Nutzen, der Greiferkante für die Druckmaschine, den Platz für die Druckmarken und den Flächen, die die buchbinderische Weiterverarbeitung (z.B. Fadenheftung, Fräsrand) erfordert.

Das Ausschießen kann sowohl manuell nach fixen Ausschießregeln erfolgen, als auch über spezielle PrePress Software, z.B. »ApogeeX« von Agfa® Graphics, bei der unterschiedliche Auschließschemata hinterlegt sind. 

Das Ausschießen und die Bogenmontage erfolgt bei der Herstellung von CTP-Druckplatten (Computer to Plate) oder bei Computer to Press-Verfahren ausschließlich mittels Software, z.B. mit »ApogeeX« von Agfa® Graphics oder mit »Prinect Signa Station« der Heidelberger Druckmaschinen AG, Programme, die heute i.T. den gesamten Workflow der Druckvorstufe abwickeln können. Infografik: © 2016, Agfa Graphics, Düsseldorf, Zweigniederlassung Deutschland.
Das Ausschießen und die Bogenmontage erfolgt bei der Herstellung von CTP-Druckplatten (Computer to Plate) oder bei Computer to Press-Verfahren ausschließlich mittels Software, z.B. mit »ApogeeX« von Agfa® Graphics oder mit »Prinect Signa Station« der Heidelberger Druckmaschinen AG, Programme, die heute i.T. den gesamten Workflow der Druckvorstufe abwickeln können. Infografik: © 2016, Agfa Graphics, Düsseldorf, Zweigniederlassung Deutschland.

Die Tätigkeit des Ausschießens als Teilprozess der Druckvorstufe gehört heute mehrheitlich zum Berufsbild der »Mediengestalter/innen Digital und Print« (Deutschland), »Polygrafen/innen« (Schweiz) und »Druckvorstufentechniker/innen« (Österreich).

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Share / Beitrag teilen:

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Eine Druckform ist vom verwendeten Druckverfahren abhängig. Druckformen sind beispielsweise Aluminiumplatten (Offsetdruck), Direct Imaging Plates (Computer to Press), Solnhofener Lithosteine (Steindruck), Siebe (Siebdruck), Fotopolymerplatten (Flexodruck) oder Metallzylinder (Rotationstiefdruck).
2.Anmerkung: Ausschießen ist nicht mit dem Terminus »Ausschließen« zu verwechseln, einem Arbeitsprozess, bei dem im materiellen Schriftsatz (z.B. Bleisatz) die Wörter einer Zeile mit Hilfe von unterschiedlich breitem »Ausschlussmaterial« (Blindmaterial) auf eine vordefinierte Zeilenbreite mehr oder weniger gleichmäßig verteilt wird.
3.Anmerkung: Als Nutzen bezeichnet man die Gesamtsumme aller Seiten bzw. Druckmotive, die sich auf einem Druckbogen befinden. Faustregel: Je mehr Nutzen auf einen Druckbogen passen, desto kostengünstiger wird die Herstellung der Drucksache.
4.Tipp: Beim Ausschießen von Briefpapieren mit Wasserzeichen sollte immer auf einen gleichmäßigen Stand des Wasserzeichens geachtet werden.
5.Tipp: Das Ausschießen in der richtigen Laufrichtung des zu bedruckenden Papiers – insbesondere bei ungestrichenen Natur-, Feinst- und Künstlerpapieren (Designerpapiere) – ist existentiell für die buchbinderische Weiterverarbeitung. Hier ist insbesondere deshalb Vorsicht geboten, da die eine oder andere Druckerei hier schon mal gerne schummelt, um ein günstigeres Angebot abgeben zu können!
6.Anmerkung: Druckmarken sind z.B. Beschnittzeichen, Passmarken, Falzmarken, Beschnittzugabenmarken, Farbkontrollstreifen, Dateiname, Datum, Strich- oder QR-Codes.
7.Anmerkung: Das Format eines Druckbogens ist abhängig von der Größe der Druckmaschine (Maschinenklasse). Es kann entweder kleiner oder genauso groß sein wie ein Rohbogen (Formatware) sein.