Auszeichnungsschriften

Typographischer Terminus für familiäre und extrafamiliäre Schriftschnitte, die für Schriftauszeichnungen innerhalb eines Schriftsatzes im »glatten Satz« neben der Grundschrift verwendet werden.

Auszeichnungsschriften werden – immer ausgehend von der Grundschrift – in leise und laute Auszeichnungsschriftschnitte unterteilt. Zu den leisen Auszeichnungsschriftschnitten zählen strichgleiche Schriftstile, also beispielsweise der kursive Schriftschnitt oder die Kapitälchen innerhalb einer Schriftfamilie, zu den lauten Auszeichnungsschriftschnitten familäre oder extrafamiliäre fettere Schriftstile, beispielsweise halbfette oder fette Schriftschnitte.

Leise und laute Schriftauszeichnungen. Beispiele gesetzt in der Compatil™ Text und Fakt von Linotype. Infografik: www.typolexikon.de
Leise und laute Schriftauszeichnungen. Beispiele gesetzt in der Compatil™ Text und Fakt von Linotype.

Die Wahl der Auszeichnungsschriften erfolgt aufgrund einer semantischen und typographischen Schriftauszeichnungsmatrix (siehe Schriftmischung). Die Schriftwahl im Allgemeinen gehört in den Bereich der Makrotypographie, die Wahl der verwendeten Fonts in den der Mikrotypographie.

Semantisch rührt der Begriff »Auszeichnungsschrift« von »mit einer anderen Schrift auszeichnen«. Der Begriff »Auszeichnung« hat seinen Ursprung in der Inkunabelzeit der Jahre 1450 bis 1500. Denn Initialen, Rubriken, Lombarden, Illuminationen, Unterstreichungen und Auszeichnungsstriche konnten in der Prototypographie nur von Kalligraphen, Illuminatoren und Rubrikatoren händisch »ausgezeichnet« werden. 

Bis zum Ende des materiellen Schriftsatzes in den 1970/80er Jahren wurde ein Ensemble von familiären Auszeichnungsschriftschnitten als »Auszeichnungsschnitte« bzw. »Auszeichnungsgarnituren« bezeichnet.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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