Baskerville, John

Eng­li­scher Typo­gra­ph und Email­lier­tech­ni­ker. Gebo­ren 1706 zu Wol­ver­ley in der eng­li­schen Graf­schaft Worces­ter, gestor­ben 1775. 1726 ließ sich der aus­ge­bil­de­te (Grab-)Steinschneider John (Johan­nis) Bas­ker­vil­le als Schrei­b­leh­rer und Gra­veur in Bir­ming­ham nie­der, wo er ab 1738 ein Lackier­un­ter­neh­men betrieb, das auf Japan­lack spe­zia­li­siert war. Sein Erfin­dungs­geist revo­lu­tio­nier­te die Email­lier­tech­nik und er mach­te ein Ver­mö­gen mit der Her­stel­lung von diver­sen Haus­halts­ge­gen­stän­den. 

Porträt des englischen Typographen John Baskerville (1706–1775). Portraitmaler: James Millar (1735–1805). Galerie: National Portrait Gallery, London.
Por­trät des eng­li­schen Typo­gra­phen John Bas­ker­vil­le (1706–1775). Por­traitma­ler: James Mil­lar (1735–1805). Gale­rie: Natio­nal Por­trait Gal­le­ry, Lon­don.

Dane­ben wid­me­te sich Bas­ker­vil­le sei­ner Pas­si­on für die Typo­gra­phie, dem Buch­druck und der Kor­re­spon­denz mit bedeu­ten­den Zeit­ge­nos­sen; der ame­ri­ka­ni­sche Wis­sen­schaft­ler und Staats­mann Ben­ja­min Fran­klin, der eine erfolg­rei­che Dru­cke­rei in Phil­adel­phia errich­tet hat­te, zähl­te zu sei­nem engs­ten Freun­des­kreis.

Um 1754 ent­stand Bas­ker­vil­les ers­ter Schrift­schnitt, eine in ihrer eigent­li­ch »anti­ba­ro­ck« 1 ) schlich­ten Lini­en­füh­rung bestechend ele­gan­te Vor­klas­si­zis­ti­schen Anti­qua. 1757 druck­te er sein ers­tes Buch, einen latei­ni­schen Ver­gil, acht­und­zwan­zig Sei­ten davon auf dem von James What­man ent­wi­ckel­ten, sehr wei­chen, »wove paper« genann­ten Vélin-Papier. Dafür misch­te Bas­ker­vil­le eine spe­zi­el­le Dru­cker­schwär­ze und opti­mier­te den Druck­vor­gang durch den Ein­bau von beheiz­ten Kup­fer­zy­lin­dern, die ein rasches Trock­nen sei­ner tief­schwar­zen Opak-Tin­te bewirk­ten und folg­li­ch beson­ders exak­te Kon­tu­ren und ein kla­res Gesamt­s­chrift­bild gewähr­leis­te­ten.

Haupttitel (Titelei) des Buches »Publii Virgilii Maronis Bucolica, Georgica, et Æneis« (1757). In den »Fern- und Schaugrößen« wird deutlich, wie konsequent, systematisch und streng John Baskerville (1706–1775) seine Klassizistische Antiquas konstruiert hat. Quelle: Beinecke Rare Book and Manuscript Library, General Collection, Yale University, New Haven, Connecticut, USA.
Haupt­ti­tel (Tite­lei) des Buches »Publii Vir­gi­lii Maro­nis Buco­li­ca, Geor­gi­ca, et Æneis« (1757). In den »Fern- und Schau­grö­ßen« wird deut­li­ch, wie kon­se­quent, sys­te­ma­ti­sch und streng John Bas­ker­vil­le (1706–1775) sei­ne Klas­si­zis­ti­sche Anti­quas kon­stru­iert hat. Quel­le: Beine­cke Rare Book and Manu­script Libra­ry, Gene­ral Collec­tion, Yale Uni­ver­si­ty, New Haven, Con­nec­ti­cut, USA.

Sei­ne Prun­ke­di­ti­on von John Mil­tons Para­di­se Lost sicher­te ihm 1758 die Ernen­nung zum Direk­tor der Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press, für die er sei­ne Meis­ter­wer­ke, das Book of Com­mon Pray­er 1760/​62 und 1763 die Bibel, druck­te.

Als John Bas­ker­vil­le 1775 erben­los starb, wur­de der dekla­rier­te Athe­ist wunsch­ge­mäß von sei­ner Lebens­ge­fähr­tin Sarah Eaves in einem klei­nen Mau­so­leum im acht Mor­gen gro­ßen Park sei­nes feu­da­len Anwe­sens bei­ge­setzt. Pier­re Augus­tin Caron de Beau­m­ar­chais kauf­te die Ori­gi­nals­tem­pel der Anti­qua um 3700 Pfund Ster­ling aus dem Nach­lass und ließ damit die Pracht­aus­ga­be der Wer­ke von Vol­taire in 70 Bän­den dru­cken.

Nach Sarahs Tod 1788 wech­sel­ten die Eigen­tü­mer von Bas­ker­vil­le Hou­se in rascher Fol­ge. 1821 wur­de Bas­ker­vil­les Sarg bei Kanal­gra­bun­gen frei­ge­legt und geöff­net. Nach­dem meh­re­re Pfar­rei­en eine Wie­der­be­stat­tung in geweih­ter Erde ver­wei­gert hat­ten, wur­de der wohl­mu­mi­fi­zier­te Leich­nam Bas­ker­vil­les unter ande­rem in den bei­den größ­ten Waren­häu­sern von Bir­ming­ham einem stau­nen­den und zah­len­den Publi­kum zur Schau gestellt.

Erst 1899 fand die bizar­re Sarg-Odys­see ein Ende und John Bas­ker­vil­le in den Kata­kom­ben des Wars­to­ne Lane – Fried­hofs in Bir­ming­ham sei­ne end­gül­ti­ge Ruhe­stät­te. 2 ) 3 )

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Ver­wen­det man den kunst­ge­schicht­li­chen Ter­mi­nus »Baro­ck« kor­rekt, so ist die in Deutsch­land gebräuch­li­che Bezeich­nung »Baro­ck-Anti­qua« irre­füh­rend und fal­sch. Denn eine »Baro­ck-Anti­qua« ist kei­nes­wegs aus­schwei­fend, bizarr, über­trie­ben, ver­schnör­kelt oder gar deka­dent. Die­se Schrift­art soll­te des­halb – so wie in Frank­reich, Eng­land, Ita­li­en und in Deutsch­land vor 1964 übli­ch – als Über­gangs­an­ti­qua, als Vor­klas­si­zis­ti­sche Anti­qua oder als Halb­me­diä­val bezeich­net wer­den. In Eng­land gilt z.B. die Bas­ker­vil­le kei­nes­wegs als »baro­ck« son­dern als prä­vik­to­ria­ni­sch.
2.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Drey­fus, J.G.: The Sur­vi­val of Baskerville’s Pun­ches, Lon­don 1949.
3.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Bals­ton, John: The What­mans and Wove Paper, 3 Bde., Eng­land 1998, ISBN 0951950533, Edi­ti­on What­man Hou­se in Maids­to­ne, Kent.