Bodoni, Giambattista

Ita­lie­ni­scher Typo­gra­ph. Gebo­ren am 26. Febru­ar 1740 im pie­mon­te­si­schen Saluz­zo, gestor­ben am 30. Novem­ber 1813 in Par­ma. Schü­ler von Abba­te Rug­gie­ri in der vati­ka­ni­schen Poly­glot­ten­dru­cke­rei der Pro­pa­gan­da Fide. Giam­bat­ti­s­ta Bodo­ni zählt bis heu­te zu den bedeu­tends­ten Typo­gra­phen Euro­pas.

In der Absicht nach Eng­land zu gehen, ver­ließ Giam­bat­ti­s­ta Bodo­ni 1766 Rom, doch eine Krank­heit hielt ihn in Ita­li­en zurück. 1768 wur­de er zum Lei­ter der »Stam­pe­ria rea­le« in Par­ma ernannt. Dort ver­wen­de­te er anfangs nur die Typen von Pier­re Simon Four­nier aus Paris und ent­warf dann aber zahl­rei­che neue, auch ori­en­ta­li­sche Alpha­be­te. Denn auf Wunsch der kunst­be­geis­ter­ten Fürs­ten von Par­ma soll­te die Stam­pe­ria alle ande­ren Dru­cke­rei­en Ita­li­ens an Schrif­ten­reich­tum über­tref­fen.

Giambattista Bodoni (Parma, Italien, 1740–1813), der »Fürst der Typographen« (»principe dei tipografi«). Portrait von Andrea Appiani (Mailand, Italien, 1754–1817) aus dem Jahre 1799. Galerie: Galleria Nazionale, Parma, Italien.
Giam­bat­ti­s­ta Bodo­ni (Par­ma, Ita­li­en, 1740–1813), der »Fürst der Typo­gra­phen« (»prin­ci­pe dei tipo­gra­fi«). Por­trait von And­rea Appia­ni (Mai­land, Ita­li­en, 1754–1817) aus dem Jah­re 1799. Gale­rie: Gal­le­ria Nazio­na­le, Par­ma, Ita­li­en.

1771 erschien Bodo­nis ers­tes Schrift­mus­ter­buch »Sag­gio tipo­gra­fi­co di fre­gi e mai­us­cole«; 1775 ein in fünf­und­zwan­zig ver­schie­de­nen Spra­chen gedruck­tes Hul­di­gungs­buch »Epit­ha­la­mia exoti­cis lin­gu­is red­dita«. 1 ) 2 ) 1791 erlaub­te ihm Her­zog Fer­di­nand sogar die Errich­tung einer pri­va­ten Offi­zin im Palast, um ihn an sei­nen Hof zu bin­den. Hier ent­stan­den 1793 eine Pracht­aus­ga­be des Ver­gil und 1794 Tor­qua­to Tas­sos »La Geru­sa­lem­me libe­rata« in drei Foli­an­ten. 1806 druck­te Bodo­ni die berühm­te »Ora­tio domi­ni­ca in CLV lin­gu­is ver­sa et exoti­cis cha­rac­te­ri­bus pler­um­que expres­sa«, also das »Vater unser« in 155 Spra­chen; 1808 dann die »Ilia­de« des Homer, ein typo­gra­phi­sches Meis­ter­werk in drei Bän­den mit einer Zueig­nung an Napo­leon Bona­par­te.

Der ita­lie­ni­sche »Fürst der Typo­gra­phen« (»prin­ci­pe dei tipo­gra­fi«) und »Dru­cker der Köni­ge« beein­fluß­te mit sei­nem streng durch­kon­stru­ier­ter Stil die Dru­cker in ganz Euro­pa. Giam­bat­ti­s­ta Bodo­nis Hand­buch, das »Manua­le tipo­gra­fi­co«, wur­de post­hum 1818 von sei­ner Wit­we Mar­ghe­ri­ta Dall’Aglio in nur 250 Exem­pla­ren publi­ziert; es ent­hält neben 142 ori­gi­na­le Schrif­ten samt kor­re­spon­die­ren­den Kur­si­ven auch eine Kol­lek­ti­on von flo­ra­len Orna­men­ten und geo­me­tri­schen Mus­tern.

Schriftprobe eines digitalen Remakes der Bodoni (Giambattista Bodoni, 1740–1813). In der Schriftklassifikation zählen Bodonis zu den Klassizistischen Antiquas. Infografik: www.typolexikon.de
Schrift­pro­be eines digi­ta­len Remakes der Bodo­ni (Giam­bat­ti­s­ta Bodo­ni, 1740–1813). In der Schrift­klas­si­fi­ka­ti­on zäh­len Bodo­nis zu den Klas­si­zis­ti­schen Anti­quas.

Giam­bat­ti­s­ta Bodo­nis frü­he Edi­tio­nen sind noch illus­triert, mit Schrift­ty­pen im alten Stil. Um 1800 ist dann alles schmü­cken­de Bei­werk ver­schwun­den und es domi­niert die küh­le Ele­ganz der Klas­si­zis­ti­sche Anti­qua mit ihrer streng sym­me­tri­schen, fast monu­men­tal anmu­ten­den Typo­me­trie. Die Schön­heit sei­ner Dru­cke, vor allem der Titel­blatt­ge­stal­tun­gen, resul­tiert aus Bodo­nis hohem Sinn für die Pro­por­ti­on, aus dem fein­st aus­ge­wo­ge­nen Ver­hält­nis des Satz­spie­gels zu den Ste­gen, der exak­ten Anord­nung des Durch­schus­ses und dem kon­se­quen­ten Hal­ten des Regis­ters (Regis­ter­hal­tig­keit). Auch das Papier ist stets sorg­fäl­tig gewählt und die Dru­cker­schwär­ze sogar spe­zi­ell nach­be­han­delt, um ein tie­fes, glän­zen­des Schwarz zu erzie­len.

Bodo­nis Dru­cke und sei­ne legen­dä­re Anti­qua »Bodo­ni« gel­ten als epo­cha­le Meis­ter­wer­ke des Klas­si­zis­mus. Sei­ne klas­si­zis­ti­sche Anti­qua »Bodo­ni« wur­de des­halb unzäh­li­ge Male von ande­ren Schrift­ent­wer­fern repli­ziert. Die Renais­sance der Bodo­ni-Schrif­ten im 20. Jahr­hun­dert begann 1910 mit der Neu­in­ter­pre­ta­ti­on von Mor­ris F. Ben­ton für die »Ame­ri­can Type Foun­ders Com­pany« (ATF). Unter den zahl­rei­chen Abkömm­lin­gen gilt die »Bau­er Bodo­ni« von Hein­rich Jost als der schöns­te Nach­schnitt mit der stim­migs­ten Neu­in­ter­pre­ta­ti­on der »Manua­le tipo­gra­fi­co«. 3 ) 4 ) 

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Damals Her­zog­tum Par­ma, Hei­li­ges Römi­sches Reich Deut­scher Nati­on (962‑1806).
2.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Facsi­mi­le des Bodo­ni-Drucks mit einer Klas­si­zis­ti­schen Anti­qua, Par­ma 1775, aus der Cary Collec­tion, New York unter http://​libra​ry​.rit​.edu/​c​a​ry/. Mel­bert B. Cary war in den 1920er Jah­ren Direk­tor der Con­ti­nen­tal Type Foun­ders Asso­cia­ti­on; sei­ne Samm­lung umfasst rund 2.300 bedeu­ten­de Wer­ke zur Geschich­te des Buch­drucks und gehört zum Roches­ter Insti­tu­te of Tech­no­lo­gy.
3.Muse­um­s­emp­feh­lung: Bodo­ni zum Anfas­sen: Museo Bodo­nia­no di Par­ma, Museo Bodo­nia­no, Stra­da alla Pilot­ta, 3 – 43100 Par­ma, Ita­li­en. Besich­ti­gung nur nach Vor­an­mel­dung. Das Muse­um befin­det sich im obers­ten Stock­werk der Biblio­te­ca Pala­ti­na im Palaz­zo del­la Pilot­ta. Infos unter www​.museo​b​o​do​ni​.beni​cul​tu​ra​li​.it.
4.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Aja­ni, Ste­fa­no und Lui­gi Cesa­re Amlet­to: Cono­s­ce­re Bodo­ni, G. Altie­ri, Turin 1990.