Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Capitalis Quadrata

Römische Quadratschrift. Lateinische Handschrift für Pergamenthandschriften. Handschriftliche Schriftvariante der in Stein gemeißelten » Capitalis monumentalis «. Etymologisch aus lateinisch » capitalis « für » Haupt, Kopf « aus » den Kopf, das Leben betreffend; in seiner Art vorzüglich « und » quadrata « aus » quadratus « für » viereckig « zu lt. » quadare « für » viereckig machen «.

Die Capitalis Quadrata gilt neben der » Capitalis rustica « als die klassische Buchschrift der Römer. Die Capitalis Quadrata ist eine Schrift, die ausschließlich Majuskeln aufweist und deren Typometrie sich deutlich an Quadrat, Kreis und Dreieck orientiert. Wie die Capitalis Monumentalis, die als das Vorbild aller Antiqua-Schriften gilt, verfügt die Capitalis Quadrata über Serifen.

Das älteste Beispiel einer skriptographischen Capitalis quadrata ist ein Papyrusfragment aus Herculaneum mit einem Gedicht auf die Schlacht von Actium, das zwischen 31 und 79 geschrieben worden sein muss. Als Buchschrift für Pergamentkodizes ist die Capitalis quadrata, die mit einer breitgeschnittenen Rohrfeder im Zweiliniensystem geschrieben wurde, bis ins 6. Jahrhundert in Gebrauch geblieben. Bis in die karolingische Zeit wurde die Capitalis quadrata sogar für Prachthandschriften verwendet.

Aus der Capitalis Quadrata entwickelte sich unmittelbar die » Cursiva «, eine römische Kursivschrift, welche in ihrem Frühstadium mehr oder weniger eine seitlich geneigte Vulgärform der Capitalis Quadrata war.

Im vierten Jahrhundert entsteht mit dem Wechsel vom faserigen Papyrus zum glatteren Pergament und vom pflanzlichen, leicht splitternden Rohr zum kompakten Federkiel als Schreibwerkzeug aus der Capitalis Quadrata (und Capitalis Rustica) die » Uncialis « (Unziale), die erste Schrift mit runden Formen.

[T] Lateinische Handschriften und antike Schriftgeschichte werden in der Paläographie erforscht.
[T] Eine umfassende Systematik der lateinischen Paläographie erarbeiteten bis 1765 die französischen Benediktiner Charles Francois Toustain und René Prosper Tassin; in ihrem » Nouveau Traité « wurde die römische Majuskelschrift erstmals nach Capitalis und Uncialis unterschieden und zu Minuskel und Cursiva als besondere
Schriftart eine » Semiuncialis « (Halbunziale) eingeführt, aus der sich im Verlauf der karolingischen Schriftreform die mittelalterliche Minuskel entwickelte.
[T] In der Paläographie wird die römische Schrift generell als » Scriptura capitalis « bezeichnet.


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 31.10.2008
von
Wolfgang Beinert




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Quelle: © Wolfgang Beinert, Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie
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