Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Cicero

1. Protovariante der Antiqua mit einem eindeutig definierten Schriftgrad von rund 5 mm und einem festen Größenverhältnis der Kegel zueinander. Dieser Schriftschnitt galt bereits bei den Prototypographen als besonders lesefreundlich und wurde deshalb bis ins 20. Jahrhundert als Buchdruckschrift verwendet.

Eine Antiqua mit dieser Kegelgröße druckten erstmals die deutschen Prototypographen Conrad Sweynheym und
Arnold Pannartz, die die Typographie 1464 von Deutschland nach Italien gebracht hatten. In ihrer Offizin in Rom druckten Sweynheym und Pannartz 1467 die erste Ausgabe der »Epistulae familiares« von Marcus Tullius Cicero (106–43 v.Chr.), einem römischen Dichter, Redner und Staatsmann. 1468 und 1469 fertigten die deutschen Typographen Johann und Wendelin von Speyer in Venedig (de Spira) davon Nachdrucke und schufen weitere Cicero-Frühdrucke, alle in diesem neuen Schriftschnitt, der fortan »Cicero« genannt wurde.

Seit der Erfindung des »Point typographique« durch den Pariser
Typographen Pierre Simon Fournier (1712–1768) bzw. seit der Überarbeitung des typographischen Punkt-Systems durch den französischen Typographen Firmin Didot um 1785–1795, entsprach der Schriftgrad der »Cicero« dann exakt 12 typographischen Didot-Punkten, was 4,512 mm entsprach.

Die »Cicero« einer Schriftgarnitur, also eine 12 Didot-Punkt große Antiqua in normalen Schriftstil, wurde fortan zum Standard im Buchschritsatz. Die »Cicero« hatte deshalb das umfangreichste Figurenverzeichniß von allen Schriftschnitten innerhalb einer Schriftgarnitur und wurde in vielen Verlagsdruckereien bis zum Ende der Bleisatzära zur Brotschrift. Die »Cicero« prägte die Lesegewohnheiten der westlichen Welt bis heute am nachhaltigsten. Viele Buchverlage setzen deshalb heute noch ihre Bücher in einer ca. 12
Didot-Punkt großen Antiqua-Druckschrift.

2. Typographisches Mittel aus der Periode des Bleisatzes; Eigenname eines Schriftgrades. »1 Cicero« entsprach mit 4,512 mm (gerundet 4,5 mm) genau 12 Didot-Punkten. »2 Cicero« bzw. »1 Doppelcicero« entsprach 24 Didot-Punkten, »3 Cicero« entsprachen 36 Didot-Punkten, »4 Cicero« entsprachen 48 Didot-Punkten, »6 Cicero« entsprachen 72 Didot-Punkten, »7 Cicero« entsprachen 84 Didot-Punkten und »8 Cicero« entsprachen 96 Didot-Punkten. Ab dem Mittel »Cicero« wurde der Schriftgrad auch Schaugröße genannt.

Mit Einführung des optomechanischen Schriftsatzes (Fotosatz) verlor der Begriff »Cicero« an Bedeutung und ist ab Mitte der 80er Jahre mit Zunahme digitaler Schriftsatzsysteme nicht mehr gebräuchlich.

[T] In der
Typographie existieren keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen für Schriftgrößen im Sinne der Metrologie und der Typometrie.
[L] Otto Mazal: Paläographie und Paläotypie. Zur Geschichte der Schrift im Zeitalter der Inkunabeln, Verlag Anton Hiersemann, Stuttgart 1984.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 31.10.2008
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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