Caflisch, Max

Schweizer Typograph, Lehrer, Autor und Buchgestalter. Geboren am 25. Oktober 1916 in Winterthur im Kanton Zürich in der Schweiz. Gestorben am 3. März 2004 am Zürichsee. Caflisch zählt zu den wichtigen schweizer Buchgestaltern des 20. Jahrhunderts.

Seine Buchausstattungen orientierten sich an der Englischen Typographie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts; sie wirken auch heute noch überwiegend elegant und zeitlos. Der Typograph Herman Zapf (1918—2015) stellte in diesem Kontext 1988 in einer Jubiläumsschrift für Caflisch fest, dass dem »bescheidenen und zurückhaltenden Max Caflisch typographische Extragazen fremd sind«. Der Typograph Hans Peter Willberg (1930–2003) schrieb in der gleichen Publikation: »Max Caflischs Bücher sehen so aus, als ob gar nichts daran gestaltet worden wäre – so selbstverständlich, so normal – und doch sieht man auf den ersten Blick, dass sie von Max Caflisch stammen (…) er ist kein Doktrinär (…) scharf wird sein Urteil nur, wenn er feststellt, dass typographische Form nicht aus der Sache sich entwickelt, sondern übergestülpt, aufgesetzt ist.« 1 ) Caflisch veröffentlichte zahlreiche Fachaufsätze und Buchbesprechungen in Fachzeitschriften.

Max Caflisch besuchte von 1923 bis 1932 die Primar- und Sekundarschule (in Deutschland Grund- und Hauptschule). 1932 begann er eine Handschriftsetzerlehre bei der Buchdruckerei Studer-Schläpfer in Horgen am Zürichsee, welche er 1936 als Schriftsetzergehilfe beendete. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsetzer besuchte er den Fachunterricht an der Kunstgewerbeschule Zürich, wo er auch erstmals mit den – von ihm sehr geschätzten – Arbeiten des Offenbacher Typographen Rudolf Koch (1876–1934) in Berührung kam. Von 1938 bis 1941 arbeitet Caflisch als erster Akzidenzsetzer beim Benno Schwabe Verlag 2 ) in Basel, wo auch der in Fachkreisen prominente Typograph Jan Tschichold (1902–1974) und danach der ungarische Typograph, Grafiker und Maler Irme Reiner (1900–1987) arbeiteten. Von 1939 bis 1945, also während des II. Weltkriegs, leistet er seinen Aktivdienst bei der Schweizer Armee ab. 1941 wechselt er – wie Tschichold – zum renommierten Birkhäuser Verlag in Basel, wo er in der Druckerei kurzzeitig als Akzidenzsetzer arbeitet 3 ) Nach diesem beruflichen Intermezzo unterrichtet er an der Baseler Allgemeinen Gewerbeschule 4 ) Vom Dezember 1942 bis Februar 1943 arbeitet Max Caflisch als künstlerischer Schriftsatzgestalter bei der BDV Basler Druck- und Verlagsanstalt AG. Von 1943 bis 1962 ist er künstlerischer Leiter des Druck- und Verlagshauses Benteli AG in Bern-Bümpliz. 5 ) Im Juni 1943 heiratet er Aline Lüthi. Im August 1944 Geburt seines Sohnes Ulrich. Ab Mitte der 1940er Jahre bis Anfang der 60er Jahren ist er als freiberuflicher Typograph und Buchgestalter für diverse Verlage tätig.

1954 Ausstellungsbeteiligung in London bei der »National Book League: In Praise of Italic«. 1955 veröffentlicht Caflisch seine Zierschrift »Columna«, eine Bleisatzschrift mit betont trapez- bzw. keilförmigen Serifen (Glyphic) in nur einem Majuskelverzeichnis, welche heute als Font von unterschiedlichen Font Foundries, z.B. von Linotype, unter der Bezeichnung »Columna Solid« vertrieben wird. 1959 wird von der Monotype Corporation sein Buch »William Morris (1834–1896), der Erneuerer der Buchkunst« veröffentlicht.

1962 bis 1966 ist Caflisch als freiberuflicher Berater für die International Business Machines Corporation (IBM, Armonk, US-Bundesstaat New York) tätig, wo er das Schriftenprogramm der IBM-Composer mitbetreut. Von 1962 bis 1981 Festanstellung bei der Stadt Zürich im Schuldienst an der Kunstgewerbeschule Zürich 6 ) als »Vorsteher der Abteilung Lehrlingsklassen« sowie als Fachlehrer für Typographie. 1964 hält Caflisch in Stockholm am Grafiska Institutet von Bror Zachrisson Seminare mit Hermann Zapf (1918—2015) und der US-amerikanischen Typographin und Autorin Beatrice Warde (1900-1969). 1965 erscheint seine Publikation »Kleines Spiel mit Ornamenten«. 1965 bis 1966 nebenberuflicher Berater der Bauerschen Gießerei in Frankfurt am Main. Mitte bis Ende der 60er Jahre diverse Ausstellungsbeteiligungen, z.B. in Frankfurt bei der Stiftung Buchkunst, in der Staats- und Univeritätsbibliothek in Hamburg, in der Stadtbücherei im Wilhelmspalais in Stuttgart und im Gutenbergmuseum in Bern. 7 )

Ab 1970 stattet Max Caflisch regelmäßig Bücher für den Verlag Mirio Romano in Kirchberg bei Zürich aus. 1972 nebenberufliche Beratung der Dr.-Ing. Rudolf Hell KG (infolge Linotype-Hell AG) in Kiel, wo er im Zuge der Prosperität der digitalen Satztechnik u.a. mit Ingenieuren und Kollegen über »neue digitale Alphabete« philosophiert, also über Schriften, die nicht aus der Bleisatztypometrie (Typometrie ) heraus konzipiert werden. 1973 veröffentlicht Caflisch in Zürich seinen Privatdruck »Fakten zur Schriftgeschichte«. 1973 bis 1978 Privatdozent an der Technikerschule der Graphischen Industrie Zürich. 1976 Tod seiner Frau Aline. Ausstellungsbeteiligung bei der Internationalen Ausstellung für Illustration und Buchgestaltung in Brünn (Schweiz). 1976 lernt Max Caflisch auf dem ATypI-Kongress (Association Typographique Internationale) 8 ) in Hamburg, einem internationalen Forum fürTypographie, den damals 34jährigen niederländischen Typographen Gerard Unger kennen, der zu diesem Zeitpunkt von Hell seinen ersten Auftrag für einen Schriftentwurf erhält, welchen widerum auch Cafilsch in seiner Funktion als Berater bei Hell qualifizierte. 1978 veröffentlicht Cafllisch über die Dr.-Ing. Rudolf Hell KG den Privatdruck »Typographie braucht Schrift«.

1981 gestaltet Caflisch für die Internationale Gutenberg-Gesellschaft in Mainz das Gutenberg-Jahrbuch, ein zentrales wissenschaftliches Publikationsorgan der internationalen Gutenberg-Forschung. 9 ) 1983 stellt er in der Bibliotheek van de Universiteit van Amsterdam mit den Typographen Fernand Baudin (B, 1918–2005), John Dreyfus (UK, 1918–2002), Huib van Krimpen (NL, 1917-2002) und Hermann Zapf (1918—2015) aus. 1985 verfasst er über die von Hermann Zapf entworfene Schriftfamilie »Edison« eine Publikation, die ebenfalls über die Dr.-Ing. Rudolf Hell KG in Kiel vertrieben wird. Im gleichen Jahr erhält er den Preis des Schweizer Buchhandels. Daraufhin folgt eine Ausstellung in der Centro del Bel Libro in Ascona im Kanton Tessin und eine Ausstellung zusammen mit dem schweizer Grafiker, Maler und Buchgestalter Celestino Piatti im Stadthaus Zürich.

2001 erfasst und dokumentiert Caflisch für die Publikation »F. H. Ernst Schneidler Schriftentwerfer, Lehrer, Kalligraph« die Satzschriften von Friedrich Hermann Ernst Schneidler (1882–1956) [10]. Am 3. März 2004 stirbt Max Caflisch im Alter von 87 Jahren am Zürichsee. 10 ) 11 ) 12 ) 13 ) 14 ) 15 ) 16 ) 17 )

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Quelle: Aus den Beiträgen von Hermann Zapf und Hans Peter Willberg für »Typographia practica«. Co-Autoren sind Albert Kapr, Eckehart Schumacher-Gebler und Antonia Weiß.
2.Anmerkung: Die Druckerei des Verlages Benno Schwabe (infolge) wurde bereits 1488 vom Prototypographen Johannes Petri gegründet. Der Verlag und die Druckerei firmieren heute als Schwabe AG in Basel. Als Tschichold zum Birkäuser Verlag wechselte, wurde bei Schwabe der ungarische Maler, Grafiker und Typograph Imre Reiner (1900–1987) sein Nachfolger.
3.Anmerkung: Der Birkäuser Verlag (Birkhäuser Verlag AG, Basel, Boston, Berlin), 1879 als Druckerei von Emil Birkhäuser gegründet, entwickelte sich in den 1930er Jahren zu einem einflussreichen Wissenschaftsverlag und gehört heute zur Springer Science+Business Media Deutschland GmbH, Heidelberg. Zu seinen Fachgebieten gehören heute u.a. auch Design, Architektur und Typographie. Beispielsweise zählen das Designmagazin »form« und seit 2005 der Designverlag »Lars Müller Publishers« zu dieser Verlagsgruppe.
4.Anmerkung: Heute »Schule für Gestaltung Basel«. Info unter www.sfgbasel.ch.
5.Anmerkung: Alfred Benteli lies am 21. Februar 1899 die Druckerei Benteli als Familienaktiengesellschaft ins Handelsregister eintragen. 1989 trennten sich Druckerei und Verlag. Im Jahr 2001 übernahm die Neue Zürcher Zeitung die Mehrheit der Aktien des Verlages. 40% verblieben bei der Espace Media Groupe (Stand 2007). Heute ist der Benteli Verlag in Zürich zu Hause. Die Druckerei gehört heute zur Benteli Hallwag Druck AG in Bern-Wabern.
6.Anmerkung: In Folgen: Kunstgewerbeschule Zürich, Kunstgewerbliche Abteilung der Gewerbeschule Zürich, Schule für Gestaltung Zürich, Höhere Schule für Gestaltung Zürich, heute HGKZ Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Info unter www.hgkz.ch.
7.Anmerkung: Seit 2000 im Schweizerischen Museum der Graphischen Industrie und der Kommunikation in Freiburg.
8.Anmerkung: Infos unter www.atypi.org.
9.Anmerkung: Infos unter www.gutenberg-gesellschaft.de.
10.Literaturempfehlung: Caflisch, Max (Hrsg.): Typographia practica. Arbeiten von Max Caflisch aus vier Jahrzehnten mit Beiträgen von Alain Berlincourt, Philipp Bertheau, Hans Rudolf Bosshard, Werner Blum, Kurt Gschwend, Darrell Hyder, Walter Jäger, Georg Ramseger, Mirio Romano, Hans Heinrich Schmid, Gustav Stresow, Gerard Unger, Hans Peter Willberg und Hermann Zapf. Jahresgabe für die Maximilian-Gesellschaft Hamburg und die TU Darmstadt, 1988.
11.Literaturempfehlung: Caflisch, Max: Über Buchgestaltung, Almanach 1969, Carl Heymanns Verlag KG, Köln, 1968.
12.Literaturempfehlung: Caflisch, Max: William Morris, der Erneuerer der Buchkunst. The Monotype Corporation Limited, Bern 1959.
13.Literaturempfehlung: Caflisch, Max: Kleines Spiel mit Ornamenten. Vierter Angelus-Druck, Bern 1965.
14.Literaturempfehlung: Caflisch, Max: Fakten zur Schriftgeschichte. Privatdruck, Zürich 1973.
15.Literaturempfehlung: Caflisch, Max: Schrift und Papier. Eine Untersuchung über die gegenseitig Abhngikeit von Papieroberfläche, Druckverfahren, Wiedergabequalität und Leserlichkeit von Schriften. Papierfabrik Albert Ziegler AG, Grellingen, 1974.
16.Literaturempfehlung: Caflisch, Max: Typographie braucht Schrift. Privatdruck, Dr.-Ing. Rudolf Hell KG, Kiel 1978.
17.Literaturempfehlung: Caflisch, Max: Caflisch, Max: Edison, eine für Zeitungen, Zeitschriften und wissenschaftliche Publikationen von Hermann Zapf gezeichnete Schriftfamilie. Dr.-Ing. Rudolf Hell KG, Kiel 1985.