Archiv der Kategorie: J

Kategorie J

Jannon, Jean

Schweizer (oder französischer?) 1 ) Typograph, Buchdrucker, Buchhändler und Stempel- bzw. Schriftschneider. Geboren im April 1580 in Genf (oder Paris?), gestorben am 20. Dezember 1658 in Sedan. Drucker an der Akademie des Fürstentums Sedan (und Raucourt). 2 )  Alternative Schreibweisen seines Namens: Iean Iannon, Joannes Jannonus, Jean Janon und Joannes Janonus. 3 ) 

Jean Jannon entwickelte die mutmaßlich von Claude Garamond (um 1498/99–1561) 1533 entworfene Französische Renaissance Antiqua weiter, die um 1621/1622 unter dem Namen »Garamond-Schrift« europaweit bekannt wurde. 4 ) Jannons späte Renaissance Antiquas werden als Übergangsformen zu den Vorklassizistischen Antiquas bewertet, die sukzessive in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus der Renaissance Antiqua entwickelt wurden. 

Seine »Caractères de L’Université« – basierend auf seiner »Petite Sedanaise« aus dem Jahr 1621, was karikiert übersetzt »die Kleine aus Sedan« bedeutet, gelten gemeinhin als elegant und als handwerklich brillant geschnitten. Allerdings ist die These, wonach er diese Drucktypen nach dem »Goldenen Schnitt« (divina proportio) entwarf, nicht korrekt.

Jannon, Jean weiterlesen

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Jean Jannon war vermutlich Bürger des unabhängigen protestantischen Fürstentums Sedan und Raucourt, das 1642 vom katholischen Frankreich annektiert wurde. Sein Geburtsort ist nicht überliefert. Es könnte Genf oder Paris gewesen sein.
2.Anmerkung: Imprimeur (de Son Excellence [le prince de Sedan] et) de l’Académie (sedanaise). Bis zur ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war Sedan Hauptstadt des Fürstentums Sedan und Raucourt. Nach der Schlacht von La Marfée ab 1642 Okkupation durch Frankreich. Heute liegt Sedan im Département Ardennes der Region Grand Est.
3.Quelle:  Bibliothèque nationale de France (Französische Nationalbibliothek), online verfügbar unter http://data.bnf.fr/fr/16054868/jean_jannon/ (22.2.2017).
4.Anmerkung:  Es gibt de facto keinen Nachweis dafür, dass tatsächlich Claude Garamond diese oder andere Schriften entworfen hat. Fachleute vermuten, dass beispielsweise die »Grecs du Roy« bereits von seinem Lehrmeister Antoine Augereau (um 1485-1534) entworfen wurde, der, im Gegensatz zu Garamond, der griechischen Sprache mächtig war, über die notwendigen Kontakte und die erforderliche Bildung verfügte. Ähnliche Schlußfolgerungen vertreten einige sehr ernstzunehmende Fachleute, so beispielsweise George Abrams und Nicholas Barker (The Aldine Roman in Paris, The Library, 1974), welche sogar die Hypothese vertreten, dass Schriften, die Garamond vor 1540 zugesprochen werden, von seinem Lehrmeister stammen könnten; es sich jedoch zumindest um Kopien der Entwürfe von Augereau handeln müsse, die handwerklich von Garamond im Zuge des Nachschnitts optimiert wurden.