Cicero

1. Pro­to­va­ri­an­te der Anti­qua mit einem ein­deu­tig defi­nier­ten Schrift­grad von rund 5 mm und einem fes­ten Grö­ßen­ver­hält­nis der Kegel zuein­an­der. Die­ser Schrift­schnitt galt bereits bei den Pro­to­ty­po­gra­phen als beson­ders lese­freund­li­ch und wur­de des­halb bis ins 20. Jahr­hun­dert als Buch­druck­schrift ver­wen­det.

Eine Anti­qua mit die­ser Kegel­grö­ße druck­ten erst­mals die deut­schen Pro­to­ty­po­gra­phen Con­rad Sweyn­he­ym und Arnold Pann­artz, die die Typo­gra­phie 1464 von Deutsch­land nach Ita­li­en gebracht hat­ten. In ihrer Offi­zin in Rom druck­ten Sweyn­he­ym und Pann­artz 1467 die ers­te Aus­ga­be der »Epis­tu­lae fami­li­a­res« von Mar­cus Tul­li­us Cice­ro (106–43 v.Chr.), einem römi­schen Dich­ter, Red­ner und Staats­mann. 1468 und 1469 fer­tig­ten die deut­schen Typo­gra­phen Johann und Wen­de­lin von Spey­er in Vene­dig (de Spi­ra) davon Nach­dru­cke und schu­fen wei­te­re Cice­ro-Früh­dru­cke, alle in die­sem neu­en Schrift­schnitt, der fort­an »Cice­ro« genannt wur­de. 1 )

Seit der Erfin­dung des »Point typo­gra­phi­que« durch den Pari­ser Typo­gra­phen Pier­re Simon Four­nier (1712–1768) bzw. seit der Über­ar­bei­tung des typo­gra­phi­schen Punkt-Sys­tems durch den fran­zö­si­schen Typo­gra­phen Fir­min Didot um 1785–1795, ent­sprach der Schrift­grad der »Cice­ro« dann exakt 12 typo­gra­phi­schen Didot-Punk­ten, was 4,512 mm ent­sprach.

Die »Cice­ro« einer Schrift­gar­ni­tur, also eine 12 Didot-Punkt gro­ße Anti­qua in nor­ma­len Schrift­stil, wur­de fort­an zum Stan­dard im Buch­schrit­satz. Die »Cice­ro« hat­te des­halb das umfang­reichs­te Figu­ren­ver­zeich­niß von allen Schrift­schnit­ten inner­halb einer Schrift­gar­ni­tur und wur­de in vie­len Ver­lags­dru­cke­rei­en bis zum Ende der Blei­sat­z­ära zur Brot­schrift. Die »Cice­ro« präg­te die Lese­ge­wohn­hei­ten der west­li­chen Welt bis heu­te am nach­hal­tigs­ten. Vie­le Buch­ver­la­ge set­zen des­halb heu­te noch ihre Bücher in einer ca. 12 Didot-Punkt gro­ßen Anti­qua-Druck­schrift.

2. Typo­gra­phi­sches Mit­tel aus der Peri­ode des mate­ri­el­len Schrift­sat­zes (Blei­satz); Eigen­na­me eines Schrift­gra­des, der zu den Lese­grö­ßen gehört. 1 Cice­ro (franz. »St. Augus­tin«, engl.»Pica«) ent­sprach mit 4,512 mm (gerun­det 4,5 mm) gen­au 12 Didot-Punk­ten. 2 )

1 Cicero = 12 Didot-Punkten
2 Cicero = 24 Didot-Punkten = 1 Doppelcicero
3 Cicero = 36 Didot-Punkten
4 Cicero = 48 Didot-Punkten
6 Cicero = 72 Didot-Punkten
7 Cicero = 84 Didot-Punkten
8 Cicero = 96 Didot-Punkten

Mit Ein­füh­rung des opto­me­cha­ni­schen Schrift­sat­zes (Foto­satz) ver­lor der Begriff »Cice­ro« an Bedeu­tung und ist ab Mit­te der 80er Jah­re mit Zunah­me digi­ta­ler Schrift­satz­sys­te­me nicht mehr gebräuch­li­ch.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Mazal, Otto: Paläo­gra­phie und Paläo­ty­pie. Zur Geschich­te der Schrift im Zeit­al­ter der Inku­na­beln, Ver­lag Anton Hier­se­mann, Stutt­gart 1984.
2.Anmer­kung: In der Typo­gra­phie exis­tie­ren kei­ne ver­bind­li­chen Bemes­sungs­grund­la­gen für Schrift­grö­ßen im Sin­ne der Metro­lo­gie und der Typo­me­trie.