Decorative

Typographischer Terminus für dekorative Schriften; Zierschriften, die auf der Typometrie der Antiqua basieren und Großteils im Sinne der typographischen Schriftklassifikation Antiqua Varianten (Hybride) sind. Zu dieser Gruppe gehören mehrheitlich Designer-Schriften, sogenannte »Designer Fonts«, die nicht die traditionellen Klassifikationsmerkmale einer Druckschrift aufweisen.

Decorative zählen zu den Antiqua Varianten (Zierschriften). Beispiele gesetzt in der Blur von Neville Brody, Arnold Böcklin von Otto Weisert, Copperplate Gothic von Frederic Goudy und Souvenir von Morris Fuller Benton.
Decorative zählen zu den Antiqua Varianten (Zierschriften). Beispiele gesetzt in der Blur von Neville Brody, Arnold Böcklin von Otto Weisert, Copperplate Gothic von Frederic Goudy und Souvenir von Morris Fuller Benton.

»Decorative« eignen sich im Segment der Lesetypographie, z.B. für einen Roman, in der Regel nicht als Grundschrift, da in ihrer Formgebung primär der individuelle grafische Entwurf und nicht die Typometrie im Sinne der Lesbarkeit im Vordergrund steht. Decorative werden deshalb überwiegend in der Gebrauchstypographie, im Editorial Design oder in der Kunsttypographie als Trend- und Schmuckschriften verwendet. Decorative ab den 1980er Jahren verfügen oft über alternative Figurenverzeichnisse, unterschiedliche Ligaturen und Glyphen.

Verbindliche Klassifikationsmerkmale im Sinne der Schriftklassifikation 1 ) für Decorative existieren nicht. Der Übergang zu den Display-Schriften und anderen Unter- und Nebengruppen ist grenzenlos. 2 )

Decorative gibt es in unterschiedlichen Schrifttechnologien, beispielsweise als OpenType-Standard, sowohl kostenpflichtig als auch kostenfrei bei unterschiedlichen Font Foundries. Dort werden sie meist unter dem Überbegriff »Displays« gelistet.

Vertreter dieser Schriftart
SchriftSchriftgestalterFont FoundryJahr
Amelia ScriptBaboon, MaroonEigenproduktion2015
Arnold BöcklinWeisert, OttoOtto Weisert1904
BlurBrody, NevilleFontFont1991
ChromoxomeNiessink, ThomEigenproduktion2015
DemocraticaNewlyn, MilesEmigre1991
EckmannEckmann, OttoKlingspor1900
ExocetBarnbrook, JonathanEmigre1991
InsigniaBrody, NevilleFontFont1990
IronwoodRedick, Joy
Lind, Barbara
Buker Chansler, Kim
Adobe1990
MamboFullard, ValFontFont1992
MasonBarnbrook, JonathanEmigre1992
Pattern No. 1Dingler, EikeMauve Type2014
Sofia RoughGourvat, OlivierMostardesign Type Foundry2015
SouvenirBenton, Morris FullerITC1914
StencilPowell, GerryATF1937
TrendHernández, Daniel
Nazal Selaive, Paula
Latinotype2012
TriplexLicko, ZuzanaEmigre1989

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmerkung: Bis zum Ende des materiellen Schriftsatzes in den 1970er Jahren konnten handelsübliche Schriften relativ einfach klassifiziert und in Gruppen eingeteilt werden. Dies ist seit dem optomechanischen Schriftsatz (Fotosatz) und insbesondere seit Beginn der digitalen Typographie (PostScript, TT, Bitmap, OTF, etc.) nicht mehr – oder nur zum Teil möglich. Zu viele Varianten und Mischformen sind existent. Einheitliche Formmerkmale sind nicht mehr konkret nachweisbar und es ist nahezu unmöglich geworden, Antiquaschriften kunstgeschichtlich zuzuordnen.
2.Anmerkung: In den meisten Schriftportalen, beispielsweise Google® Fonts oder Fontshop, firmieren heute Decorative unter »Display« Fonts.