Diplomatik

Wis­sen­schaft­li­cher Ter­mi­nus für »Urkun­den­leh­re« (alt­gr. »diplo­ma«, das eigent­li­ch »Gefal­te­tes, Gedop­pel­tes« bedeu­tet, zu »diplóos« für »dop­pelt«). Ähn­li­ch der Paläo­gra­phie ist die Diplo­ma­tik eine Dis­zi­plin der his­to­ri­schen Hilfs­wis­sen­schaf­ten, die mit spe­zi­el­len Metho­den die cha­rak­te­ris­ti­schen gra­phi­schen, kal­li­gra­phi­schen und typo­gra­phi­schen Merk­ma­le von alten Doku­men­ten, Urkun­den und Akten erforscht, die­se iden­ti­fi­ziert und datiert, auf Echt­heit oder Fäl­schung unter­sucht, kom­men­tiert und in kri­ti­schen Edi­tio­nen zugäng­li­ch macht.

Den ers­ten Ver­su­ch einer wis­sen­schaft­li­chen Behand­lung his­to­ri­scher Schrift­stü­cke unter­nahm der bel­gi­sche Jesuit Dani­el Pape­bro­ek (1628–1714) in der Ant­wer­pe­ner »Acta Sanc­to­rum« von 1675, wo er die Authen­ti­zi­tät der ältes­ten mero­win­gi­schen Urkun­den der Abtei Saint-Denis in Fra­ge stell­te. Die Ant­wort- und Ver­tei­di­gungs­schrift »De re diplo­ma­ti­ca«, Paris 1681, des Bene­dik­ti­ners Dom Jean Mabil­lon (1632–1707) gilt gewis­ser­ma­ßen als namen­ge­ben­des Grün­dungs­do­ku­ment für die neue Wis­sen­schaft der Diplo­ma­tik, die in den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten um Spe­zi­al­ge­bie­te wie Sphra­gis­tik (oder Sigil­lo­gra­phie, Sie­gel­kun­de) und Heral­dik (Wap­pen­kun­de) erwei­tert wur­de. Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Gat­te­rer, Johann Chris­to­ph: Sys­te­ma­ti­scher Abriß der Diplo­ma­tik, Göt­tin­gen 1798. 1 ) 2 ) 3 ) 4 ) 5 )

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: De Wail­ly, Nata­lis: Elé­ments de paléo­gra­phie, Paris 1838.
2.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Bress­lau, Har­ry: Hand­buch der Urkun­den­leh­re, Leip­zig 1889.
3.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Trau­be, Lud­wig: Vor­le­sun­gen und Abhand­lun­gen zur Diplo­ma­tik, hrsg. von Franz Boll, Mün­chen 1909.
4.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Menn, Wal­ter: Hand­buch der Biblio­theks­wis­sen­schaft, Stutt­gart 1950. Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Rück, Peter: Foto­gra­fi­sche Samm­lun­gen mit­tel­al­ter­li­cher Urkun­den in Euro­pa. Geschich­te, Umfang, Auf­bau und Ver­zeich­nungs­me­tho­den der wich­tigs­ten Urkun­den­fo­to­samm­lun­gen, mit Bei­trä­gen zur EDV-Erfas­sung von Urkun­den und Foto­do­ku­men­ten, Edi­ti­on His­to­ri­sche Hilfs­wis­sen­schaf­ten 1, Sig­ma­rin­gen 1989.
5.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Frenz, Tho­mas: Biblio­gra­phie zur Diplo­ma­tik und ver­wand­ten Fach­ge­bie­ten, Uni­ver­si­tät Pas­sau, 2000.