Display Schriften

1. Optische Größe »Display«

Typo­gra­phi­scher Ter­mi­nus für die »Opti­sche Grö­ße« (opti­cal sizes) einer Schrift­stil­va­ri­an­te einer klas­si­schen Anti­qua Schrift mit oder ohne Seri­fen, die in ihrer Typo­me­trie spe­zi­ell für gro­ße Schrift­gra­de 1 ) aus­ge­legt ist, bei­spiels­wei­se für Head­lines in Anzei­gen, für Pla­ka­te oder für Ori­en­tie­rungs- und Leit­sys­te­me.

Bei Open­Ty­pe Fonts kenn­zeich­net »Dis­play« die Schrift­schnit­te inner­halb einer Schrift­fa­mi­lie einer Text­schrift (Werk­satz­schrift), deren Typo­me­trie – je nach Font Found­ry – für Schrift­gra­de ab ca. 25 DTP-Punkt opti­miert sind.

Ety­mo­lo­gi­sch von engl. »dis­play« für »Ent­fal­tung, (Her)Zeigen, Zur­schau­stel­lung«. Der Begriff Dis­play wur­de in Deutsch­land erst­mals in den 1950er Jah­ren von Wer­be­agen­tu­ren für ver­kaufs­för­dern­de Wer­be­mit­tel am »Point of Sale« (z.B. Pla­ka­te, Boden­dis­plays, The­ken­dis­plays oder 3D-Ver­kaufs­dis­plays am Ort des Ver­kau­fes) ver­wen­det und in die gän­gi­ge Wer­be­spra­che inte­griert. 

Mit der Eta­blie­rung der »Wer­bung« als Dienst­leis­tung nach US-ame­ri­ka­ni­schen Vor­bild und mit Ein­füh­rung der drit­ten Gene­ra­ti­on von Foto­setz­ma­schi­nen ab Ende der 1960er Jah­re wur­de der Begriff dann auch von den Foto­set­ze­rei­en in einer abge­än­der­ten Bedeu­tung über­nom­men. Der Angli­zis­mus »Dis­play-Grö­ße« ersetz­te im gewerb­li­chen Sprach­schatz suk­zes­si­ve den aus dem mate­ri­el­len Schrift­satz (z.B. Blei­satz) stam­men­den Begriff »Pla­kat­grö­ße« für Schrift­gra­de ab 48 Didot-Punk­te (sie­he Mit­tel­ta­bel­le).

Vergleich eines normalen Schriftschnittes (oben) mit einem Displayschnitt (unten), gesetzt in der Minion Pro Regular und Display von Robert Slimbach (*1956) aus der Linotype Schriftbibliothek. Der normale Schriftschnitt für Lesegrößen wirkt in der vergrößerten Darstellung etwas klobig, ja fast schon verfettet. Deshalb verfügen Displayschnitte über leichtere Grundstriche sowie über sehr viel feinere Serifen und Haarstriche als die Konsultations-, Schau- und Textvarianten. Infografik: www.typolexikon.de
Ver­gleich eines nor­ma­len Schrift­schnit­tes (oben) mit einem Dis­play­schnitt (unten), gesetzt in der Mini­on Pro Regu­lar und Dis­play von Robert Slim­bach (*1956) aus der Lino­ty­pe Schrift­bi­blio­thek. Der nor­ma­le Schrift­schnitt für Lese­grö­ßen wirkt in der ver­grö­ßer­ten Dar­stel­lung etwas klo­big, ja fast schon ver­fet­tet. Des­halb ver­fü­gen Dis­play­schnit­te über leich­te­re Grund­stri­che sowie über sehr viel fei­ne­re Seri­fen und Haar­stri­che als die Kon­sul­ta­ti­ons-, Schau- und Text­va­ri­an­ten.

Rei­ne Dis­play Schrif­ten wer­den sowohl als spe­zi­el­le Leit- und Ori­en­tie­rungs­schrif­ten (z.B. die »FS Mill­bank« von Stuart de Roza­rio, Fonts­mith, UK, 2015) oder inner­halb von Exper­ten­sät­zen (z.B. »Mini­on Pro« von Robert Slim­bach, Lino­ty­pe, USA, 1990) ange­bo­ten.

Inner­halb eines Exper­ten­sat­zes ver­fü­gen Dis­play­schnit­te über leich­te­re Grund­stri­che sowie über sehr viel fei­ne­re Seri­fen und Haar­stri­che als die Kon­sul­ta­ti­ons-, Schau- und Textvarianten.Display Schrif­ten sind für Schau­grö­ßen (Sub­head-Schnit­te) nur bedingt, für Lese­grö­ßen (Regu­lar-Schnit­te) und Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen (Cap­ti­on-Schnit­te) nicht geeig­net. 

2. Display Typefaces

Alter­na­ti­ve Bezeich­nung für Druck- und Screen­schrif­ten, die auf der Typo­me­trie der Anti­qua basie­ren und Groß­teils im Sin­ne der Schrift­klas­si­fi­ka­ti­on zur Unter­grup­pe der Anti­qua Vari­an­ten bzw. zu den Zier­s­chrif­ten gehö­ren; Dis­play Fonts; Dis­play Typefaces; Abkür­zung »Dis­play«. 

Dis­play Schrif­ten ver­fü­gen in der Regel über auf­fäl­lig deko­ra­ti­ve, modi­sche und gra­fi­sche Cha­rak­te­re, die mehr oder weni­ger stark von der Let­tern­ar­chi­tek­tur der Text­schrif­ten abwei­chen. Sie wur­den frü­her im Akzi­denz­satz bzw. heu­te im Gra­fik­de­si­gn – meist in gro­ßen Schrift­gra­den – als Schmuck­schrif­ten in Head­lines bzw. als typo­gra­phi­sche Gestal­tungs­ele­men­te ver­wen­det. 

Ver­bind­li­che Klas­si­fi­ka­ti­ons­merk­ma­le für Dis­play Schrif­ten exis­tie­ren nicht. Dis­play Schrif­ten eig­nen sich im Seg­ment der Lese­ty­po­gra­phie in der Regel nicht als Grund­schrift, da ihre Typo­me­trie nicht auf Lese­grö­ßen und Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen abge­stimmt und ihr Zei­chen­vor­rat im Sin­ne der tra­di­tio­nel­len Schrift­satz­ty­po­gra­phie beschränkt ist.

Heute werden u.a. Reklameschriften, Decorative, Schablonenschriften und Sportschriften unter Display Schriften, Display Typefaces oder »Display« gelistet. Beispiele gesetzt in der Linoscript von Morris Fuller Benton, der Ironwood von Joy Redick, der Stencil von Gerry Powell und der Collegiate von Casady & Greene. Infografik: www.typolexikon.de
Heu­te wer­den u.a. Rekla­me­schrif­ten, Deco­ra­ti­ve, Scha­blo­nen­schrif­ten und Sport­schrif­ten unter Dis­play Schrif­ten, Dis­play Typefaces oder »Dis­play« gelis­tet. Bei­spie­le gesetzt in der Lino­script von Mor­ris Ful­ler Ben­ton, der Iron­wood von Joy Redick, der Sten­cil von Ger­ry Powell und der Col­le­gia­te von Casa­dy & Gree­ne.

Die Gepflo­gen­heit Zier­s­chrif­ten unab­hän­gig ihres Schrift­gra­des (Dis­play­grö­ße) auch als Dis­play Schrif­ten zu kata­lo­gi­sie­ren, bür­ger­te sich mit Eta­blie­rung der digi­ta­len Typo­gra­phie (DTP Desk­top Publis­hing) bzw. mit der Dis­tri­bu­ti­on von Schrif­ten über das Inter­net ein, was aller­dings aus Sicht der klas­si­schen typo­gra­phi­schen Ter­mi­no­lo­gie inkor­rekt ist. Der kor­rek­te Ter­mi­nus für die­se Schrift­grup­pe lau­tet »Zier­s­chrif­ten« bzw. »Deco­ra­ti­ve«.

Heu­te wer­den bei den vie­len Font Found­ries u.a. auch Hand­schrif­ten, Pin­sel­schrif­ten, Deco­ra­ti­ve und Desi­gner­schrif­ten als »Dis­play Typefaces« gelis­tet. 2 ) Dis­play Schrif­ten gibt es in unter­schied­li­chen Schrift­tech­no­lo­gi­en, bei­spiels­wei­se als Open­Ty­pe Fonts, sowohl kos­ten­pflich­tig als auch kos­ten­frei.

Vertreter dieser Schriftart
SchriftSchrift­ge­stal­terFont Found­ryJahr
Ame­lia ScriptBaboon, MaroonEigen­pro­duk­ti­on2015
Arnold Böck­linWei­sert, OttoOtto Wei­sert1904
BlurBro­dy, Nevil­leFont­Font1991
Chro­m­oxo­meNies­sink, ThomEigen­pro­duk­ti­on2015
Demo­cra­ti­caNew­lyn, MilesÉmi­gré1991
Eck­mannEck­mann, OttoKling­s­por1900
Exo­cetBar­n­brook, Jona­thanÉmi­gré1991
Insi­gniaBro­dy, Nevil­leFont­Font1990
Iron­woodRedick, Joy
Lind, Bar­ba­ra
Buker Chans­ler, Kim 
Ado­be1990
Mam­boFul­lard, ValFont­Font1992
MasonBar­n­brook, Jona­thanÉmi­gré1992
Pat­tern No. 1Ding­ler, EikeMau­ve Type2014
Sofia RoughGour­vat, Oli­vi­erMostar­de­si­gn Type Found­ry2015
Sou­ve­nirBen­ton, Mor­ris Ful­lerITC1914
Sten­cilPowell, Ger­ryATF1937
TrendHernán­dez, Dani­el
Nazal Sel­ai­ve, Pau­la
Lati­no­ty­pe2012
Tri­plexLicko, ZuzanaÉmi­gré1989

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Im Blei­satz ab 18,05 Mil­li­me­ter bzw. ab 48 Didot-Punk­te, bzw 4 Cice­ro bzw. 1 Kon­kor­d­anz.
2.Anmer­kung: Der unge­naue Begriff »Dis­play« hat sich heu­te lei­der welt­weit bei den meis­ten Font Found­ries und Schrift­por­ta­len als Über­be­griff oder Key­word für Schmuck- bzw. Zier­s­chrif­ten eta­bliert.