Eidenbenz, Hermann

Schwei­zer Gra­fik­de­si­gner, Typo­gra­ph, Leh­rer und Art Direc­tor. Gebo­ren am 4. Sep­tem­ber 1902 in Can­n­a­no­re (Kann­ur) in Bri­tish India als Sohn eines Schwei­zer Kauf­manns und einer deut­schen Mut­ter. Bekannt wur­de Her­mann Eiden­be­nz durch sei­ne Neu­in­ter­pre­ta­ti­on der Druck­schrift »Cla­ren­don«, einer Egyp­ti­en­ne des eng­li­schen Schrift­gie­ßers Ben­ja­min Fox (o.A.–1877). 1 )

Nach sei­ner Schul­zeit in der deutsch­spra­chi­gen Schweiz ent­schied sich Eiden­be­nz für eine Aus­bil­dung zum Gebrauchs­gra­fi­ker, u.a. von 1918 bis 1922 an der Züri­cher Kunst­ge­wer­be­schu­le. Von 1923 bis 1926 zog es Eiden­be­nz nach Ber­lin, wo er als Wer­be- und Gebrauchs­gra­fi­ker für unter­schied­li­che Fir­men tätig war. Von 1926 bis 1932 war er Leh­rer für Schrift und Gra­fik an der Kunst- und Hand­wer­ker­schu­le in Mag­de­burg in Sach­sen. 2 ) Vor der end­gül­ti­gen Macht­ergrei­fung der Natio­nal­so­zia­lis­ten zog er sich um 1932 in die neu­tra­le Schweiz zurück, wo er mit sei­nen bei­den Brü­dern Rein­hold und Wil­ly Eiden­be­nz ein Gra­fi­kate­lier in Basel grün­de­te. 1940 bis 1943 unter­rich­te­te er dort auch an der All­ge­mei­nen Gewer­be­schu­le.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg kehr­te Eiden­be­nz dann wie­der nach Deutsch­land zurück und über­nahm 1953 für etwas mehr als ein Jahr die Lei­tung der Abtei­lung Gebrauchs­gra­fik an der nie­der­säch­si­schen Werk­kunst­schu­le in Braun­schweig.

1953 fer­tig­te Her­mann Eiden­be­nz im Auf­trag der Haas´sche Schrift­gie­ße­rei (Frank­furt am Main) die Rein­zeich­nun­gen der »Cla­ren­don«, wel­che dort als Akzi­denz­schrift für den Hand­satz in einem nor­ma­len, leich­ten und fet­ten Schrift­schnitt pro­du­ziert wur­den. 1962 wur­de bei der Stem­pel AG (in der Fol­ge der Haas´schen Schrift­gie­ße­rei) für den Hand- und Maschi­nen­satz noch eine mage­re und halb­fet­te Vari­an­te und 1964 eine breit­fet­te Vari­an­te vor­ge­stellt, wel­che 1965 durch einen schmal­ma­ge­ren Schnitt ergänzt wur­de. Mit Beginn des opto­me­cha­ni­schen Schrift­sat­zes (Foto­satz) wur­de die Cla­ren­don bei Lino­ty­pe (in der Fol­ge der Stem­pel AG) und ande­ren Schrift­bi­blio­the­ken (z.B. H. Ber­hold AG und URW) zu einer umfang­rei­chen Schrift­fa­mi­lie aus­ge­baut.

Von 1955 bis 1967 war Her­mann Eiden­be­nz als Art Direc­tor für die Ziga­ret­ten­mar­ke Reemts­ma in Ham­burg tätig. Zu sei­nem Reper­toire als frei­be­ruf­li­cher Gebrauchs­gra­fi­ker zähl­ten ins­be­son­de­re Signe­te (z.B. das Stadt­wap­pen Basel), illus­tra­ti­ve Pla­ka­te (z.B. für Swis­sair) und deut­sche und Schwei­zer Bank­no­ten (z.B. Schwei­zer Fran­ken, Serie 5 ab 1956). Eiden­be­nz starb am 25. Febru­ar 1993 im Alter von 90 Jah­ren in Basel in der Schweiz. 

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Seman­ti­sch rührt die Bezeich­nung »Cla­ren­don« von »Earl of Cla­ren­don«, einem erb­li­chen bri­ti­schen Adels­ti­tel.
2.Anmer­kung: Heu­te Sach­sen-Anhalt.