Englische Linie

Typo­gra­phi­sche Bezeich­nung für eine Lini­en­form, die sich dadurch aus­zeich­net, dass sie an den Enden fein ist und zur Mit­te hin dicker wird. Es exis­tie­ren unter­schied­li­che For­men, die auch Stil­epo­chen, bei­spiels­wei­se dem Jugend­stil oder dem Art déco, zuge­ord­net wer­den kön­nen.

Ursprüng­li­ch wur­den mit kla­ren oder ver­zier­ten Lini­en Text­pas­sa­gen in Büchern und Zei­tun­gen geglie­dert bzw. von ein­an­der getrennt. Im Zuge der Indus­tria­li­sie­rung – in Eng­land ab der zwei­ten Hälf­te des 18. Jahr­hun­derts  – und der dadurch auf­kom­men­den Rekla­me in Zei­tun­gen sowie auf Pla­ka­ten (Akzi­denz­ty­po­gra­phie) wur­den beson­ders gestal­te­te ein-, zwei- oder mehr­stü­cki­ge Lini­en in Eng­land ab Anfang des 19. Jahr­hun­derts auch zur Gestal­tung von Akzi­denz­druck­sa­chen ver­wen­det. Mit der Indus­tria­li­sie­rung ver­brei­te­te sich die­se spe­zi­el­le eng­li­sche Lini­en­form dann auch in Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa.

Englische Linien. Ausschnitt aus »Schrift-Proben« der Schriftgießerei Julius Klinkhardt, Leipzig und Wien, Handausgabe, ca. 1885. Quelle: www.typolexikon.de
Eng­li­sche Lini­en. Aus­schnitt aus »Schrift-Pro­ben« der Schrift­gie­ße­rei Juli­us Klink­hardt, Leip­zig und Wien, Hand­aus­ga­be, ca. 1885.

Eng­li­sche Lini­en gehör­ten im mate­ri­el­len Schrift­satz (z.B. Blei­satz) zu den Ali­ne­as bzw. zum »Zier­rat«. Sie wur­den in der Regel aus Kup­fer­le­gie­run­gen (z.B. Mes­sing) her­ge­stellt. Auf­wen­dig gestal­te­te Lini­en, bei­spiels­wei­se mous­sier­te oder gra­vier­te Mes­sing­schluss­li­ni­en wur­den meist bei den Akzi­denz­schrif­ten auf­be­wahrt.

Eng­li­sche Lini­en gab es in unter­schied­li­chen Grö­ßen und Län­gen, u.a. in Vier­tel­pe­tit oder Halb­pe­tit oder u.a. von vier bis vier­und­zwan­zig Cice­ro. Sie wur­den ein­zeln per Stück oder im Sor­ti­ment ver­kauft, gro­ße Char­gen auch nach Gewicht.

Eng­li­sche Lini­en sind heu­te auch als Font Files in Open­Ty­pe-For­ma­ten erhält­li­ch, bei­spiels­wei­se »Wood­ty­pe Orna­ments One« und »Wood­ty­pe Orna­ments Two« von Bar­ba­ra Lind und Joy Redick (1990) bei Lino­ty­pe.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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