Exlibris

Buch­be­sitz­zei­chen; Bücher- oder Biblio­theks­zei­chen; typo­gra­phi­sches oder/und gra­fi­sches Buch­eig­ner­zei­chen oder –geber­zei­chen. In ein Buch gekleb­tes, druck­tech­ni­sch ver­viel­fäl­tig­tes, klein­for­ma­ti­ges (Papier-)Blättchen, das auf den Besit­zer des Buches hin­wei­sen soll. Da Buch­be­sitz­zei­chen ursprüng­li­ch von Besit­zern gan­zer Biblio­the­ken ver­wen­det wur­den, bür­ger­te sich auf ihnen die Inschrift »Ex libris« vor dem Namen des Eigen­tü­mers ein, wes­halb sie auch kurz »Exli­bris« genannt wur­den. 1 ) Hypost­asie­rung des Sub­stan­tivs »Exli­bris« (Plu­ra­li­tan­tum) von lat. »ex libris« für »aus den Büchern« bzw. über­tra­gen »aus der Biblio­thek« oder »aus der Büche­rei«. 2 )

Das Exli­bris ent­wi­ckel­te sich in Deutsch­land in der ers­ten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts mit dem Wie­ge- bzw. Inku­na­bel­druck aus der Tra­di­ti­on kal­li­gra­phi­scher und illu­mi­nier­ter Besit­zer­ver­mer­ke, Deckel­pres­sun­gen (z.B. Supra­li­bros) und Gra­vu­ren auf den Metall­schlie­ßen des Buch­ein­ban­des. 3 ) Exper­ten gehen davon aus, dass die ältes­ten Exli­bris (z.B. Igler-Exli­bris, Bux­hei­mer Exli­bris) zwi­schen 1470 und 1491 im Holz­schnitt ent­stan­den sind. Exli­bris wur­den anfäng­li­ch vom Adel, der Geist­lich­keit und von rei­chen Patri­zi­ern bei Offi­zi­nen in Auf­trag gege­ben. Neben sei­ner ursprüng­li­chen Ver­wen­dung als Eig­ner- oder Geber­zei­chen wird das Exli­bris heu­te ins­be­son­de­re als Samm­ler­ob­jekt ver­wen­det. Ein Exli­bris wird tra­di­tio­nell auf den inne­ren Vor­de­ckel (lin­ker vor­de­rer Vor­satz) eines Buches ein­ge­klebt. 4 )

Im Exli­bris ver­ei­nen sich buch­wis­sen­schaft­li­che, gestal­te­ri­sche und sozio­lo­gi­sche Aspek­te. Ein schlich­tes typo­gra­phi­sches Exli­bris (Schrif­tex­li­bris) besteht aus dem auf einem Blatt gedruck­ten Hin­weis »Ex libris« sowie dem Namen des Eigen­tü­mers oder des Schen­kers bzw. Stif­ters (z.B.: »Ex libris Wolf­gang Bei­nert« für »Aus der Biblio­thek von Wolf­gang Bei­nert«). Alter­na­ti­ve For­mu­lie­run­gen kön­nen u.a. »Die­ses Buch gehört …« oder »Signum biblio­he­cac …« sein. Dar­über hin­aus kann ein gra­fi­sches Exli­bris Worte, Wahl- oder Sinn­sprü­che, Illus­tra­tio­nen, Fotos, Mono­gram­me, Wap­pen, Emble­ma­ta, Sym­bo­le, Signe­te etc. ent­hal­ten, die auf die Vor­lie­ben, den sozia­len Sta­tus oder die Bio­gra­phie des Besit­zers hin­wei­sen. Oft beinhal­tet die Gestal­tung eines Exli­bris auch ver­steck­te Anspie­lun­gen, Codes oder ver­schlüs­sel­te Bot­schaf­ten, die sich dem Betrach­ter auf Anhieb nicht erschlie­ßen.

Exli­bris wer­den infol­ge der Exli­bris­kunst und des Sam­melns in unter­schied­li­che Kate­go­ri­en und cha­rak­te­ris­ti­sche Grup­pen ein­ge­teilt, so u.a. in Buch­eig­ner­ex­li­bris (Eigen­tü­mer des Buches), Dona­to­ren­ex­li­bris (Stif­ter­ex­li­bris, Buch­ge­ber­ex­li­bris), Dop­pelex­li­bris (z.B. Wap­pen- und Inschrift­blätt­chen oder zwei Eig­ner­ex­li­bris zwei­er Besit­zer einer Biblio­thek, z.B. Ehe­leu­te), Eigen­ex­li­bris (das Exli­bris eines Desi­gners bzw. bil­den­den Künst­lers, das er für sich selbst gestal­tet hat), Ein­kle­be­ex­li­bris, Gebrauch­sex­li­bris (Exli­bris, das nicht auf das Sam­meln aus­ge­rich­tet ist), Luxus­ex­li­bris (Exli­bris, das bereits bei der Gestal­tung auf einen hohen Samm­ler­wert aus­ge­legt ist), Stem­pelex­li­bris (Buchs­tem­pel), Supra­li­bros (gepräg­tes Super-Exli­bris), Uni­ver­s­alex­li­bris (loses Blatt oder bereits im Buch­de­ckel ein­ge­druckt, so das der jewei­li­ge Besit­zer sei­nen Namen selbst ein­tra­gen kann), Orna­ment-, Schrift- und Tex­tex­li­bris. 5 )

Exli­bris wer­den in der Regel von Typo­gra­phen, Gra­fik­de­si­gnern (sie­he Gra­fik­de­si­gn), Illus­tra­to­ren oder bil­den­den Künst­lern gestal­tet und in unter­schied­li­chen Druck­tech­ni­ken, z.B. in Hoch­druck­ver­fah­ren, Tief­druck­ver­fah­ren oder pho­to­me­cha­ni­schen Ver­fah­ren [6] her­ge­stellt. Bedruckt wer­den mehr­heit­li­ch indus­tri­ell her­ge­stell­te oder hand­ge­mach­te gra­fi­sche Papie­re 6 ) in unter­schied­li­chen Sor­ten. Gebrauch­sex­li­bris errei­chen sel­ten For­ma­te über dem tra­di­tio­nel­len Oktav­for­mat, wel­ches etwas klei­ner als ein Taschen­buch ist. Luxus­ex­li­bris sowie Eigen­ex­li­bris kön­nen auch grö­ße­re, unzweck­mä­ßi­ge For­ma­te auf­wei­sen.

Im Sin­ne der Kunst­ge­schich­te gel­ten das 16. Jahr­hun­dert und die Epo­che des Jugend­stils (Jahr­hun­dert­wen­de, etwa 1896–1910) als die Blü­te­zei­ten der Exli­bris­kunst. Zu den pro­mi­nen­ten Gestal­tern von Exil­bris zäh­len bei­spiels­wei­se Albrecht Dürer (1471–1528), Hans Hol­bein der Jün­ge­re (1497/98–1543), Lucas Cra­na­ch der Älte­re (1472–1553), 7 ) Giam­bat­ti­s­ta Bodo­ni (1740–1813), Wil­helm Busch (1832–1908), Pablo Picas­so (1881–1973) oder Jan Tschi­chold (1902–1974). Gro­ße öffent­li­che Exli­bris­samm­lun­gen besit­zen u.a. das Bri­tish Muse­um in Lon­don, die Baye­ri­sche Staats­bi­blio­thek in Mün­chen, die Öster­rei­chi­sche Natio­nal­bi­blio­thek in Wien, das Guten­berg–Muse­um in Mainz und das Ger­ma­ni­sche Natio­nal­mu­se­um in Nürn­berg (sie­he Muse­en Typo­gra­phie und Schrift). Die Zahl der Pri­vat­samm­lun­gen ist unbe­stimm­bar. Zahl­rei­che Samm­ler haben sich welt­weit in soge­nann­ten Exli­bris­ge­sell­schaf­ten und –ver­ei­nen orga­ni­siert. In Deutsch­land wur­de 1891 der ers­te Ver­ein die­ser Art von Fried­rich War­ne­cke (1837–1894), einem deut­schen Heral­di­ker und Kunst­his­to­ri­ker, unter dem Namen »Ex-libris-Ver­ein zu Ber­lin« gegrün­det. 8 ) 9 ) 10 ) 11 )

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Quel­le: Mey­ers Kon­ver­sa­ti­ons-Lexi­kon (5. Auf­la­ge) von 1897, Ver­lag des Biblio­gra­phi­schen Insti­tuts, Leip­zig und Wien.
2.Quel­le: Klu­ge, Ety­mo­lo­gi­sches Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che, 24. Auf­la­ge, Wal­ter de Gruy­ter, Berlin/New York.
3.Quel­le: Gus­tav A. Sey­ler, Kanz­lei­ra­th, Biblio­the­kar und Lek­tor im Minis­te­ri­um für Han­del und Gewer­be: Illus­trier­tes Hand­buch der EX-LIBRIS-KUNDE, Ver­lag von J. A. Star­gardt, Ber­lin 1895.
4.Anmer­kung: Exli­bris wer­den ver­ein­zelt auch auf den Hin­ter­de­ckel des Buches geklebt.
5.Quel­le: Dr. Feli­ci­tas Mar­wins­ki, Wei­mar. Bei­trag aus dem Lexi­kon der Buch­kunst und Biblio­phi­lie, Karl Klaus Walt­her (Hrsg.), Welt­bild Ver­lag (Lizenz Saur), Augs­burg, 1994.
6.Anmer­kung: Gra­fi­sche Papie­re sind Papie­re zum Bedru­cken, Beschrei­ben und Kopie­ren. Für den Wert­erhalt sind alte­rungs­be­stän­di­ge Papie­re vor­teil­haft, wie sie z.B. die Deut­sche Natio­nal­bi­blio­thek vor­schlägt. Ver­ein­zelt wurden/werden natür­li­ch auch ande­re Trä­ger­ma­te­ria­li­en ver­wen­det, z.B. Kera­mik, Stoff, Papy­rus, Per­ga­ment, Tapa­bast oder Kunst­stoff.
7.Anmer­kung: Lucas Cra­na­ch d.Ä. gestal­te­te u.a. das Exli­bris für die Uni­ver­si­tät Wit­ten­berg, Holz­schnitt um 1536, 15,2 x 26,4 cm.
8.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: War­ne­cke, Fried­rich: Die deut­schen Bücher­zei­chen (Ex-libris) von ihrem Ursprun­ge bis zur Gegen­wart, Ber­lin 1890.
9.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Graf zu Lei­nin­gen-Wes­ter­burg, Karl Emi­ch: Deut­sche und öster­rei­chi­sche Biblio­thek­zei­chen Exli­bris. Ein Hand­buch für Samm­ler, Bücher- und Kunst­freun­de, Ver­lag von Juli­us Hoff­mann, Stutt­gart 1901.
10.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Sto­ck, Karl F.: Öster­rei­chi­sche Exli­bris-Biblio­gra­phie 1881–2003. Ver­lag K.G. Saur, Mün­chen 2004. ISBN 978–3-598–11687-2.
11.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Schmitt, Anne­lie­se: Deut­sche Exli­bris. Von den Ursprün­gen bis zum Beginn des 20. Jahr­hun­derts. Ver­lag Koeh­ler & Ame­lang, 1986. ISBN-10: 3733800060, ISBN-13: 978–373380006.