Expertensatz

Expertensatz ist eine althergebrachte gewerbesprachliche Abkürzung deutscher Schriftsetzer und Schriftgießereien für eine Expertensatzschrift, also eine sehr umfangreich ausgebaute Schriftfamilie einer Werksatzschrift bzw. Textschrift. Heute wird primär dafür der Anglizismus »Expert Set« bzw. »Expert Font« verwendet. Expertensätze ermöglichen komplizierte, wissenschaftliche, kaufmännische oder lyrische Schriftsatzarbeiten sowie innerfamiliäre Schriftmischungen. 

Neben den klassischen Auszeichnungsschnitten 1 ) verfügt ein Expertensatz über Schriftstilvarianten, die in ihrer Typometrie speziell auf Konsultationsgrößen (Optische Größe »Caption«), Lesegröße (Optische Größe »Regular«), Schaugrößen (Optische Größe »Subhead«) und Ferngrößen (Optische Größe »Display«) abgestimmt sind.

Als prominentes Beispiel für einen sehr umfangreich ausgebauten Expertensatz gilt beispielsweise die »Minion Pro« von Adobe®, eine Textschrift von Robert Slimbach (*1956). 2 ) 

Die Abstufung »Optischer Größen« (optical sizes) am Beispiel der Französischen Renaissance Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach für Adobe®. Dieser Expertensatz verfügt über »Caption-Schnitte« (Konsultationsgrößen) optimiert für 6 bis 8,4 DTP-Punkt, »Regular-Schnitte« (Lesegrößen) optimiert für 8,5–13 DTP-Punkt, »Subhead-Schnitte« (Schaugrößen) optimiert für 13,1 bis 19,9 DTP-Punkt und »Display-Schnitte« (Ferngrößen) optimiert für 20 DTP-Punkt und mehr.
Die Abstufung »Optischer Größen« (optical sizes) am Beispiel der Französischen Renaissance Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach für Adobe®. Dieser Expertensatz verfügt über »Caption-Schnitte« (Konsultationsgrößen) optimiert für 6 bis 8,4 DTP-Punkt, »Regular-Schnitte« (Lesegrößen) optimiert für 8,5–13 DTP-Punkt, »Subhead-Schnitte« (Schaugrößen) optimiert für 13,1 bis 19,9 DTP-Punkt und »Display-Schnitte« (Ferngrößen) optimiert für 20 DTP-Punkt und mehr.

Des Weiteren beinhalten Expertensätze oft auch erweiterte oder spezielle Glyphen- und Bildzeichenrepertoires, die an die individuellen Anforderungen eines Unternehmens (z.B. Verlag) angepasst wurden.

Ein Expertensatz beinhaltet bestenfalls auch proportionale und dicktengleiche Arabische Ziffern (Majuskelziffern, Mediävalziffern und Bruchziffern), 3 ) Ligaturen, Glyphenvarianten sowie kaufmännische, musikalische, wissenschaftliche und mathematischen Sonderzeichen. Des Weiteren können Expertensätze auch technologisch optimiert sein. 4 ) 5 ) 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Anmerkung: Zu den klassischen Auszeichnungsschnitten zählen kursiv, halbfett oder fett sowie die Kapitälchen.
2.Anmerkung: Gut ausgebaute Expertensätze, beispielsweise die Französische Renaissance Antiqua »Minion« von Robert Slimbach (*1956), verfügen auch über nichtrömische Figuren, Displaygrößen, Multiple Master oder ein optimiertes Hinting für Bildschirme.
3.Tipp: Unterschiedliche Ziffern sind beispielsweise u.a. in Geschäftsberichten von hoher Bedeutung, wo nicht nur Ziffern im geschlossenen Schriftsatz sondern auch im Tabellensatz verwendet werden.
4.Anmerkung: Technologische Optimierungen wären z.B. ein optimiertes Kerning, ein verbessertes Hinting oder ein optimierter Optischer Randausgleich.
5.Anmerkung: Bei digitalen Font Foundries sucht man diesen wie andere sinnvolle Fachtermini bei der Auswahl von Fonts vergeblich. D.h., man ist als User gezwungen, jede Schriftfamilie einzeln dahingehend zu evaluieren, ob z.B. dicktengleiche Ziffern oder gewisse Kaufmannsligaturen enthalten sind oder eben nicht.