Expertensatz

Typographischer Terminus für eine sehr umfangreich ausgebaute Schriftfamilie einer Werksatzschrift bzw. Textschrift. Englisch »Expert Set«. Expertensätze ermöglichen komplizierte, wissenschaftliche, kaufmännische oder lyrische Schriftsatzarbeiten sowie innerfamiliäre Schriftmischungen. 

Neben den klassischen Auszeichnungsschnitten 1 ) verfügt ein Expertensatz über Schriftstilvarianten, die in ihrer Typometrie speziell auf Konsultationsgrößen, Displaygrößen, Schau-und Ferngrößen abgestimmt sind. Des Weiteren beinhalten Expertensätze oft auch erweiterte oder spezielle Glyphen- und Bildzeichenrepertoires, die an die individuellen Anforderungen eines Unternehmens (z.B. Verlag) angepasst wurden.

Ein Expertensatz beinhaltet bestenfalls auch proportionale und dicktengleiche Arabische Ziffern (Majuskelziffern, Mediävalziffern und Bruchziffern), 2 ) Ligaturen, Glyphenvarianten sowie kaufmännische, musikalische, wissenschaftliche und mathematischen Sonderzeichen. Des Weiteren können Expertensätze auch technologisch optimiert sein. 3 ) 4 ) 5 ) 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Teilen

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1. Anmerkung: Zu den klassischen Auszeichnungsschnitten zählen kursiv, halbfett oder fett sowie die Kapitälchen.
2. Tipp: Unterschiedliche Ziffern sind beispielsweise u.a. in Geschäftsberichten von hoher Bedeutung, wo nicht nur Ziffern im geschlossenen Schriftsatz sondern auch im Tabellensatz verwendet werden.
3. Anmerkung: Technologische Optimierungen wären z.B. ein optimiertes Kerning, ein verbessertes Hinting oder ein optimierter Optischer Randausgleich.
4. Anmerkung: Bei digitalen Font Foundries sucht man diesen wie andere sinnvolle Fachtermini bei der Auswahl von Fonts vergeblich. D.h., man ist als User gezwungen, jede Schriftfamilie einzeln dahingehend zu evaluieren, ob z.B. dicktengleiche Ziffern oder gewisse Kaufmannsligaturen enthalten sind oder eben nicht.
5. Anmerkung: Gut ausgebaute Expertensätze, beispielsweise die Französische Renaissance Antiqua »Minion« von Robert Slimbach (*1956), verfügen auch über nichtrömische Figuren, Displaygrößen, Multiple Master oder ein optimiertes Hinting für Bildschirme.