Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Font Foundry
Schriftenhaus

Anglizismus für »Schriftenhaus« [1]; Plural »Font Foundries«. Handelsunternehmen, das eigene und/oder Fonts (Schriften) anderer Schriftenhersteller bzw. Type Designer (Schriftgestalter) vertreibt. Etymologisch entlehnt aus dem Englischen »Font« für »Schrift, Zeichensatz« und »Foundry« für »Gießerei«; zu Deutsch »Schriftgießerei«, was wiederum eine gewerbespezifische Bezeichnung aus der Periode des materiellen Schriftsatzes für ein Unternehmen ist, das physische Druckschriften (z.B. Bleibuchstaben) herstellte und in der Regel an Offizinen verkaufte [2].

Gegenwärtig global agierende universelle Font Foundries, beispielsweise die Fontshop AG, MyFonts der Bitstream Inc. oder die Linotype GmbH, führen heute zehntausende unterschiedliche Schriftstile bis hin zu kompletten Schriftenbibliotheken (z.B. ITC Library, OpenType Edition) von Dutzenden von Schriftenhäusern (z.B. Berthold (D), Emigre (USA) oder Elsner+Flake (D)) sowie Schriften von unzähligen Schriftgestaltern (z.B. Nevil Brody (GB, *1957), Giambattista Bodoni (I, 1740–1813) oder Günter Gerhard Lange (D, 1921–2008)) im Sortiment [3].

In der Regel werden Screen Fonts und Druckschriften von den Font Foundries nach typographischen Schriftklassifikationsmodellen geordnet und als einzelner Schriftschnitt, in Schriftfamilien, in Bundles (Bündel unterschiedlicher Schriften) [4] oder als komplette Schriftbibliotheken angeboten.

Digitale Fonts werden in unterschiedlichen Formaten, beispielsweise als Bitmap Fonts, TrueType Fonts, Font Suitcase, PostScript Fonts, OpenType Fonts, App Fonts oder als Web Fonts für unterschiedliche Computerperipherien angeboten [5]. Digitale Schriften werden nahezu ausschließlich per Download über das Internet distribuiert.


FONT FOUNDRIES UND TYPE DESIGNER
Exemplarische Auswahl, extern verlinkt

Astigmatic: astigmatic.com
Bitstream: bitstream.com
Blambot: blambot.com
Bold Monday: boldmonday.com
Cape Arcona: cape-arcona.com
Castletype: castletype.com
Club Type: clubtype.co.uk
Dinctype: girlswhowearglasses.com
DTP Types Limited: dtptypes.com
Ductype: ductype.com/dt.html
Dutch Type Library: dutchtypelibrary.nl
Elsner & Flake: elsner-flake.com
Emigre: emigre.com
Final: final.nu
Floodfonts: floodfonts.com
Font Bureau: fontbureau.com
Font Diner: fontdiner.com
fontBoy: fontboy.com
FontFont: fontfont.com
Fontology: buymyfonts.com
Fontschmiede: fontschmiede.de
FontShop AG : fontshop.com
Fontsmith: fontsmith.co.uk
Fontsmith: fontsmith.com
Fountain: fountain.nu
Garage Fonts: garagefonts.com
German Type Foundry: germantype.com
Google Web Fonts: google.com/webfonts
Hoefler & Frere-Joenes: typography.com
House Industries: houseind.com
ITC: itcfonts.com
Letterhead fonts: letterheadfonts.com
LettError: letterror.com
Linotype Library: linotype.com [1]
Lucas Fonts: lucasfonts.com
Misprinted Type 4: misprintedtype.com
Monotype: fonts.com [1]
MyFonts: new.myfonts.com
No Bodoni: nobodoni.com
OurType: ourtype.com
Outside the line: outside-the-line.com
P22: p22.com
Pampatype: pampatype.com
PampaType: pampatype.com
Paratype: paratype.com
Patricia Lillie: patricialillie.com
Phantompower: phantompower.de/fonts
PizzaDude.dk: pizzadude.dk
Porchez Typofonderie: typofonderie.com
Positype: positype.com
Proscess Typefoundry: processtypefoundry.com
Psy-Ops: psyops.com
Shift: shiftype.com
SMeltery: smeltery.net
SparkyType: sparkytype.com
Stone Typefoundry: stonetypefoundry.com
Syn Fonts: synfonts.com
T26: t26.com
The Chank Company: chank.com
The Foundry: foundrytypes.co.uk
Tiro Typeworks: tiro.com
Typeco: typeco.com
Typotheque: typotheque.com
Unger, Gerard: gerardunger.com
URW: urwpp.de
Van der Laan, Paul: type-invaders.com
Virus: virusfonts.com

[1] Schriften werden heute global über das Internet vertrieben. Insofern benötigen Handelsunternehmen mehr oder weniger einheitliche Termini, um ihr Sortiment weltweit vermitteln zu können. Anglizistische Termini bieten sich notwendigerweise dafür an.
[2] Prominente deutsche Schriftgießereien in der Periode des materiellen Schriftsatzes waren beispielsweise die Berliner H. Berthold Schriftgießerei und Messinglinienfabrik von Hermann Berthold (D, 1831–1904) oder die Offenbacher Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor (gegründet von Karl Klingspor, 1868–1950, in Folge Stempel AG, in Folge Linotype GmbH, in Folge Monotype Inc.).
[3] Unterschiedliche Font Foundries können sowohl die gleichen Schriften wie auch unterschiedliche Interpretationen des gleichen Schriftstils anbieten. Erschwerend kommt hinzu, dass unterschiedliche Fonts die gleichen oder ähnlich Bezeichnungen und Namen (z.B. »Bodoni«, »Bauer Bodoni«, »Bodonii BE«, »Bondon«, »Bodoni Old Face«, »Bodoni URW», »Giambattista Bodoni« etc.) tragen können. Deshalb ist bei der Schriftwahl unabdingbar, sich für den »richtigen« Font (siehe auch Mikrotypographie) zu entscheiden. Denn Schrift ist nicht gleich Schrift!
[4] Insbesondere Font Bundels sollten vor dem Kauf sehr kritisch begutachtet werden. Denn oftmals enthalten sie neben einigen wenigen Qualitätschriften nur qualitativ minderwertige Adaptionen oder Kopien bereits existierender Schriften, Ladenhüter, Schriften ohne Kerning oder schlicht und einfach schriftgestalterisch fragwürdige Fonts, die so teuer als »Dreingaben« (Naturalrabatt) mitverkauft werden. Im Zweifelsfall immer nur den benötigten Schriftschnitt im Original erwerben!
[5] Fonts gibt es für unterschiedliche Mikrocomputer (z.B. PCs, Tablets, Smartphones) mit unterschiedlichen Betriebssystemen (z.B. Apple OS X Lion ®, Apple IOS 5 ® oder Microsoft Windows XP ®) in unterschiedlichen Schriftformaten (z.B. Pixel-, PostScript-, TrueType- , Web-, App- bzw. unterschiedliche OpenType-Formate). Vor dem Kauf sollte also verifiziert werden, ob die gewählte Schrift den gestalterischen und produktionstechnischen Anforderungen entspricht. Besondere Aufmerksamkeit gilt den unterschiedlichen OpenType-Formaten!
[T] Druckschriften können nicht am Bildschirm bzw. anhand des TrueType-Formats beurteilt werden, denn die Darstellung einer Druckschrift auf einer digitalen Benutzeroberfläche entspricht nicht dem Druckbild. Auch ein PDF-File ist nur für eine grobe Vorauswahl brauchbar. Deshalb sollte vor dem Kauf einer Schrift grundsätzlich ein gedrucktes Schriftmuster (Schriftmusterbuch, Katalog, Prospekt etc.) bestellt werden.
[T] Schriften werden von den Herstellern regelmäßig überarbeitet und für neue Satzsysteme bzw. Schriftsatzsoftware adaptiert. Deshalb sollte grundsätzlich für die offene Weitergabe der Belichtungsdaten der exakte Schriftstil inklusive der Bezugsquelle der verwendeten Schrift angegeben werden. Also Schriftname [z.B. Baskerville], Schriftbreite [z.B. normal], Schriftstärke [z.B. halbfett], Schriftlage [z.B. kursiv] und Schriftenbibliothek [z.B. Berthold ®]. Denn je nach Hersteller oder Distributor kann es zu markanten Unterschieden der Figuren und der Schriftstilbezeichnung kommen. Schrift ist nicht gleich Schrift!
[T] Schrift zählt seit Jahrtausenden zum Kulturgut der Menschheit (siehe Schriftgeschichte). Auch digitale Fonts (z.B. Webfonts) sind nichts anderes als Adaptionen oder Kopien Jahrhundert alter Typometrie. Deshalb sind Schriften im Sinne des Urheberrechts aufgrund ihrer geringen »Schöpfungshöhe« weltweit nicht schutzfähig. Font Fountries versuchen deshalb durch einen Trick, »Schrift« als »Schriftsoftware« mittels eines Lizenzvertrages, also Rechte an der Nutzung einer bestimmten Schriftsoftware zu ihren Bedingungen zu verkaufen. Diese neue Gepflogenheit ist allerdings mehr als fragwürdig, denn um Dritten ein Nutzungsrecht an gewerblichen Schutzrechten einräumen zu können, müsste eigentlich eine Font Foundry über Patente, Urheberrechte, Gebrauchsmuster oder eingetragene Marken verfügen. Bekanntelich ist dies bei Schriften und bei Schriftsoftware ohne Quellcode nicht möglich. Somit gehen Fachjuristen davon aus, dass diese Lizenzverträge sittenwidrig sein könnten und höchstrichterlich keinen Bestand haben werden. Unabhängig davon sollte vor dem »Kauf« einer Schrift der Lizenzvertrag genau studiert werden. Im Zweifelsfall ablehnen, im gegenseitigen Einvernehmen abändern oder die Schrift einfach wo anders kaufen. Denn die Folgekosten können teuer zu Buche stehen, insbesondere für Webfonts, die sich die Font Foundries nach Page Views nun vergolden lassen wollen.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 22.01.2012
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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