Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Fraktur

Frakturschrift, Deutsche Schrift


Schriftart (Unterschriftgruppe), die im Sinne der Schriftklassifikation zu der Schriftgattung (Hauptschriftgruppe) der »Gebrochenen Schriften« zählt. Auch als »Deutsche Schrift«, im englischsprachigen Raum mehrdeutig auch als Gothic, Old English oder als Blackletter bezeichnet. Die Fraktur war über 400 Jahre im Wesentlichen die Buch- und Verkehrsschrift der Deutschen und bis 1941 die offizielle Amtsschrift im »Deutschen Reich«. Als Schöpfer der ersten reinen »fractura germanica« (1507) gilt der Augsburger Kalligraph und Benediktinerpater Leonhard Wagner.

Etymologisch ist die Bezeichnung »Fraktur« dem lateinischen »fractura« entlehnt und bedeutet »Bruch«, analog zum Verbum »frangere, fregi, fractum - brechen«. Mit dem beginnenden 16. Jahrhundert bezeichnete es jene »gebrochene« Spätform der gotischen Minuskel, die als Fraktur in Deutschland zur vorherrschenden Type wurde. Besonders im Zuge der Reformation mit Martin Luthers populären Flugschriften im Quart- und Oktavformat und seiner deutschsprachigen Bibel wurde die Fraktur zum Inbegriff der »deutschen Schrift«, ein - zwischenzeitlich auch polemisch ideologisierter - Nimbus, den sie bis heute bewahrt hat.

Paläographisch betrachtet wurzelt die Fraktur in der »Bastarda« des 14. Jahrhunderts, einer sowohl aus Stilelementen der Buchkalligraphie wie auch diverser aktueller Kanzleischriften kombinierten Neuschöpfung der gotischen Kursive. Diese hybride Bastarda konnte vor allem in Westeuropa und in den Kulturregionen nördlich der Alpen überaus erfolgreich den Gegensatz zwischen der streng formalistischen Textura, wie sie in den klerikalen Skriptorien gepflegt wurde, und den üblichen kursiven Alltagsschriften ausgleichen. Charakteristisch für die Bastarda sind ihre betonten Oberlängen und Unterlängen in schwungvoll weiten, wenngleich gebrochenen Bogenlinien und die vergleichsweise geräumigen Rundungen, die das Schriftbild aufgelockert und hell erscheinen lassen. Die »lettre bâtarde« genannte Hochform wurde im 15. Jahrhundert in Frankreich unter Philipp dem Guten und Karl dem Kühnen von Burgund zur offiziellen Hofschrift. Durch ihre preziöse Anmutung und dekorative Wirkung bei relativ unkomplizierter Ausführbarkeit eroberte die Bastarda rasch auf dynastischem und diplomatischem Wege die untereinander verbundenen höfischen Kanzleien sowie auch die urbanen und universitären Schreibschulen.

In der Inkunabelzeit wurden die frühesten Bastardatypen vom Pariser Typographen Pasquier Bonhomme zwischen 1475 und 1477 entwickelt, während sich in Deutschland eine spezielle Variante der Druckbastarden ausbildete, nämlich die »Schwabacher«. 1485 wandte der Nürnberger Drucker Friedrich Creußner erstmals diese reizvoll gerundete und leicht lesbare gotische Type an. Anton Koberger druckte die deutsche Ausgabe der Schedelschen Weltchronik in der Schwabacher, was deren Ausbreitung und Beliebtheit forcierte.

Die skriptographischen Urformen der eigentlichen Fraktur sind mit all ihren lokalen Ausprägungen vornehmlich in den Urkunden der kaiserlich-habsburgischen Hofkanzlei Friedrichs III. dokumentiert. Auch in den Lehrbüchern, die der Wiener-Neustädter Schreiber Wolfgang Spitzweg um 1465 für den jungen Prinzen Maximilian verfasste, zeigt sich bereits eine Art Protofraktur. Exemplarisch für die profanen, gotischen Kanzleischriften sei das »Ambraser Heldenbuch« genannt, eine Sammlung mittelhochdeutscher Versepen, die der kaiserliche Beamte und Zöllner am Eisack bei Bozen in Südtirol Hans Ried zwischen 1504 und 1516 für Maximilian I. schrieb.

1508 erteilte der an das Schriftbild der Fraktur gewöhnte und überaus bibliophile Kaiser dem Augsburger Drucker Johannes Schönsperger den Auftrag, auch eine derartige Type zu schneiden, die dann erstmals 1513 im Maximilianischen »Gebetbuch« zur Anwendung kam. Die monumentale gotische Druckschrift dieses von Albrecht Dürer illustrierten, privaten Breviers für den Kaiser geht auf den Entwurf eines Kalligraphen im Skriptorium des Augsburger Benediktinerklosters zu St. Ulrich und Afra [1] namens Leonhard Wagner alias Wirstlin (oder Würstlin, geboren 1453 in Schwabmünchen, gestorben 1522 in Augsburg) zurück. Schon 1507 hatte Meister Leonhard dem Kaiser seine großartige »Proba centum scripturarum una manu exaratarum« gewidmet, einen Kanon von einhundert Schriftarten der mediävalen »lettera antica« und gotischen »lettera moderna«, unter denen auch die »fractura germanica« und eine »semifractura« präsentiert wurden.

1517 druckte die Offizin Schönsperger den legendären »Theuerdank« in einer Fraktur-Type, die von Vinzenz Röckner entworfen und von Hieronymus Andreae geschnitten worden war. Der »Theuerdank« ist ein teils autobiographisches, teils allegorisiertes Ritterepos, in dem Maximilian seine Brautfahrt nach Burgund von den Augsburger Humanisten Johannes Stabius und Konrad Peutinger in poetischer Form verarbeiten ließ, um diesen mit 118 Holzschnitten von Hans Burgkmaier und anderen Künstlern der Dürerschule illustrierten Folianten seiner jungen Gemahlin Marie als Morgengabe zu überreichen.

In typographisch voll ausgebildeter Form findet sich die Fraktur um 1525 in den kunsttheoretischen Werken Albrecht Dürers, deren Typen vom Nürnberger Johannes Andreae geschnitten wurden, der nach Vorlagen des Kalligraphen Johannes Neudörffer arbeitete. Die Charakteristika der archetypischen Fraktur bestehen im langen f und langgezogenen s, die der Kanzleischrift entlehnt sind; die Majuskeln haben mitunter doppelt geführte Konturlinien und sind mit ornamentalen Schnörkeln, sogenannten »Elefantenrüsseln« verziert; die Oberlängen der Minuskeln b, h, k und l enden in schmalen, gekrümmten und gegabelten Graten, an ihrem unteren Ende werden die Schäfte durch schräggestellte quadratische Gebilde abgeschlossen, ähnlich den Füßchen, die man von der Textura her kennt. Ein weiteres Merkmal sind auch die spornartigen Fortsätze, die auf den Köpfen von Minuskeln wie a, c, e und q aufscheinen. Der auch für die Frakturtypen beibehaltene angedeutet kursive Duktus bewirkt ein helles, aufgelockertes Schriftbild, das im Vergleich zur formstreng und geradezu hermetisch anmutenden Textura eine deutlich leichtere Lesbarkeit garantierte.

Im Verlauf der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Fraktur zur vorherrschenden Type für deutschsprachige Druckwerke, neben der sich die aus der humanistischen Minuskel generierte Antiqua für fremdsprachliche und lateinische Texte behauptete. Die breit laufende und deutlich mehr Raum beanspruchende Schwabacher fand bald nur noch als
Auszeichnungsschrift für die Werke Martin Luthers Verwendung. Um 1555 begann die Blütezeit des Druckwesens in Frankfurt, initiiert durch Christian Egenolff und die von ihm gegründete Typengießerei, die nach seinem Tod vom aus Lyon stammenden Typenschneider Jacques Sabon höchst erfolgreich weitergeführt wurde. Ab 1572 arbeitete die Frankfurter Schriftgießerei als unabhängiger Betrieb, der erste seiner Art in Deutschland, der als Egenolff-Sabon-Berner-Lutherische Gießerei bis 1810 Bestand hatte.

Das 17. Jahrhundert, gezeichnet von den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges und dessen geistes- und sozialgeschichtlichen Folgen, brachte für Deutschland zunächst einen deutlichen Verfall seiner Druckkunst, sowohl in technischer wie auch ästhetischer Hinsicht. Der durch die Reformation initiierte Schriftgegensatz deutsche Fraktur versus lateinische (sprich: katholische) Antiqua wurde immer mehr zum Zeichen des sozialen Gegensatzes zwischen den Gelehrten und dem einfachen Volk und verschärfte sich in der Gegenreformation zu einer hochgradig wertbesetzten Schriftspaltung. Mildernd wirkte lediglich, dass ab der zweiten Jahrhunderthälfte der Charakter eines Buches in erster Linie von Kupferstechern - beispielsweise der Familie Merian - und nicht mehr so sehr von den Typographen bestimmt wurde. Mit der Publikation der ersten deutschen, natürlich in Fraktur gesetzten Zeitung (1660) als neuem Informations- und Bildungsmedium sowie der Entstehung des Zeitschriftenwesens verlagerte sich auch der Schwerpunkt der deutschen Buchproduktion nach Leipzig.

Im 18. Jahrhundert war Leipzig das Zentrum der deutschen Typographie, die ab 1719 signifikant von den Aktivitäten der Drucker-, Schriftgießer-, Verleger- und Buchhändlerfamilie Breitkopf geprägt wurde. Der hoch gebildete Johannes Gottlob Immanuel Breitkopf (1719–1794) revolutionierte den Musikaliendruck und systematisierte die mathematische Berechnung von Schriftverhältnissen, beides gewissermaßen in kollegialer Rivalität zu Pierre Simon Fournier, der ebenso wie viele andere in- und ausländische Geistesgrößen aus Wissenschaft, Literatur, Musik und Kunst zu Breitkopfs ständigen Korrespondenzpartnern zählte. Gegen Ende des Jahrhunderts war Breitkopf neben Johann Friedrich Unger (1750–1804) und Joachim Heinrich Campe (1746–1818) maßgeblich an der Reform der Fraktur beteiligt. Beeinflusst von der Schriftästhetik eines John Baskerville, Firmin Didot oder Giambattista Bodoni und in Reaktion auf die Tendenz der führenden deutschen Literaten, ihre Werke in Antiqua gedruckt zu sehen, wandelten sich in Deutschland die typographischen Standards und es wurden klassizistisch anmutende, von allen Schnörkeln befreite Fraktur-Neuschnitte geschaffen: so die Campe-Fraktur 1790, die Breitkopf-Fraktur 1793, die Unger-Fraktur 1793/94 und die zierliche »Jean-Paul-Fraktur« aus der Offizin Breitkopf 1798.

Schon kurz nach 1800 zeigte sich jedoch, dass diesen reformierenden Bemühungen von Unger & Co. um eine pragmatische – nützlich im Sinne von lesefreundlich – und ästhetische Synthese von Fraktur und Antiqua kein nachhaltiger Erfolg beschieden sein konnte; nicht zuletzt deshalb, weil im Zuge der Napoleonischen Kriege die als »französisch« konnotierte Antiqua zwangsläufig zum feindlichen Symbol degradiert wurde. Frakturschriften des frühen 19. Jahrhunderts, wie etwa die legendäre aus der Weimarer Gießerei von Justus Erich Walbaum, zeichnen sich durch eine deutlich traditionalistische, ja historisierende Anmutung aus, mit verschnörkelten Versalien, exakten Brechungen und gegabelten Schäften. Die um 1830 entstandene biedermeierliche »Normal-Fraktur«, auch bekannt als Armin-, Büxenstein-, Mars- und Pressa-Fraktur, gehörte, oftmals nur mit einer Lagernummer bezeichnet, in sämtlichen deutschen Gießereien zum obligaten Typenrepertoire. Und auch wenn sich Jakob Grimm 1854 im Vorwort zum »Deutschen Wörterbuch« vehement für die Antiqua einsetzte, so verweigerte doch Otto von Bismarck (1815–1898) 1886 die Lektüre einer wie üblich in Antiqua gesetzten wissenschaftlichen Abhandlung, mit der Begründung, dass er es ablehne, Texte in deutscher Sprache mit lateinischen Lettern gedruckt zu lesen, zumal 1871 mit der Gründung des Deutschen Reiches die Fraktur zur offiziellen Amtsschrift erklärt worden war.

In den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde diese geradezu staatstragende Dimension der Fraktur auch in Reichstagsdebatten zunehmend parteipolitisch kommentiert und ideologisiert: als deutsche Schrift war die Fraktur nicht nur der deutschen Sprache adäquat, sondern Ausdruck des Deutschtums an sich. Die typographische Moderne hingegen sah die Kontroverse Fraktur ./. Antiqua eher unter historischen Aspekten und verband die Fraktur mit Tradition und althergebrachtem Kulturgut ganz allgemein. Der amerikanische Typograph Morris Fuller Benton etwa, bekannt germanophil und ein glühender Wagnerianer, kreierte 1907 eine Fraktur, die er nach dem ersten Präsidenten »Lincoln-Gotisch« nannte. Ungeachtet dessen, dass »elementare« Avantgardisten vom Format eines Jan Tschichold (1902–1974) und Paul Renner eigentlich lieber über die schrift-, druck- und wirkungsästhetischen Konsequenzen der Distinktion Antiqua ./. Grotesk diskutierten, entstand bis 1940 doch eine Vielzahl von bemerkenswert schönen »gebrochenen« Schriften.

Rudolf Koch (1876-1934) wurde so zum Schöpfer der modernen Fraktur: zwischen 1910 und 1921 war seine stilistisch an der Schwabacher orientierte Fraktur, die er lapidar »Eine deutsche Schrift« nannte, einer der größten Verkaufserfolge der Offenbacher Gießerei Gebrüder Klingspor; 1913 entwarf Koch die grazile »Kartenschrift« und eine traditionelle »Maximilian-Gotisch«, zwischen 1920 und 1926 die Fraktur »Klingspor«; 1924-1929 schuf Koch die »Jessen-Fraktur«, die wegen ihre augenfälligen Textura-Ähnlichkeit auch »Bibel-Gotisch« genannt wurde, und zeitgleich die »Wallau«, deren Anmutung an die Rotunda mittelalterlicher Missalien erinnerte.

Zu Beginn der nationalsozialistischen Ära war die Fraktur zunächst ein durchaus willkommenes Instrument der ideologischen und politischen Propaganda. Neben den Koch-Frakturen erfreuten sich auch andere Neuschnitte, darunter sogenannte »Neu-Frakturen«, die eine klare Synthese von traditionell gebrochenen und modernistisch grotesken Formprinzipien anstrebten, hoher Wertschätzung: so etwa die »Kleist-Fraktur«, entworfen 1928 und 1934 die »Fichte-Fraktur« von Walter Tiemann; die »Tannenberg« von Emil Meyer, entstanden zwischen 1933 und 1935 für die D. Stempel AG (Frankfurt am Main), eine »gebrochene Grotesk«, benannt nach der Schlacht bei Tannenberg 1914, durch die der Vormarsch der Russen aufgehalten worden war; die »Post-Fraktur« von Herbert Post (1903-1978), Schüler von Rudolf Koch und später Leiter der Münchener Akademie für das graphische Gewerbe, entstanden zwischen 1935 und 1940, für die Berthold AG in Berlin; die sehr konstruktivistisch und intellektuell anmutende »Weiß-Gotisch« von E. R. Weiß, 1936 und schließlich die »Zentenar« von Friedrich Herrmann Ernst Schneidler (1882–1956), entworfen 1937 aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Bauerschen Gießerei in Frankfurt am Main. 1939 erlebte auch die klassizistische Reformschrift von Johann Friedrich Unger als »Kabinett-Fraktur« eine kurze Renaissance.

Ab 1939 allerdings wurden die gebrochenen Schriften zum Thema einer zunehmend rassistisch-antisemitischen Polemik, die am 3. Januar 1941 in einem von Martin Bormann stellvertretend für den Führer gezeichneten grotesken Schrift-Verdikt gipfelte, in dem die Fraktur verboten und die Antiqua zur Normalschrift erklärt wurde:

»Zu allgemeiner Beachtung teile ich im Auftrag des Führers mit: Die sogenannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen und zu bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit besteht die sogenannte gotische Schrift aus Schwabacher-Judenlettern. Genauso wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei der Einführung des Buchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien, und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung der Schwabacher-Judenlettern. Am heutigen Tage hat der Führer in einer Besprechung mit Herrn Reichsleiter Amann und Herrn Buchdruckereibesitzer Adolf Müller entschieden, dass die Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift zu bezeichnen sei. Nach und nach sollen sämtliche Druckerzeugnisse auf diese Normalschrift umgestellt werden. Sobald dies schulbuchmäßig möglich ist wird in den Dorfschulen und Volksschulen nur mehr die Normalschrift gelehrt werden. Die Verwendung der Schwabacher-Judenlettern durch die Behörden wird künftig unterbleiben; Ernennungsurkunden für Beamte, Straßenschilder u. dergl. werden künftig nur mehr in Normalschrift gefertigt werden. Im Auftrage des Führers wird Herr Reichsleiter Amann zunächst jene Zeitungen und Zeitschriften, die bereits eine Auslandsverbreitung haben, oder deren Auslandsverbreitung erwünscht ist, auf Normalschrift umstellen.« [2]

Paradoxerweise werden aber auch heute noch gerade die Frakturschriften allenthalben mit Antisemitismus, dem Dritten Reich oder dem rechtsradikalen Neonazismus in Zusammenhang gebracht, was umso bedauerlicher ist, als es der Schriftforschung trotz jahrzehntelanger Bemühungen scheinbar noch immer nicht gelingen will, die durch einen beispiellosen kulturgeschichtlichen Fauxpas doppelt diskreditierten gotischen Schriften endlich zu rehabilitieren.

Insbesondere die unbegründete Verurteilung der Fraktur nach dem III. Reich als »nationalsozialistische Schrift«, die Zerstörung deutscher Druckmatrizen und Bibliotheken durch den II. Weltkrieg sowie die Lizenzierung und Distribution von angelsächsischen Schriften sorgte im Zeitraum von 1945 bis 1960 dafür, dass die Fraktur nahezu vollständig aus der deutschsprachigen Buch- und Lesetypographie verschwand.

[1] Das Augsburger Benediktinerklosters (Reichsstift) zu St. Ulrich und Afra wurde nach der Säkularisation von König Ludwig I. indirekt als »Benediktinerstift St. Stephan« revitalisiert. Es ist heute als Humanistisches und Musikalisches Gymnasium bekannt und gehört zur Bayerischen Benediktinerkongregation.
[2] Das Originaldokument des nationalsozialistischen Fraktur-Verdikts vom 3.1.1941 befindet sich unter der Signatur »NS 6/334« im Bundesarchiv Koblenz schreiben (Dienststelle Berlin, NS 18/374).
[T] In den Nachkriegsjahren ab 1945 ersetzte die Englische Typographie ausnahmslos die rund 500-jährige Tradition der Deutschen Typographie. Neben kulturpolitischen sind hierfür insbesondere sehr pragmatische Gründe aufzuführen, beispielsweise der Kauf von druckgrafischen Maschinen und Bleisatzschriften aus England und den USA, u.a. von Monotype ® oder Linotype ®, welche fast ausschließlich Antiqua-Schriften (Schriftklassifikation) in ihren Repertoires als Verkehrsschrift führten. Man bedenke in diesem Zusammenhang, das Schrift in jener Zeit rein materiell und meist aus Blei war. Die grafischen Maschinen und Werksatzschriften waren in Deutschland und Österreich in der Regel vom Krieg zerstört oder wurden im Zuge der Reparation als Wiedergutmachungsleistungen verwendet. Des Weiteren waren Druckereien in der Nachkriegszeit ausschließlich Verlags- und/oder Buchdruckereien. Und wer eine Zeitung (Lizenzzeitung) verlegen oder einen Verlag gründen wollte, benötigte hierfür eine Lizenz (Erlaubnis) der alliierten Besatzungsmächte, welche je nach Besatzungszone von der zuständigen Militärverwaltung vergeben wurde. Die Lizenzierung war auch gekoppelt an die Informationspolitik der Alliierten, beispielsweise an den US-Drei-Stufen-Plan von 1944 des Office of Military Government, United States.
[T] Bibliothek des Bischöflichen Ordinariats Augsburg, Fronhof 4, 86152 Augsburg.
[L] Otto Mazal, Paläographie und Paläotypie, Stuttgart 1986.
[L] Albert Kapr, Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften, Mainz 1993.
[L] Hans Peter Willberg, Vom falschen Image der Fraktur, Mainz 1993.
[L] Jan Tschichold, Die neue Typographie. Ein Handbuch für zeitgemäß Schaffende, Berlin 1928.
[L] Susanne Wehde, Typographische Kultur, Promotionschrift, Tübingen 2000.


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 16.08.2013
von Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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