Flattersatz

Schrift­satz­art. Unter­schie­den wird grund­sätz­li­ch zwi­schen Flat­ter­satz mit frei­er Zei­len­a­n­ord­nung und Axi­al­satz. In der klas­si­si­schen Buch­ty­po­gra­phie wird der Flat­ter­satz mit frei­er Zei­len­a­n­ord­nung auch als »Ana­xia­ler Schrift­satz« (»an« für »wider« oder »nicht« und alt­grie­chi­sch »axis« für »Ach­se«), in der Paläo­gra­phie und der Typo­gra­phie auch als »Asym­me­tri­scher Schrift­satz« (alt­grie­chi­sch »a« für »nicht« und »sym­me­tria« für »Eben­maß« zu »sym­me­tros« für »gleich­mä­ßig«), also als ungleich­mä­ßi­ger Schrift­satz, bezeich­net. Der Axi­al­satz wird hin­ge­gen auch als »Sym­me­tir­scher Flat­ter­satz« bezeich­net. 

Beispiel eines klassischen Buchkanons mit einem linksbündigen Flattersatz (Rauhsatz). Der Zeilenumbruch erfolgt hier immer nur innerhalb der Flatterzone. Wie breit eine Flatterzone sein soll, ist dagegen eine Frage des persönlichen ästhetischen Empfindens, wobei das natürliche Umbruchverhalten einer Schrift eine der wesentlichen Entscheidungsgrundlagen darstellt. Quelle: www.typolexikon.de
Bei­spiel eines klas­si­schen Buch­ka­nons mit einem links­bün­di­gen Flat­ter­satz (Rauh­satz). Der Zei­len­um­bruch erfolgt hier immer nur inner­halb der Flat­ter­zo­ne. Wie breit eine Flat­ter­zo­ne sein soll, ist dage­gen eine Fra­ge des per­sön­li­chen ästhe­ti­schen Emp­fin­dens, wobei das natür­li­che Umbruch­ver­hal­ten einer Schrift eine der wesent­li­chen Ent­schei­dungs­grund­la­gen dar­stellt.
Axialsatz ist einen symmetrischen Flattersatz, der auch als »Mittelachssatz«, »Zentrierter Satz«, »Gemittelter Satz« oder »Symmetrischer Flattersatz« bezeichnet wird. Infografik: www.typolexikon.de
Axi­al­satz ist einen sym­me­tri­schen Flat­ter­satz, der auch als »Mit­tel­achs­satz«, »Zen­trier­ter Satz«, »Gemit­tel­ter Satz« oder »Sym­me­tri­scher Flat­ter­satz« bezeich­net wird.

Beim Flat­ter­satz mit frei­er Zei­len­a­n­ord­nung unter­schei­det man zwi­schen links- und rechts­bün­di­gen Flat­ter­satz. Im deutsch­spra­chi­gen Raum ver­steht man unter Flat­ter­satz vor­der­grün­dig den Flat­ter­satz mit einem Zei­len­fall, bei dem alle Zei­len­an­fän­ge links­bün­dig, in senk­rech­ter Satz­aus­rich­tung unter­ein­an­der ste­hen, wäh­rend die Zei­len­en­den frei aus­lau­fen.

Je nach Auf­ga­ben­stel­lung und ästhe­ti­scher Betrach­tungs­wei­se wer­den Schrift­satz­ar­bei­ten in unter­schied­li­che Flat­ter­satz­tech­ni­ken imple­men­tiert. 1 )

 

Flattersatztechniken

Deutscher Flattersatz

Flat­ter­satz mit natür­li­cher Flat­ter­zo­ne und weni­gen Sil­ben­tren­nun­gen. Die Wort­z­wi­schen­räu­me sind gleich. Die Zei­len­län­gen erge­ben sich for­mal nach rhyth­mi­schen Geset­zen, also durch einen natür­li­chen Zei­len­um­bruch.

Englischer Flattersatz

Flat­ter­satz mit natür­li­cher Flat­ter­zo­ne ohne Sil­ben­tren­nung. Die Wort­z­wi­schen­räu­me sind gleich. Die Zei­len­län­gen erge­ben sich for­mal nach rhyth­mi­schen Geset­zen, also durch einen natür­li­chen Zei­len­um­bruch. In der Regel ist Eng­li­scher Flat­ter­satz bei einer nor­ma­len Zei­len­län­ge von acht bis zwölf Wor­t­en in der deut­schen Spra­che auf­grund der lan­gen Wör­ter nicht oder kaum mach­bar.

Rauhsatz

Allo­gra­ph »Rau­satz«. 2 ) Flat­ter­satz mit einer exakt defi­nier­ten Flat­ter­zo­ne, wel­che im Satz­spie­gel bzw. im Umbruch­sys­tem eines Gestal­tungs­ras­ters doku­men­tiert wird. Die Wort­z­wi­schen­räu­me sind gleich, der Zei­len­um­bruch erfolgt in der Regel durch häu­fi­ge auto­ma­ti­sch ange­pass­te Sil­ben­tren­nun­gen, wobei auch fünf­buch­sta­bi­ge Wör­ter getrennt wer­den (vor der Tren­nung zwei, nach der Tren­nung drei Buch­sta­ben). Je kür­zer eine Flat­ter­zo­ne ist, desto mehr (und kür­ze­re) Sil­ben­tren­nun­gen sind die Fol­ge. 

Handkorrigierter Rauhsatz

Flat­ter­satz mit einer exakt defi­nier­ten Flat­ter­zo­ne, wel­che im Satz­spie­gel bzw. im Umbruch­sys­tem eines Gestal­tungs­ras­ters doku­men­tiert wird. Der Zei­len­um­bruch wird indi­vi­du­ell durch­gän­gig per Hand nach­be­ar­bei­tet. D.h., die Zei­len­län­gen wer­den durch manu­el­le Sil­ben­tren­nung, Mani­pu­la­ti­on der Lauf­wei­te, des Schrift­grads und der Wort­z­wi­schen­räu­me zu einem bewusst geform­ten Flat­ter­satz struk­tu­riert. Der Hand­kor­ri­gier­te Rauh­satz hat sei­nen Ursprung in der Kal­li­gra­phie.

Schweizer Rauhsatz

Hand­kor­ri­gier­ter Rauh­satz, der auf­grund sei­ner gerin­gen Flat­ter­zo­ne – in der Regel unter 5% – schon bei­na­he wie ein Block­satz aus­sieht. Wur­de ins­be­son­de­re in der ideo­lo­gi­sier­ten Schwei­zer Gro­tesk–Typo­gra­phie der 1950er bis 1980er Jah­re ver­wen­det.

Lyrischer Flattersatz (Gedichtsatz)

Flat­ter­satz ohne Sil­ben­tren­nun­gen, bei dem der Umbruch sprach­li­ch durch den Autor vor­ge­ge­ben ist, bei­spiels­wei­se bei Gedich­ten.

Dramaturgischer Flattersatz

Flat­ter­satz mit und ohne Sil­ben­tren­nung, bei dem der Umbruch an einer bestimm­ten Stel­le durch eine Dra­ma­tur­gie, bei­spiels­wei­se bei Dia­lo­gen, vor­ge­ge­ben ist.

Axialsatz

Sym­me­tri­schen Flat­ter­satz, des­sen Zei­len­mit­te exakt an der Mit­tel­ach­se einer Sei­te bzw. einer Kolum­ne aus­ge­rich­tet ist (sie­he Axi­al­satz).

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: De Jong, Ralf und Fried­rich Fors­s­man: Detail­ty­po­gra­fie, Ver­lag Her­mann Schmidt, Mainz, ISBN 978–3-87439–642-4.
2.Anmer­kung: »Rauh« ist die ursprüng­li­che Schreib­wei­se von »rau«, einem Syn­onym für »rup­pig, rüpel­haft und roh«. Seit der deut­schen Recht­schreib­re­form von 1996 wird Rauh­satz auch ohne »h« geschrie­ben.