Font Foundry

Anglizismus für »Schriftenhaus«; Plural »Font Foundries«. Handelsunternehmen, das eigene und/oder Fonts (Schriften) anderer Schriftenhersteller bzw. Type Designer (Schriftgestalter) vertreibt. Etymologisch entlehnt aus dem Englischen »Font« für »Schrift, Zeichensatz« und »Foundry« für »Gießerei«; zu Deutsch »Schriftgießerei«, was wiederum eine gewerbespezifische Bezeichnung aus der Periode des materiellen Schriftsatzes für ein Unternehmen ist, das physische Druckschriften, z.B. Buchstaben aus einer Blei-Zinn-Antimon-Legierung oder Zierrat aus Kupferlegierungen (Messinglinien, Alineas etc.), herstellte und bis Ende der 1970er Jahre in der Regel pro Kilo und als Meterware an Offizinen verkaufte. 1 )

Gegenwärtig global agierende Handelsunternehmen, z.B. die Monotype Inc. (Woburn, USA), 11 ) führen heute in ihrem Sortiment zehntausende unterschiedliche Repliken, 2 ) Remakes, 3 ) Klone, 4 ) Formvarianten 5 ) und Mischformen 6 ) von Schriften unzähliger Schriftgestalter, z.B. von Giambattista Bodoni (1740–1813), bis hin zu kompletten Schriftenbibliotheken – selbst von nicht mehr existenten Schriftgießereien, wie z.B. der Hermann Berthold AG oder des VEB Typoart.

In der Regel werden Screen Fonts und Druckschriften von den Font Foundries nach typographischen Schriftklassifikationsmodellen geordnet und als einzelner Schriftschnitt, in Schriftfamilien, in Font Bundles (Bündel unterschiedlicher Schriften) 7 ) oder als komplette Schriftbibliotheken offeriert. 12 )

Lizenzen und Kosten

Digitale Fonts werden sowohl als kosten- und nutzungsfreie 8 ) wie auch als kosten- und lizenzpflichtige Fonts vertrieben. Kosten und Lizenzbestimmungen differieren je nach Anbieter und/oder Land, welche sich von Gratis-, Sonder-, Kombi- oder Pauschalangeboten, Abrechnung nach Pageviews bis hin zu Abonnementmodellen erstrecken. 9 ) Digitale Fonts werden nahezu ausschließlich per Download über das Internet distribuiert.

Schriftformate

Digitale Fonts werden in unterschiedlichen Technologien (Schriftformate), u.a. als Bitmap Fonts, TrueType Fonts, Font Suitcases, PostScript® Fonts, OpenType Fonts, App Fonts oder als diverse Web Fonts für unterschiedliche Computerperipherien angeboten. 10 ) 13 )

Font Foundries (Auswahl)

Adobe Type: www.adobe.com/products/type.html
Ascender: www.ascenderfonts.com (Monotype)
Astigmatic: www.astigmatic.com
Bitstream: www.monotype.com/de/libraries/bitstream (Monotype)
Blambot: www.blambot.com
Bold Monday: www.boldmonday.com
Carrois: www.carrois.com
Cape Arcona: www.cape-arcona.com
Castletype: www.castletype.com
Club Type: www.clubtype.co.uk
Creative Market: www.creativemarket.com
Dalton Maag: www.daltonmaag.com
Datafont.com: www.dafont.com
DTP Types Limited: www.dtptypes.com
Ductype: www.ductype.com/dt.html
Dutch Type Library: www.dutchtypelibrary.nl
Elsner & Flake: www.fonts4ever.com
Emigre: www.emigre.com
exljbris Font Foundry: www.exljbris.com
Floodfonts: www.floodfonts.com
Font Bureau: www.fontbureau.com
Fonts.com: www.fonts.com (Monotype)
Font Diner: www.fontdiner.com
fontBoy: www.fontboy.com
FontFont: www.fontfont.com (Monotype)
Font Squirell: www.fontsquirrel.com
Fontology: www.buymyfonts.com
Fontschmiede: www.fontschmiede.de
Fontshop: www.fontshop.com (Monotype)
Fontsmith: www.fontsmith.com
Fontsmith: www.fontsmith.com
Fountain: www.fountain.nu
Garage Fonts: www.garagefonts.com
German Type Foundry: www.germantype.com
Google Web Fonts: www.google.com/fonts
Hoefler & Co.: www.typography.com
House Industries: www.houseind.com
insigne: www.insignedesign.com
ITC: www.itcfonts.com (Monotype)
Letterhead fonts: www.letterheadfonts.com
LettError: www.letterror.com
Linotype Library: www.linotype.com (Monotype)
Lucas Fonts: www.lucasfonts.com
Misprinted Type 4: www.misprintedtype.com
Monotype: www.monotype.com/de
MyFonts: www.myfonts.com (Monotype)
No Bodoni: www.nobodoni.com
OurType: www.ourtype.com
Outside the line: www.outside-the-line.com
P22: www.p22.com
pampatype: www.pampatype.com
Paratype: www.paratype.com
Patricia Lillie: www.patricialillie.com
Phantompower: www.phantompower.de/fonts
PizzaDude: www.pizzadude.dk
Porchez Typofonderie: www.typofonderie.com
Positype: www.positype.com
Proscess Typefoundry: www.processtypefoundry.com
Psy-Ops: www.psyops.com
Shift: www.shiftype.com
SMeltery: www.smeltery.net
Stone Typefoundry: www.stonetypefoundry.com
Sudtipos: www.sudtipos.com
Syn Fonts: www.synfonts.com
T26: www.t26.com
The Chank Company: www.chank.com
The Foundry: www.foundrytypes.co.uk
Tiro Typeworks: www.tiro.com
Typeco: www.typeco.com
Typotheque: www.typotheque.com
Unger, Gerard: www.gerardunger.com
URW: www.urwpp.de
Van der Laan, Paul: www.type-invaders.com
VirusFonts: www.virusfonts.com
Wiescher, Gert: www.wiescher.de

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1. Anmerkung: Prominente deutsche Schriftgießereien in der Periode des materiellen Schriftsatzes waren beispielsweise die Berliner H. Berthold Schriftgießerei und Messinglinienfabrik von Hermann Berthold (D, 1831–1904) oder die Offenbacher Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor (gegründet von Karl Klingspor, 1868–1950, infolge Stempel AG, infolge Linotype GmbH, infolge Monotype Inc.).
2. Anmerkung: Eine Replik ist eine erneute Ausführung eines bereits vorhandenen Originals durch den Schriftgestalter selbst.
3. Anmerkung: Ein Remake ist eine spätere Nachbildungen einer bereits existierenden, aber nicht mehr am Markt verfügbaren Schrift, die sich streng am Original orientiert.
4. Anmerkung: Ein Klon ist eine 1:1-Kopie einer Schrift.
5. Anmerkung: Eine Formvariante ist eine abweichende Interpretation einer bereits existierenden Schrift.
6. Anmerkung: Mischformen sind Hypride aus unterschiedlichen Schriftuntergruppen und/oder Schriftnebengruppen.
7. Anmerkung: Insbesondere Font Bundels sollten vor dem Kauf sehr kritisch begutachtet werden. Denn oftmals enthalten sie neben einigen wenigen Qualitätschriften nur qualitativ minderwertige Klone bereits existierender Schriften, Ladenhüter, Schriften ohne Hinting und Kerning oder schlicht und einfach schriftgestalterisch fragwürdige Fonts, die so teuer als »Dreingaben« (Naturalrabatt) mitverkauft werden. Im Zweifelsfall immer nur den benötigten Schriftschnitt im Original erwerben!
8. Anmerkung: Im Internet gibt es viele lizenzfreie Angebote, beispielsweise Google Fonts (www.google.com/fonts) mit derzeit rund 650 Webfonts oder Font Squirrel (www.fontsquirrel.com). Diese Fonts sind gestalterisch nicht unbedingt schlechter oder besser als lizenzgebundene Schriften.
9. Hinweis: Urheberrecht für Schriften und Mythos »Schriftsoftware«. Eine kritische Anmerkung von Wolfgang Beinert.
10. Anmerkung: Fonts gibt es für unterschiedliche Mikrocomputer (z.B. PCs, Tablets, Smartphones) mit unterschiedlichen Betriebssystemen (z.B. Apple IOS 5® oder Microsoft Windows XP®) in unterschiedlichen Technologien (z.B. PostScript®, TrueType). Vor dem Kauf sollte also verifiziert werden, ob die gewählte Schrift den gestalterischen und produktionstechnischen Anforderungen entspricht. Besondere Aufmerksamkeit gilt den unterschiedlichen OpenType-Formaten!
11. Anmerkung: Heute ist die Monotype Inc. weltweit nahezu Monopolist. Zu ihr gehören zurzeit u.a. Ascender, Bitstream, FontFont, ITC, Linotype Library oder die Internethandelsplattformen Fonts.com, Fontshop oder MyFonts.
12. Anmerkung: Unterschiedliche Font Foundries vertreiben sowohl die gleichen Schriften wie auch unterschiedliche Interpretationen des gleichen Schriftstils. Erschwerend kommt hinzu, dass unterschiedliche Fonts die gleichen oder ähnlich Bezeichnungen und Namen (z.B. »Bodoni«, »Bauer Bodoni«, »Bodonii BE«, »Bondon«, »Bodoni Old Face«, »Bodoni URW», »Giambattista Bodoni« etc.) tragen können. Deshalb ist bei der Schriftwahl unabdingbar, sich für den geeigneten Font (siehe auch Mikrotypographie oder Schriftwahl) zu entscheiden. Denn Schrift ist nicht gleich Schrift!
13. Tipp: Druckschriften können nicht am Bildschirm bzw. anhand des TrueType-Formats beurteilt werden, denn die Darstellung einer Druckschrift auf einer digitalen Benutzeroberfläche entspricht nicht dem Druckbild. Auch ein PDF-File ist nur für eine grobe Vorauswahl brauchbar. Deshalb sollte vor dem Kauf einer Schrift grundsätzlich ein gedrucktes Schriftmuster (Schriftmusterbuch, Katalog, Prospekt etc.) bestellt werden.