Formsatz

Schrift­satz­art; Schrift­satz, des­sen makro­ty­po­gra­phi­sches Gesamt­bild eine in sich geschlos­se­ne geo­me­tri­sche Figur oder freie Form ergibt, die auf dem Umriss einer kon­tu­rier­ten Flä­che oder einem Text­pfad (Pfadt­ext) basiert. In der Typo­gra­phie wird zwi­schen »Kon­tur­satz« und »Frei­er Form­satz« unter­schie­den. 

Bei­de Arten des Form­sat­zes wur­den bereits in der Kal­li­gra­phie – vor Erfin­dung des Buch­drucks durch Johan­nes Guten­berg (um 1400–1468) – als gra­fi­sches Stil­mit­tel in der Buch­ge­stal­tung ange­wen­det. Von der Pro­to­ty­po­gra­phie wur­de tech­ni­sch bedingt aller­dings nur der Kon­tur­satz adap­tiert, um anfäng­li­ch hän­di­sch aus­ge­zeich­ne­te Initia­len, spä­ter um Bild­mo­ti­ve, z.B. Illus­tra­tio­nen oder Fotos, inner­halb eines Satz­spie­gels bzw. Gestal­tungs­ras­ters zu kon­tu­rie­ren. 

Kontursatz von Johannes Gutenberg (um 1400–1468). Abbildung: Faksimile einer 42-zeiligen Gutenberg-Bibel. Original gedruckt von Johannes Gutenberg in Mainz um 1455. Quelle: New York Public Library, 2009.
Kon­tur­satz von Johan­nes Guten­berg (um 1400–1468). Abbil­dung: Fak­si­mi­le einer 42-zei­li­gen Guten­berg-Bibel. Ori­gi­nal gedruckt von Johan­nes Guten­berg in Mainz um 1455. Quel­le: New York Public Libra­ry, 2009.

In der Typo­gra­phie und art­ver­wand­ten gra­fi­schen Druck­ver­fah­ren wur­de der Freie Form­satz als künst­le­ri­sches Aus­drucks­mit­tel jedoch erst Ende des 19. Jahr­hun­derts durch neue gra­fi­sche Repro­duk­ti­ons- bzw. Druck­tech­ni­ken mög­li­ch und mit der »Kunst­ty­po­gra­phie« bzw. der »Typo­gra­phik« der 1920er Jah­ren popu­lär, bei­spiels­wei­se durch den deut­schen Maler, Dich­ter und Wer­be­gra­fi­ker Kurt Schwit­ter (1887–1948).

Freier Formsatz in Form einer Spirale, der eine Zielscheibe darstellt. Beispiel gesetzt in der Linoscript von Morris Fuller Benton (1872–1948) auf einem Textpfad mit Adobe Illustrator®. Reinzeichnung: Wolfgang Beinert, Berlin. www.typolexikon.de
Frei­er Form­satz in Form einer Spi­ra­le, der eine Ziel­schei­be dar­stellt. Bei­spiel gesetzt in der Lino­script von Mor­ris Ful­ler Ben­ton (1872–1948) auf einem Text­pfad mit Ado­be Illus­tra­tor®.

Heu­te gehört Form­satz jeg­li­cher Art zum tech­ni­schen Stan­dard­re­per­toire einer jeden Gra­fik- bzw. DTP Desk­top Publis­hing Soft­ware, z.B. InDe­si­gn® oder Illus­tra­tor® von Ado­be®. 

In der Web­ty­po­gra­phie besteht seit CSS3 Cas­ca­ding Sty­le Sheets 1 ) die Mög­lich­keit, den Umfluss von Tex­ten an unre­gel­mä­ßi­gen For­men, z.B. Krei­sen, Ellip­sen und Poly­go­nen, durch Shape-Eigen­schaf­ten zu defi­nie­ren.

Bei­spiel einer Shape-Eigen­schaft in einem CSS, mit der der Text um einen Kreis fließt.

div {
 width: 200px;
 height: 200px;
 float: left;
 shape-outside: circle(50%);
}

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

Share / Bei­trag tei­len:

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: CSS Cas­ca­ding Sty­le Sheets ist ein welt­wei­ter Stan­dard des W3C (World Wide Web Con­sor­ti­um). Infor­ma­tio­nen ver­füg­bar unter http://​www​.w3c​.de/​a​b​o​ut/ (17.2.2016).