Französische Anführungszeichen

Interpunktionszeichen; Satzausdruckzeichen. Französisch « Guillemets français »; Kurzform Guillemet oder Guillemets, phonetisch im Plural auch als »-gij’mee« ausgesprochen. Französische Anführungszeichen und Abführungszeichen in Form zweier spitzer Klammern oder zweier Halbkreise, bzw. bei »Halben Anführungszeichen« einer spitzen Klammer oder eines Halbkreises.

Der französische Typograph und Universalgelehrte Etienne Dolet (1509–1546) beschreibt 1540 die »Guillemets français« als doppelt gesetzte Halbkreise in der Art von runden Parenthesen, so wie die Französischen Anführungszeichen teils auch heute noch bei Klassizistischen Antiquas üblich sind. Beispiel oben: Linotype Didot nach einem Entwurf von François Didot (1689–1757). Beispiel unten: Neue Helvetica nach einem Entwurf der D. Stempel AG aus dem Jahre 1983.
Der französische Typograph und Universalgelehrte Etienne Dolet (1509–1546) beschreibt 1540 die »Guillemets français« als doppelt gesetzte Halbkreise in der Art von runden Parenthesen, so wie die Französischen Anführungszeichen teils auch heute noch bei Klassizistischen Antiquas üblich sind. Beispiel oben: Linotype Didot nach einem Entwurf von François Didot (1689–1757). Beispiel unten: Neue Helvetica nach einem Entwurf der D. Stempel AG aus dem Jahre 1983.
Obere Zeile: Les guillemets français mit der Positionierung Mitte/Mitte, zwischen x-Linie und Grundlinie, Spitze nach außen sowie je ein Leerraumzeichen bzw. im typographischen Schriftsatz ca. 1/4 Geviert Zwischenraum nach dem Guillemet ouvrant bzw. vor dem Guillemet fermant. Untere Zeile: Umgekehrte französische Anführungszeichen (Chevrons) mit der Positionierung Mitte/Mitte, Spitze nach innen, zwischen x-Linie und Grundlinie ohne Leerraumzeichen.
Obere Zeile: Les guillemets français mit der Positionierung Mitte/Mitte, zwischen x-Linie und Grundlinie, Spitze nach außen sowie je ein Leerraumzeichen bzw. im typographischen Schriftsatz ca. 1/4 Geviert Zwischenraum nach dem Guillemet ouvrant bzw. vor dem Guillemet fermant. Untere Zeile: Umgekehrte französische Anführungszeichen (Chevrons) mit der Positionierung Mitte/Mitte, Spitze nach innen, zwischen x-Linie und Grundlinie ohne Leerraumzeichen.

Die »Imprimerie Nationale« schreibt im Französischen die Anwendung der französichen Guillemets mit der Spitze nach außen vor. Im deutschsprachigen Raum werden die Französischen Anführungszeichen dagegen mit der Spitze nach innen verwendet und u.a. auch als »Umgekehrte französische Anführungszeichen« oder »Chevrons«, umgangssprachlich auch als »Möwchen« bezeichnet. 1 )

 
Les guillemets français in Frankreich
« hamburgerfontsitiv » Les guillemets français
« hamburgerfontsitiv   guillemet ouvrant
» hamburgerfontsitiv   guillemet fermant

Positionierung: Mitte/Mitte, zwischen x-Linie und Grundlinie, Spitze nach außen sowie je ein Leerraumzeichen bzw. im typographischen Schriftsatz ca. 1/4 Geviert Zwischenraum nach dem Guillemet ouvrant (vor dem angeführten Wort) bzw. vor dem Guillemet fermant (nach dem angeführten Wort). 

 
Französische Anführungszeichen in Deutschland und Österreich
»hamburgerfontsitiv«   Deutsche Guillemets (Chevrons)
»hamburgerfontsitiv    Anführung
«hamburgerfontsitiv    Abführung

Positionierung: Mitte/Mitte, Spitze nach innen, zwischen x-Linie und Grundlinie ohne Leerraumzeichen.

 
Französische Anführungszeichen in der deutschsprachigen Schweiz
«hamburgerfontsitiv»   Schweizer Guillemets (Chevrons)
«hamburgerfontsitiv    Anführung
»hamburgerfontsitiv    Abführung

Positionierung: Mitte/Mitte, Spitze nach außen, zwischen x-Linie und Grundlinie ohne Leerraumzeichen.

Das »Dictionnaire Historique de la langue française« (Das Historische Lexikon der französischen Sprache) von Alain Rey (éditions Le Robert) 2 ) nennt einen Typographen namens Guillaume, der diese Satzzeichen 1527 erstmals angewandt haben soll. Darin heißt es auf Seite 1665: »Représente probablement un diminutif (1677) de Guillaume, d’après le nom ou le prénom de l’imprimeur qui inventa ce signe, apparu pour la première fois en 1527, mais pas encore désigné sous ce nom.«. 

Der französische Typograph und Universalgelehrte Etienne Dolet (1509–1546) beschreibt sie 1540 als doppelt gesetzte Halbkreise in der Art von runden Parenthesen … »On trouve aussi ces demys cercles aulcunesfoys doublés: et ce sans force de parenthese …«. 3 )

Die Bezeichnung Guillemet ist erst mit dem Jahr 1677 verbürgt und entstand vermutlich aus einer umgangssprachlichen Zusammenziehung von »Guillaume« und »mettre« (stellen, setzen) oder »maistre« (maître, Meister), was soviel wie »Meister Wilhelm« oder »Wilhelm setzt« bedeutet. Möglich ist jedoch auch die Vermutung des französischen Linguisten und Lexikonographen Alain Rey (*1928), dass es sich hier in aller Wahrscheinlichkeit um eine Diminutivform handeln muss. 4 )

Die Unterscheidung in »guillemet ouvrant et fermant« geht auf das Jahr 1804 und Firmin Didot zurück, der in seinem exklusiven Schriftschnitt »Romain de L’Empereur« (siehe Klassizistische Antiqua) erstmals diese spezielle Form und Positionierung der Guillemets verwendete. Didot zögerte nicht, »Les guillemets anglais«, also englische Anführungszeichen, erstmals in der Art der traditionellen Guillemets zu setzen, also die englische Hybridform in der Höhe der Minuskel. 5 )  

Tipp: Bei freigestellten Zitaten wird die Anführung – egal ob es sich um Deutsche, Englische oder Französische Anführungszeichen handelt, immer zugunsten des Optischen Randausgleichs über die linke Satzkante gestellt.
Tipp: Bei freigestellten Zitaten wird die Anführung – egal ob es sich um Deutsche, Englische oder Französische Anführungszeichen handelt, immer zugunsten des Optischen Randausgleichs über die linke Satzkante gestellt.

Auch in der deutschen Buchtypographie – meist in Form der »umgekehrten französischen Anführungszeichen« – gelten Französischen Anführungszeichen als die schönste und die bestlesbare Formvariante aller An- und Abführungszeichen, da sie keine Lücken im Schriftsatz verursacht oder Verwechslungen mit anderen Schriftzeichen, beispielsweise einem Zollzeichen, ausschließt. 6 ) Französische Anführungszeichen gibt es in den unterschiedlichsten Formvarianten, je nach dem, welche Klassifikationsmerkmale eine Schrift aufweist. 7 ) 8 )

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Literaturempfehlung: Drillon, Jacques: Traité de la ponctuation française, éditions Gallimard, Paris 1991, ISBN : 9782070721986.
2.Quelle: Dictionnaire Le Robert, online verfügbar unter www.lerobert.com (7.12.2016).
3.Quelle: Dolet, Estienne: De la Punctuation de la Langue francoyse, Lyon 1540.
4.Anmerkung: Der Übersetzer Philippe F. Lorre schrieb am 8.10.2016 an Wolfgang Beinert dazu: Übersetzt heißt es, dass dieses Wort »wahrscheinlich eine Verkleinerungsform darstellt (…)«. Bei französischen Familiennamen kommt die Endung »-et« oft als Verkleinerungsform vor. Der Familienname Guillaumet ist also keine Seltenheit. So hieß z.B. Henri Guillaumet, einer der Pioniere der französischen Aéropostale (u.a. mit Antoine de Saint-Exupéry). Die Annahme, dass etymologisch gesehen das Wort »guillemet« die Verschmelzung von zwei Wörtern – einerseits »Guillaume«, andererseits entweder das Verb »mettre« (stellen, setzen) oder das Substantiv »maistre« (maître, Meister) – darstellen würde, würde ich auf jeden Fall ausschließen, denn dies würde der grundsätzlichen Wortreihenfolge in den romanischen Sprachen völlig widersprechen, was hier vor allem die Hypothese mit »maistre« betrifft. Außerdem wurde die Bezeichnung »maître« im Französischen immer dem Familiennamen vorangestellt. Ich teile voll und ganz Alain Reys Vermutung, dass es sich hier in aller Wahrscheinlichkeit um eine Diminutivform handeln muss.
5.Anmerkung: Es existiert die These, dass Firmin Didot die Englischen Anführungszeichen Oben/Oben nur deshalb auf Mitte/Mitte »heruntergezogen« hat, um die Engländer bei der Krönung von Kaiser Napoleon Bonaparte durch eine subtilen Anspielung zu demütigen. Siehe Klassizistische Antiqua.
6.Anmerkung: Ausnahmen sind hier einige Formvarianten bei Klassizistischen Antiquas, deren An- und Abführungzeichen an runden Klammern erinnern.
7.Tipp: Manche Fonts verfügen nur über unförmige, lieblos gestaltete Guillemets français. Es ist deshalb in der Mikrotypographe durchaus üblich, diese Guillemets français gegen ansehnlichere Formvarianten einer anderen Schrift auszutauschen.
8.Tipp: Die Form der Guillemets français einer Schrift kann durchaus ein wichtiges Kriterium bei Schriftwahl sein, insbesondere wenn die Schrift für Verlagspublikationen (z.B. Roman) verwendet wird.