Fust, Johann

Mainzer Kaufman, Geldverleiher und Fürsprech(er) (Advokat), ab circa 1454 Typograph und Verleger in Mainz. Geboren um 1400 in Mainz. Von ungefähr 1448 bis 1454 Geldgeber, Geschäftspartner und Gläubiger von Johannes Gutenberg (um 1400–1468), dem Erfinder der Typographie. Die von Gutenberg übernommene und ab 1456 umbenannte Fust-Schöffer´sche Offizin gilt als die Keimzelle der Typographie. Alternative Schreibweisen seines Namens: Johannes Fust und Joannes Faustus.

Johann Fust war der Sohn von Nicolaus Fust (um 1374–1444), der von 1438 bis 1441 Richter und ab 1444 Ratsmitglied in Mainz war. Sein Bruder Jacob Fust war Bürgermeister von Mainz. Zusammen mit seiner Frau Margarete, geborene Cuhn (um1412–1472), hatte Johann Fust zwei Kinder, Christine (spätere Schöffer) und Johannes. 1 ) 

Faksimile einer 42-zeiligen Gutenberg-Bibel. Original gedruckt von Johannes Gutenberg in Mainz um 1455. Quelle: New York Public Library, 2009.
Faksimile einer 42-zeiligen Gutenberg-Bibel. Original gedruckt von Johannes Gutenberg in Mainz um 1455. Quelle: New York Public Library, 2009.

Ab etwa 1448 investierte Johann Fust Geld in Gutenbergs Offizin im Humbrechthof in Mainz und finanzierte somit die kostenintensive Erstausgabe der Gutenberg-Bibel. Nach einem Rechtsstreit in Mainz mit Johannes Gutenberg – Fust wollte das Gewinn bringende Geschäft mit seinem geschäftstüchtigen Schwiegersohn Peter Schoeffer (1425–1502/1503) fortsetzen und forderte deshalb skrupellos seinen Kredit von 1.600 Gulden (damaliger Gegenwert von drei Mainzer Bürgerhäusern) samt Zins und Zinseszins zurück – ging Gutenbergs Offizin im Humbrechthof Ende 1454 in der Fust-Schöffer´schen Offizin auf. 2 ) Der Kalligraph und Typograph Peter Schoeffer, Meisterschüler von Johannes Gutenberg, war nach dem gewonnen Prozess gegen Gutenberg – in dem er als Zeuge gegen Gutenberg aussagte – ab 1454 Werkstattleiter, Partner und nach seiner Heirat mit Johann Fusts Tochter Christina und dem Erbverzicht des Fustsohnes Johannes ab 1476 Alleineigentümer der Offizin.

Nach der gewaltsamen Einnahme von Mainz in der Nacht vom 28. Oktober 1462 durch die Truppen des von Papst und Kaiser favorisierten Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz Adolf von Nassau (um 1423–1475), musste die Offizin im Humbrechthof in Windeseile aufgegeben werden, da Johann Fust und Peter Schöffer Günstlinge des nunmehr abgesetzten Kurfürsten, Erzkanzlers und Erzbischofs Diether von Isenburg (1412–1482) gewesen waren. Viele Mitarbeiter der Fust-Schöffer´schen Offizin verliesen bei dieser Gelegenheit Mainz und brachten so die »Deutsche Kunst« in andere europäische Städte und schlußendlich in die gesamte Welt (siehe Schriftgeschichte).

In der Offizin von Fust und Schöffer entstanden bedeutende Inkunabeln, also Wiegendrucke seit der Erfindung des Buchdrucks bis zum Jahre 1500. Hier erlernten u.a. auch die Prototypographen Conrad Sweynheym (o.A. Mitte 15. Jh.), Arnold Pannartz (erwähnt 1464, † um 1478) und Nicolas Jenson (1420–1480) die Kunst der Typographie, die geheime »Deutsche Kunst«.

Johann Fust gilt – neben Peter Schöffer und Konrad Henckis (Typograph und Buchhändler, um 1470–1481), als einer der Mitbegründer der Frankfurter Buchmesse, heute die größte internationale Buchmesse der Welt, die jährlich im Oktober auf dem Gelände der Messe Frankfurt stattfindet und seit 1949 im jetzigen Veranstaltungsformat vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels kuratiert wird.

Johann Fust starb am 30. Oktober 1466 in Paris, vermutlich an der Pest.  3 ) 4 ) 5 ) 6 ) 7 )

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Quelle: Huber, Wilhelm: Das Mainz-Lexikon, Schmidt Mainz, 2002, ISBN 3-87439-600-2.
2.Quelle und Literaturempfehlung: Empell, Hans-Michael: Gutenberg vor Gericht : der Mainzer Prozess um die erste gedruckte Bibel, Peter Lang, ISBN 978-3-631-58108-7.
3.Museumsempfehlung: Gutenberg-Museum, Liebfrauenplatz 5, 55116 Mainz, www.gutenberg-museum.de.
4.Bibliotheksempfehlung: Deutschlands umfangreichste Wiegendruck-Sammlung (16.785 Exemplare bei 9.573 Titeln) befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek, Ludwigstraße 16, 80539 München, www.bsb-muenchen.de.
5.Literaturempfehlung: Haebler, Konrad: Die Erfindung der Buchdruckerkunst und ihre Ausbreitung in den Ländern Europas, Gutenberg- Gesellschaft, Mainz 1930.
6.Literaturempfehlung: Haebler, Konrad: Handbuch der Inkunabelkunde. Neudruck, Stuttgart 1966.
7.Weiterführende Informationen: www.gutenberg.de, offizielle Website der Stadt Mainz zu Johannes Gutenberg.