Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
Typoakademie
Aktuell
Suche
Grundlagen
Impressum
Newsletter


Gebrochene Schriften

Schriftgattung; Hauptschriftgruppe im Sinne der deutschen Schriftklassifikation [1]. Dazu zählen die Textura (hochgotisch, gedruckt um 1450), die Rotunda (rundgotisch, gedruckt um 1480), die »Schwabacher« (spätgotisch, gedruckt um 1490) und die Fraktur (Renaissance, gedruckt ab 1513). Die drei ersten Schriftarten gehören dem gotischen Stil an (Schriftgeschichte), die Fraktur ist eine Schöpfung der süddeutschen Renaissance. Semantisch rührt die Bezeichnung »Gebrochen« daher, dass die Rundungen der Minuskeln dieser Schriftgattung »gebrochen« wirken.

Zu den Vorläuftern der Gebrochenen Schriften zählen die Hochformen der gotischen Buchschriften ab dem späten 13. und 14. Jahrhundert, diese widerum haben ihren Ursprung in der »Carolino-Gotica«. Ihre Charakteristika sind gerade Striche, die scharfe Ecken und spitze Winkel bilden, gebrochene Rundungen, die an die Spitzbögen gotischer Kathedralen erinnern, sowie eine betont vertikale Ausrichtung der nun enger zusammen stehenden Buchstaben [2].

Während der Periode des materiellen Schriftsatzes (Bleisatz) wurden in Deutschland Gebrochene Schriften in folgende Untergruppen eingeteilt:

- Gotische Fraktur (Textura), z.B. die »Manuskript-Gotisch« der Bauerschen Gießerei 1905;
- Rundgotische Fraktur (Rotunda), z.B. die »Wallau« von Rudolf Koch, 1924;
- Spätgotische Fraktur (Schwabacher), z.B. die »Original Schwabacher« von Genzsch und Heyse;
- Barock-Fraktur, (Fraktur), z.B. die »Luthersche Fraktur« von der D. Stempel AG;
- Fraktur-Variante (Hybride), z.B. die »Breite Kanzlei« von der Gießerei Flinsch um 1830.


[1] Der Terminus »Gebrochene Schrift« wird sowohl für kalligraphische wie auch für typographische Schriften verwendet, wobei die Paläographie hier sehr viel wissenschaftlicher klassifiziert.
[2] Die Gotik stellt in paläographischer Hinsicht die reichste Epoche Gebrochener Schriften dar.
[L] Otto Mazal: Paläographie und Paläotypie, Stuttgart 1986.
[L] Albert Kapr: Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften, Mainz 1993.
[L]
Jan Tschichold: Die neue Typographie. Ein Handbuch für zeitgemäß Schaffende, Berlin 1928.
[L] Susanne Wehde: Typographische Kultur, Promotionschrift, Tübingen 2000.
[L] Philipp Luidl: Typographie, Herkunft, Aufbau, Anwendung, Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover 1984.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 05.11.2008
von
Wolfgang Beinert

HINWEIS
Das Typolexikon wird zurzeit grundlegend überarbeitet. Infos dazu finden Sie auf der Startseite.

Dieser Artikel ist noch nicht überarbeitet!





>