Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Göschen, Georg Joachim
Typograph, Deutschland [1], 1752–1828

Deutscher Typograph, Verleger und Buchdrucker. Geboren am 22. April 1752 in Bremen. Um 1800 maßgeblicher Initiator einer deutschen Typographie-Ästhetik nach der Maxime, dass » ... die äußere Form dem inneren Werth des Werkes entspricht «, unter Berufung auf » Harmonie, Schönheit und Geschmack « als hochstilisierte Leitmotive der klassischen Literatur der Goethezeit. Göschens legendäre Quart-Ausgabe von Christoph Martin Wielands » Sämmtlichen Werken « in 36 Bänden, gedruckt zwischen 1794 und 1802, gilt als das erste Meisterwerk klassizistischer Buchtypographie in Deutschland, das in den 1790 von J.C. Prillwitz nachgeschnittenen Lettern der französischen Klassizistischen Antiqua von Firmin Didot typographisch gestaltet wurde. Die Napoleonischen Kriege allerdings machten eine » Rückanpassung « an die traditionellen Lesegewohnheiten des deutschen Bildungsbürgertums erforderlich, und so druckte Göschen eine Vielzahl seiner Antiqua-Editionen auch in parallelen Fraktur-Ausgaben.

Georg Joachim Göschen war zunächst als Faktor in der sogenannten Gelehrtenbuchhandlung in Dessau tätig, bis er im März 1785 in Leipzig sein eigenes Unternehmen gründete, das durch seine freundschaftlichen Verbindungen mit den damals berühmtesten deutschen Schriftstellern (Goethe, Schiller, Wieland, Klopstock, Jünger, Iffland, Stolberg, Böttiger, Seume, Woltmann, Apel, Laun, Müllner, Houwald u.a.) rasch zu einer der angesehensten Verlagsbuchhandlungen Europas wurde. Mit Johann Wolfgang von Goethe (1747–1832) nahm Göschen schon 1786 Kontakt auf und druckte zwischen 1787 und 1790 die Erstausgabe von dessen » Gesammelten Schriften « in acht Bänden. 1787 begannen die Beziehungen zu Christoph Martin Wieland (1733–1813). Zum Druck der Prachtausgabe seiner Werke in 36 Bänden gründete Göschen eine eigene
Offizin, die 1797 nach Grimma bei Leipzig verlegt wurde, wo er zugleich das Landgut Hohenstädt kaufte. 1823 wurde auch die Leipziger Buchhandlung nach Grimma verlegt.

Zur Realisierung seiner makro- und mikrotypographischen höchst anspruchsvollen Formvorstellungen von einer ebenmäßigen, sogenannten » splendiden Satzweise « führte Göschen auch die dazugehörige Drucktechnologie ein: der Einsatz von Stegen und Pressen aus Metall anstelle von Holz gewährleistete das konsequente Halten der Schriftlinie, den exakten Axialsatz des Titelblatts und den gleichmäßigen Farbabdruck; ein optimiertes Schriftgußverfahren ermöglichte die präzisen und langgezogenen Haarstriche der neuen Antiqua-Schnitte; sorgfältigst ausgeschlossene Buchstaben- (Laufweite) und Wortzwischenräume, ein großer Zeilendurchschuß und die breiten Ränder des Satzspiegels sorgten für die regelmäßige Grauwirkung eines lichten, harmonischen Satzbildes, das insgesamt dem ästhetischen Ideal des klassizistischen Stils entsprach. Voll begeisterter Emphase schrieb Wieland 1793 in einem Brief an Göschen über den Probedruck der Prillwitz-Antiqua für die Ausgabe seiner Werke: » Ich kann mich nicht genug an der Schönheit dieser Lettern ergötzen! Eine jede ist in ihrer Art eine Mediceische Venus. Lachen Sie nicht über die anscheinende Hyperbole! Es ist etwas Wahres an dieser seltsam tönenden Behauptung; ich wenigstens kann mir keine schöneren Schriftzeichen denken als diese, und ich habe doch auch eine Imaginazion ... «

Nach Göschens Tod am 5. April 1828 in Grimma bei Leipzig wurde das Unternehmen wurde von seinen Söhnen weitergeführt, später jedoch u.a. von der Buchhandlung Cotta in Stuttgart übernommen.


[1] Damals: Kurfürstentum Sachsen, Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (962–1806).

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 05.11.2008
von
Wolfgang Beinert




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Quelle: © Wolfgang Beinert, Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie
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