Gemeine

Umgangssprachlicher Begriff aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer und Drucker von Offizinen und Zeitungsdruckereien aus der Periode des materiellen Schriftsatzes (Bleisatz) für die Kleinbuchstaben einer physischen Druckschrift, beispielsweise aus einer Blei-Zinn-Antimon-Legierung (Bleilettern); Minuskeln.

Die Bezeichnung »Gemeine« wurde nur im Plural – überwiegend im betrieblichen Umfeld einer Druckerei, selten in der typographischen Lehrliteratur – benutzt. Semantisch bezieht sich der Begriff »Gemeine« auf »gemeinen Buchstaben« für »kleine Buchstaben«, wobei »gemein« für »gewöhnlich, häufig vorkommend, verbreitet, einfach, normal, klein oder nieder« steht.

Unter »Gemeiner Zeichenvorrat« oder »Gemeiner Typenvorrat« verstand ein Handschriftsetzer die Anzahl der Kleinbuchstaben innerhalb der verwendeten Brotschrift, welche ihm bis zur Beendigung seiner Schriftsatzarbeit noch zur Verfügung stand, unter »Gemeine Ziffern« die »Mediävalziffern«, unter »Gemeiner Satz« den »Minuskelsatz« und unter »Gemeine Ligatur« die »Minuskelligatur«. 

In kleinen Druckereien war der gemeine Zeichenvorrat in der Regel oft sehr begrenzt (Finanzielle Ressourcen, Ausschuss, Stehsatz etc.). Dies ist u.a. einer der Gründe dafür, weshalb unverhältnismäßig viel abgekürzt wurde.

Der korrekte typographische Terminus für »Gemeine« lautet »Minuskeln« oder »Kleinbuchstaben«. 

Weitere Informationen zu Kleinbuchstaben siehe Minuskel.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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