Geviert

Relative Maßeinheit, die in der Typographie heute primär zur Bemessung von Abständen (z.B. Wortzwischenräume) und waagrechten Strichen (z.B. Geviertstriche) sowie als Maß für das Kerning, die Schriftlaufweite und den Optischen Schriftweitenausgleich (OSW) verwendet wird. Im Web Publishing u.a. auch als Einheit (em) für die relative Größe einer Schrift gebräuchlich.

Der Begriff »Geviert« ist ein geometrischer Terminus aus der Mathematik des 16. Jahrhunderts, der für »Rechteck«, »Quadrat« oder »Viereck« gebräuchlich war. Etymologisch rührt der Begriff von »vierfach, in vier Teile geteilt, viereckig, quadratisch« zu ahd. »gifiorōt« für lat. »quadrātus« zu mhd. »gevier(e)t« zu mhd. »vieren, zu je vieren sich verbinden, vervierfachen, unter vier teilen, viereckig machen«. 

In der Typographie ist damit ausschließlich die Bezugsgröße innerhalb eines »quadratischen Raums« gemeint, also innerhalb eines Vierecks mit vier rechten Winkeln und vier gleichen Seiten.

Ein Geviert ergibt sich beispielsweise aus dem Schriftgrad eines Buchstabens, der von der Höhe auf die Breite »umgelegt« wird, wobei natürlich ausschlaggebend ist, welches Verfahren für das Messen eines Schriftgrades angewendet wird (Majuskelhöhe oder hp-Vertikalhöhe mit oder ohne Fleisch?). In der Typographie ist mit Geviert also eine relative Bezugsgröße innerhalb eines »quadratischen Raums« gemeint. Ein Geviert entspricht rechnerisch der Seitenlänge eines Quadrats, also »Schriftgrad a von A nach D ist gleich Geviert a von A nach B«.
Ein Geviert ergibt sich beispielsweise aus dem Schriftgrad eines Buchstabens, der von der Höhe auf die Breite »umgelegt« wird, wobei natürlich ausschlaggebend ist, welches Verfahren für das Messen eines Schriftgrades angewendet wird (Majuskelhöhe oder hp-Vertikalhöhe mit oder ohne Fleisch?). In der Typographie ist mit Geviert also eine relative Bezugsgröße innerhalb eines »quadratischen Raums« gemeint. Ein Geviert entspricht rechnerisch der Seitenlänge eines Quadrats, also »Schriftgrad a von A nach D ist gleich Geviert a von A nach B«.

Ein Geviert ergibt sich beispielsweise aus der Höhe eines Buchstabens, eines Satzzeichens oder einer Arabischen Ziffer, also dem Schriftgrad, der von der Höhe auf die Breite »umgelegt« wird, wobei ausschlaggebend ist, welches Verfahren für das Messen eines Schriftgrades angewendet wird. (»Schriftgrad-Geviert-Problematik« siehe Schriftgrad). Das Geviert gleicht also rechnerisch der Seitenlänge eines Quadrats, also a von A nach D ist gleich a von A nach B.

Geviert im Bleisatz

Im materiellen Schriftsatz (z.B. Bleisatz) wurde insbesondere das Blindmataterial 1 ) in ganzen und geteilten Gevierten (z.B. Halbgeviert) gemessen, welche dann ab dem 18. Jahrhundert auf den Typographischen Punkt abgestimmt und vereinheitlicht wurden. Ein Geviert glich also einem quadratischen Stück Blindmaterial, meist aus einer Metallegierung, das der jeweiligen »Kegelgröße« entsprach, was aber – verwirrender Weise – sich nicht mit der eigentlichen Schriftbildgröße deckte.

Allerdings waren im Bleisatz die Abstufungen der Gevierte einheitlich geregelt, so dass alle Gevierte zwar nicht in der Schriftbildgröße aber in der Stempelgröße identisch vorhanden waren.

Geviert im Fotosatz

Die bewährte Praxis, Abstände und Strichlängen in Gevierten zu messen, wurde vom optomechanischen Lichtsatz (Fotosatz) – technisch bedingt in etwas abgewandelter Form – übernommen. 

So wurde ein Geviert – je nach Fotosatzsystem – in der Breite, unabhängig von seiner Größe – in Einheiten aufgeteilt. Beispielsweise bei der »Diatronic«, einer Fotosetzmaschine der Hermann Berthold AG, in 48 Einheiten, wobei sich beispielsweise bei einem Geviert von 1 mm Breite eine Einheit von 1/48 mm ergab, was 0,02083 mm entspricht, oder bei einem Geviert von 3 mm Breite eine Einheit von 3/48 mm, was widerum 1/16 mm entsprach. 2 ) 

Geviert im DTP Desktop Publishing

Vom DTP Desktop Publishing wurde das Geviertsystem ebenfalls (inklusive der »Schriftgrad-Geviert-Problematik«) übernommen, wobei die Geviertsysteme von Desktop Publishing Computerprogrammen, beispielsweise InDesign® von Adobe® (1000er Einheit) oder QuarkXpress® von Quark® (200er Einheit), voneinander abweichen und – im Gegensatz zum Bleisatz – keine zuverlässigen Bezugsgrößen und einheitlichen Abstufungen bieten. 

Beispielsweise wird in Adobe InDesign® CC 2017 die Schriftlaufweite sowie das manuelle Kerning in 1/1000 Geviert gemessen, einer Maßeinheit relativ zum aktuellen Schriftgrad. Schriftlaufweite und manuelles Kerning verhalten sich also proportional zum aktuellen Schriftgrad. Z.B. beträgt bei einem Schriftgrad von 8 DTP-Punkten ein Geviert 8 DTP-Punkte, folglich beträgt bei einem Schriftgrad von 12 DTP-Punkten ein Geviert 12 DTP-Punkte. 3 ) 4 )

Schriftgrade in der digitalen Typographie sind grundsätzlich relativ, da keine einheitlichen metrologische Bemessungsgrundlagen existieren, um Schriftgrade systematisch zu ermitteln, einheitlich zu bemessen und auf unterschiedlichen Trägermaterialien zu vergleichen. Beispiel: Eine »Minion Pro« von Robert Slimbach, eine »Arial« von Robin Nicholas und Patricia Saunders sowie eine »Zapfino« von Hermann Zapf (1918—2015), gesetzt in Adobe InDesign® CC (2017) im Originalmaßstab (1:1) in der jeweils gleichen Schriftgröße von 20 mm. Die Schriftgrade weichen sowohl optisch als auch rechnerisch erheblich voneinander ab. Eine Bemessungsgrundlage für den Schriftgrad der Open Type Fonts erschließt sich nicht. Somit stellt sich auch die Frage: Wie groß ist dann eigentlich ein Geviert?
Schriftgrade in der digitalen Typographie sind grundsätzlich relativ, da keine einheitlichen metrologische Bemessungsgrundlagen existieren, um Schriftgrade systematisch zu ermitteln, einheitlich zu bemessen und auf unterschiedlichen Trägermaterialien zu vergleichen. Beispiel: Eine »Minion Pro« von Robert Slimbach, eine »Arial« von Robin Nicholas und Patricia Saunders sowie eine »Zapfino« von Hermann Zapf (1918—2015), gesetzt in Adobe InDesign® CC (2017) im Originalmaßstab (1:1) in der jeweils gleichen Schriftgröße von 20 mm. Die Schriftgrade weichen sowohl optisch als auch rechnerisch erheblich voneinander ab. Eine Bemessungsgrundlage für den Schriftgrad der Open Type Fonts erschließt sich nicht. Somit stellt sich auch die Frage: Wie groß ist dann eigentlich ein Geviert?

Allerdings konnte bis heute bei keinem Schriftsatzprogramm die »Schriftgrad-Geviert-Problematik« eliminiert werden, da Schriftgrade grundsätzlich im Sinne der Metrologie und der Typometrie nicht einheitlich gemessen werden können. Ein Geviert ist im DTP Desktop Publishing also im doppelten Sinne ein relatives Maß.

Geviert im Web Publishing

Im Web Publishing wird die relative Maßeinheit Geviert (em) zur Bestimmung von »geerbten« Schriftgrößen (font-size), Zeilenabständen (line-height), Zeichenabständen (letter-spacing), Wortabständen (word-spacing) und Abständen (z.B. margin-left) in Abhängigkeit von der Größe des jeweiligen Elternelements verwendet, wobei »1em« hundert Prozent der geerbten Größe entspricht. 5 ) »1em« entspricht also der Größe des Elements, auf das eine Eigenschaft mit einem em-Wert angewendet wird. Wird der Schriftgrad selbst in »em« festgelegt, bezieht sich die Einheit auf die Schriftgröße des Elternelements. 

Das W3C World Wide Web Consortium empfiehlt auf seiner Website www.w3.org ausdrücklich neben Pixel (px) und Prozent (%) »em« als bevorzugte Maßeinheit für Schriftgrößen in CSS Cascading Style Sheets für den Screen, jedoch nicht für Print-CSS Cascading Style Sheets. 6 )

Auch wenn die relative Größenangabe in Geviert für mobile Geräte und dynamische Layouts besser geeignet scheint als absolute Maßangaben (z.B. pt), bleibt »em« im Ergebnis dennoch extrem ungenau. Denn neben der erwähnten »Schriftgrad-Geviert-Problematik« spielen erschwerend noch unterschiedliche Hard- und Soft Kills (z.B. Browser-Kompatibilität, Qualität des Fonts) eine entscheidende Rolle bei der Darstellung auf einem End- oder Peripheriegerät. 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmerkung: Im materiellen Schriftsatz (z.B. Bleisatz) gehören z.B. die Wortzwischenräume, die Einzüge und der ZAB zum sogenannten nichtdruckenden, nicht schrifthohen Blindmaterial, das je nach Verwendungszweck und Größe als Ausschluss, Quadrat(e), Stückduchschuss, Durchschuss oder Stege bezeichnet wird. Ausschluss wird für WZ verwendet, Quadrate zum Auffüllen von Ausgangszeilen oder als Leerraum zwischen den Linien bei Schrifttabellen, Durchschuss für den Zeilenabstand, Spatien zum Spationieren, Stückdruchschuss als Ergänzung zur Erreichung bestimmter Druchschusslängen und Stege zum Ausfüllen größerer Leerflächen.
2.Quelle und Literaturempfehlung: Bosshard, Hans Rudolf: Technische Grundlagen zur Satzherstellung, Bildungsverband Schweizer Typografen, Bern, 1980, ISBN: 3855840105 und 3-85584-010-5.
3.Quelle: Adobe® Community Help, InDesign®, Kerning und Laufweite. Verfügbar unter https://helpx.adobe.com/de/indesign/using/kerning-tracking.html (21.12.2016).
4.Anmerkung: Um in InDesign® Leerräume in Zeilen einzufügen, hat Adobe® vom ursprünglichen Geviertsystem die Einheiten Eingeviert, Halbgeviert, 1/24-Geviert, Sechstelgeviert, Achtelgeviert, Viertelgeviert und Drittelgeviert übernommen.
5.Anmerkung: In der Webmasterszene hält sich hartnäckig die Mär, dass ein »em« der Dickte der Majuskel »M« gleicht. Das ist natürlich völliger Nonsens.
6.Anmerkung: CSS Cascading Style Sheets ist ein weltweiter Standard des W3C (World Wide Web Consortium). Informationen über die die Empfehlungen zum Geviert in »Web Style Sheets, CSS, Tips & Tricks« verfügbar unter https://www.w3.org/Style/Examples/007/units.de.html (22.12.2016).