Glyphe

In der Typo­gra­phie bezeich­net »Gly­phe« die gra­fi­sche Dar­stel­lung eines Sil­ben­zei­chens, seg­men­ta­len, sym­bo­li­schen, iko­ni­schen oder ind­e­xi­ka­li­schen Schrift­zei­chens in Form eines Buch­sta­bens, Satz­zei­chens, Son­der­zei­chens, einer Ara­bi­schen Zif­fer oder einer Liga­tur, also eine kon­kre­te gra­fi­sche oder typo­me­tri­sche Dar­stel­lung eines Zei­chens bzw. Schrift­zei­chens inner­halb eines Schrift­sys­tems. 

Ety­mo­lo­gi­sch aus dem alt­gr. »gly­phein« für »ein­gra­ben, ein­schnei­den« mit der Bedeu­tung »Ver­tie­fung« oder »mit dem Mei­ßel oder Sti­chel in Stein ein­ge­bra­be­nes Zei­chen zu »gly­phḗ« für »Ein­ge­ritz­tes«.

Glyphenvarianten der Minuskel a. Beispiel gesetzt in der Zapfino One, Two und Three, einer digitalisierten Schreibschrift (Zierschrift) von Hermann Zapf (*1918) aus der Linotype Schriftbibliothek. Infografik: www.typolexikon.de
Gly­phen­va­ri­an­ten der Minus­kel a. Bei­spiel gesetzt in der Zap­fi­no One, Two und Three, einer digi­ta­li­sier­ten Schreib­schrift (Zier­s­chrift) von Her­mann Zapf (*1918–2015) aus der Lino­ty­pe Schrift­bi­blio­thek.

Ver­schie­de­nen Gestal­tungs­va­ri­an­ten eines Buch­sta­bens, Satz­zei­chens, Son­der­zei­chen, einer Zif­fer oder Liga­tur inner­halb eines Schrift­stils bzw. Schrift­schnitts wer­den als Gly­phen­va­ri­an­ten bezeich­net. 1 )

In der latei­ni­schen Schrift­kul­tur sind Gly­phen­va­ri­an­ten eine geschmäck­le­ri­sche Kom­po­nen­te, im ara­bi­schen und asia­ti­schen Kul­tur­raum sind sie oft not­wen­dig, weil sich hier das Aus­se­hen eines Buch­sta­bens mit sei­ner Posi­ti­on inner­halb eines Wor­tes oder Sat­zes ändern kann.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

Share / Bei­trag tei­len:

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Ursprüng­li­ch wur­den in der deut­schen Typo­gra­phie bis ca.  Ende der 1970er Jah­re unter dem Begriff »Gly­phe« aus­schließ­li­ch nur ein bedeu­tungs­glei­cher Buch­sta­be inner­halb eines Schrift­schnitts mit glei­cher Kegel­hö­he ver­stan­den.