Göschen, Georg Joachim

Deutscher Typograph, Verleger und Buchdrucker. Geboren am 22. April 1752 in der Hansestadt Bremen. Ab 1767 Beginn einer Lehre als Buchhändler in Bremen. 1770 Buchhandlungsgeselle bei dem Buchhändler und Verleger Siegfried Leberecht Crusius (1738–1824) in Leipzig.

Im Anschluss war Georg Joachim Göschen dann zunächst als Faktor in der sogenannten Gelehrtenbuchhandlung in Dessau tätig, bis er im März 1785 in Leipzig sein eigenes Unternehmen gründete, das durch seine freundschaftlichen Verbindungen mit den damals berühmtesten deutschen Schriftstellern (Goethe, Schiller, Wieland, Klopstock, Jünger, Iffland, Stolberg, Böttiger, Seume, Woltmann, Apel, Laun, Müllner, Houwald u.a.) rasch zu einer der angesehensten Verlagsbuchhandlungen Europas wurde. Mit Johann Wolfgang von Goethe (1747–1832) nahm Göschen schon 1786 Kontakt auf und druckte zwischen 1787 und 1790 die Erstausgabe von dessen »Gesammelten Schriften« in acht Bänden. 1787 begannen die Beziehungen zu Christoph Martin Wieland (1733–1813). 1788 heiratet er Johanna Henriette Heun (1765-1850).

Der deutsche Typograph, Verleger und Buchdrucker Georg Joachim Göschen (1752–1828) um 1854. Abbildung: Lithographie der Lithographischen Kunstanstalt J.G. Bach in Leipzig nach einer Zeichnung von Samuel Gränicher (Kunstmaler und Kupferstecher, 1758–1813).
Der deutsche Typograph, Verleger und Buchdrucker Georg Joachim Göschen (1752–1828) um 1854. Abbildung: Lithographie der Lithographischen Kunstanstalt J.G. Bach in Leipzig nach einer Zeichnung von Samuel Gränicher (Kunstmaler und Kupferstecher, 1758–1813).

Zum Druck der Prachtausgabe der Werke von Wieland in 36 Bänden gründete Göschen eine eigene Offizin, die 1797 nach Grimma bei Leipzig verlegt wurde, wo er zugleich das Landgut Hohenstädt kaufte. 1823 wurde auch die Leipziger Buchhandlung nach Grimma verlegt. 1 )

Um 1800 war Georg Joachim Göschen maßgeblicher Initiator einer deutschen Typographie-Ästhetik nach der Maxime, dass »… die äußere Form dem inneren Werth des Werkes entspricht«, unter Berufung auf »Harmonie, Schönheit und Geschmack« als hochstilisierte Leitmotive der klassischen Literatur der Goethezeit. Göschens legendäre Quart-Ausgabe von Christoph Martin Wielands »Sämmtlichen Werken« in 36 Bänden, gedruckt zwischen 1794 und 1802, gilt als das erste Meisterwerk klassizistischer Buchtypographie in Deutschland, das in den 1790 von Johann Carl Ludwig Prillwitz (1758–1810) nachgeschnittenen Lettern der französischen Klassizistischen Antiqua von Firmin Didot typographisch gestaltet wurde. Die Napoleonischen Kriege allerdings machten eine »Rückanpassung« an die traditionellen Lesegewohnheiten des deutschen Bildungsbürgertums erforderlich, und so druckte Göschen eine Vielzahl seiner Antiqua-Editionen auch in parallelen Fraktur-Ausgaben.

Zur Realisierung seiner makrotypographischen und mikrotypographischen höchst anspruchsvollen Formvorstellungen von einer ebenmäßigen, sogenannten »splendiden Satzweise« führte Göschen auch die dazugehörige Drucktechnologie ein: der Einsatz von Stegen und Pressen aus Metall anstelle von Holz gewährleistete das konsequente Halten der Schriftlinie, den exakten Axialsatz des Titelblatts und den gleichmäßigen Farbabdruck; ein optimiertes Schriftgußverfahren ermöglichte die präzisen und langgezogenen Haarstriche der neuen Schriftschnitte; sorgfältigst ausgeschlossene Buchstaben– (Laufweite) und Wortzwischenräume, ein großer Zeilendurchschuß und die breiten Ränder des Satzspiegels sorgten für die regelmäßige Grauwirkung eines lichten, harmonischen Satzbildes, das insgesamt dem ästhetischen Ideal des klassizistischen Stils entsprach. Voll begeisterter Emphase schrieb Wieland 1793 in einem Brief an Göschen über den Probedruck der Prillwitz-Antiqua für die Ausgabe seiner Werke: »Ich kann mich nicht genug an der Schönheit dieser Lettern ergötzen! Eine jede ist in ihrer Art eine Mediceische Venus. Lachen Sie nicht über die anscheinende Hyperbole! Es ist etwas Wahres an dieser seltsam tönenden Behauptung; ich wenigstens kann mir keine schöneren Schriftzeichen denken als diese, und ich habe doch auch eine Imaginazion …«

Nach Göschens Tod am 5. April 1828 in Grimma bei Leipzig wurde das Unternehmen von seinen Söhnen Carl Friedrich und Hermann Julius weitergeführt, später jedoch u.a. von der Buchhandlung Cotta in Stuttgart übernommen.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Share / Beitrag teilen:

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Museumsempfehlung: Museum Göschenhaus, Seume Gedenkstätte, Schillerstraße 25, 04683 Grimma, www.goeschenhaus.de.