Haupttitel

Typographischer Terminus für die Seite drei (# 3 Recto) eines Buches oder einer buchähnlichen Publikation (z.B. Geschäftsbericht) mit den bibliographischen Angaben. Der Haupttitel gehört zur Titelei, die dem eigentlichen (Buch)Inhalt vorangestellt wird.

Bereits die Prototypographen widmeten dem Haupttitel eines Werkes besondere Aufmerksamkeit, um dem hohen handwerklichen Status Quo der Kalligraphie ansatzweise gerecht werden zu können. So wurden beispielsweise die Haupttitel in Inkunabeln auch von Illuminatoren und Rubrikatoren kunstvoll gestaltet und verziert.

Traditionell hebt sich seitdem der Haupttitel bis heute deutlich in seiner makrotypographischen Gestaltung von der übrigen Titelei und dem Inhalt ab.

Das typographische Lehrbuch »Manuel Typographique« von Pierre Simon Fournier, Erstausgabe, zweiter Band, Frontispiz und Haupttitel, Updike Drucktypen, Paris 1764-1766. Quelle: Privatbesitz. Online verfügbar bei der Gallica, der digitalen Bibliothek der Nationalbibliothek von Frankreich, unter http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k1070584h (3.10.2016). Quelle: www.typolexikon.de
Das typographische Lehrbuch »Manuel Typographique« von Pierre Simon Fournier, Erstausgabe, zweiter Band, Frontispiz und Haupttitel, Updike Drucktypen, Paris 1764-1766. Quelle: Privatbesitz. Online verfügbar bei der Gallica, der digitalen Bibliothek der Nationalbibliothek von Frankreich, unter http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k1070584h (3.10.2016).

Der deutsche Buchtypograph Albert Kapr (1918–1995) sinnierte über den Haupttitel eines Buches: 1 )

»Der Haupttitel hat die repräsentative Funktion des Tores zum Text. Gleichzeitig muss er eindeutige bibliographische Angaben vermitteln (…) Der Haupttitel bietet dem Typographen mehr als jeder andere Teil des Buches Gelegenheit, seine Phantasie und Gestaltungskraft zu zeigen (…) Die Titelseite verdient besondere Sorgfalt, sie steht für die Qualität des ganzen Buches.«

Der Schweizer Grafikdesigner und Buchtypograph Jost Hochuli (*1933) 2 ) beschreibt den Stellenwert eines Haupttitels so:

»Im Inneren eines Buches kann man sich, wenn die Gestaltungskraft versagt, an bewährte Regeln halten und so einem Text trotzdem eine anständige Form geben; für die Titelseite jedoch gilt lediglich die Forderung, dass sie sich den Gestaltungsprinzipien des ganzen Buches zu unterziehen habe.«

Inhalt

In der Buchgestaltung enthält ein Haupttitel 3 ) die wesentlichen bibliographischen Angaben eines Buches, die dann auch für die Titelaufnahme in bibliothekarischen und buchhändlerischen Katalogen verbindlich sind. 4 ) Nachfolgende Inhalte und Gestaltungselemente sind in unterschiedlichen Kombinationen möglich:

  • Titel des Buches
  • Untertitel
  • Reihentitel
  • Vorname, Familienname und ggf. akademischer Titel des Verfassers
  • Vorname, Familienname und ggf. akademischer Titel des Übersetzers
  • Illustration (z.B. Alinea oder Einfassung)
  • Herausgeber
  • Verlag
  • Verlagsort 5 )
  • Erscheinungsjahr 6 )

Gestaltung

Ein Haupttitel wird in der Regel innerhalb eines Buchsatzspiegels bzw. Gestaltungsrasters und wenn möglich registerhaltig gesetzt. Er kann klassisch oder modern, im Axialsatz oder im anaxialen Flattersatz, mit und ohne Schriftmischungen, in gemischter Schreibweise oder Majuskelsatz bzw. Kapitälchen, mit oder ohne illustrativen Elementen und in unterschiedlichen Schriftgraden gestaltet werden. Die Möglichkeiten sind hier nahezu unbegrenzt. Allerdings sollte der Haupttitel immer auf die Dramaturgie der Titelei abgestimmt werden.

Beispiel eines Haupttitels eines Romans von Haruki Murakami (*1949). Der gegenüberliegende Frontispiz ist in diesem Fall ein Vakat (Leerseite). Bildzitat aus Haruki Murakami: Von Männern, die keine Frauen haben, DuMont Buchverlag, 2014. © Signet by DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG, Köln.
Beispiel eines Haupttitels eines Romans von Haruki Murakami (*1949). Der gegenüberliegende Frontispiz ist in diesem Fall ein Vakat (Leerseite). Bildzitat aus Haruki Murakami: Von Männern, die keine Frauen haben, DuMont Buchverlag, 2014. © Signet by DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG, Köln.

Da der Haupttitel eine besondere repräsentative Aufgabe hat, beziehen ambitionierte Buchgestalter/innen die Seite des Frontispiz in die Gestaltung des Haupttitels mit ein bzw. stimmen diese beiden Titeleiseiten minutiös aufeinander ab. 

Beispiel eines Haupttitels eines typographischen Fachbuchs von Hermann Zapf (1918—2015). Der Frontispiz (linke Seite) ist auf die Gestaltung des Haupttitels abgestimmt. Wobei der Haupttitel mit den bibliographischen Angaben grundsätzlich immer rechts steht. Bildzitat aus ABC-XYZapf, Fünfzig Jahre Alphabet Design, Bund Deutscher Buchkünstler, Offenbach, The Wynkyn de Worde Society, London, 1989.
Beispiel eines Haupttitels eines typographischen Fachbuchs von Hermann Zapf (1918—2015). Der Frontispiz (linke Seite) ist auf die Gestaltung des Haupttitels abgestimmt. Wobei der Haupttitel mit den bibliographischen Angaben grundsätzlich immer rechts steht. Bildzitat aus ABC-XYZapf, Fünfzig Jahre Alphabet Design, Bund Deutscher Buchkünstler, Offenbach, The Wynkyn de Worde Society, London, 1989.

Paginierung

In der Buchtypographie ist ein Haupttitel immer die dritte (rechte) Innenseite, also die dritte Seite (# 3 Recto) eines Buches bzw. einer buchähnlichen Publikation. Der Haupttitel befindet sich zwischen dem Frontispiz und dem Impressum, das dem Haupttitel auf der Rückseite (# 4 Verso) folgt.

Die »Titelei« ist die Gesamtheit der Seiten mit den Titelangaben eines Buches oder einer buchähnlichen Publikation, die dem eigentlichen Inhalt vorangestellt wird, also die »Seiten vor dem Inhalt«. In diesem Beispiel von Recto 1 (Schmutztitel) bis zu Verso 8 (Vakat vor dem Vorwort). Inwieweit ein Vorwort noch zur Titelei gehört oder ob ein Inhaltsverzeichnis (Inhalt) paginiert wird, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Mehrheitlich gilt die Lehrmeinung: Eine Titelei wird nicht paginiert. In diesem Beispiel beginnt die Pagina auf Recto 9 (Vorwort).
Die »Titelei« ist die Gesamtheit der Seiten mit den Titelangaben eines Buches oder einer buchähnlichen Publikation, die dem eigentlichen Inhalt vorangestellt wird, also die »Seiten vor dem Inhalt«. In diesem Beispiel von Recto 1 (Schmutztitel) bis zu Verso 8 (Vakat vor dem Vorwort). Inwieweit ein Vorwort noch zur Titelei gehört oder ob ein Inhaltsverzeichnis (Inhalt) paginiert wird, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Mehrheitlich gilt die Lehrmeinung: Eine Titelei wird nicht paginiert. In diesem Beispiel beginnt die Pagina auf Recto 9 (Vorwort).

Der Haupttitel ist zwar rechnerisch die Seite # 3 eines Buches, wird aber nicht mit einer Pagina (Seitenzahl) bzw. einem Kolumnentitel versehen, da diese eine Titeleiseite ist und die eigentliche Paginierung erst mit dem Inhalt erfolgt (Nummerierung der Seiten siehe Pagina).

Der Haupttitel befindet sich bei gewerblichen Hauptdruckverfahren auf dem ersten Druckbogen (Rohbogen) oder einem separaten Titelbogen (siehe Titelei).

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

Share / Beitrag teilen:
></div><div class=

Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Quelle und Literaturempfehlung: Kapr, Albert: Hundertundein Sätze zur Buchgestaltung, Deutsche Bücherei Leipzig, 1974, aus den Lehrsätzen 59, 60 und 63 auf Seite 27 und 28.
2.Quelle und Literaturempfehlung: Hochuli, Jost: Bücher machen. Eine Einführung in die Buchgestaltung, im besonderen in die Buchtypografie, Agfa Compugraphic by Agfa Corporation, Wilmington (Mass.), USA, 1989, Seite 54.
3.Anmerkung: Für »Haupttitel« wird sehr selten auch das irreführende Synonym »Innentitel« verwendet, beispielsweise von Hans Peter Willberg. Diese Bezeichnung sollte besser vermieden werden. Quelle und Literaturempfehlung: Willberg, Hans Peter und Friedrich Forssman: Lesetypografie, Verlag Hermann Schmidt, Mainz, ISBN 978-3-87439-800-8, Seite 316.
4.Anmerkung: Der Buchtitel und der Haupttitel eines Buches  sind unterschiedliche Bezeichnungen. Der Buchtitel ist wortwörtlich zu nehmen, der Haupttitel eines Buches ist jedoch wie oben beschrieben die Titeleiseite 3 (# 3 Recto).
5, 6.Anmerkung: Verlagsort und Erscheinungsjahr können auch auf der Rückseite im Impressum stehen.