Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Initiale
Initial

Typographischer Terminus für einen ausgeschmückten Buchstaben, meist in der Form einer Majuskel, der am Anfang eines Buchkapitels oder am Beginn eines Absatzes steht; Schmuckbuchstabe; Ziermajuskel. Etymologisch von lat. »initialis« für »anfänglich, am Anfang stehend« zu »initium« für »Anfang«. Eine Initiale kann sich größenmäßig über mehrere Zeilen erstrecken bzw. ihr Schriftgrad kann um das Vielfache größer sein als der der Grundschrift. In mittelalterlichen Handschriften besaßen Initialen oft sogar die Größe einer Seite.

Die Initiale entwickelte sich im späten 7. Jahrhundert aus der Buchstabenmalerei in Handschriften und insbesondere aus dem Versal des 9. Jahrhunderts. Ab 1450 adaptierten die deutschen Prototypographen Johannes Gutenberg und Petrus Schoeffer die kalligraphische Initiale der Spätgotik für die Typographie. Allerdings konnten in der Inkunabelzeit die reich ornamentierten Initialen nur händisch von Kalligraphen und Illuminatoren »ausgezeichnet« werden.

Deutschland verfügte bis in die 1940er Jahre aufgrund seiner jahrhundertalten Gebrochenen Schriftkultur über eine reichhaltige Tradition im Entwurf und Gebrauch von Initialen. Bereits 1525 erschien Albrecht Dürers »Underweysung der messung mit dem zirckel un richtscheyt in Linien, ebenen und gantzen corporen, durch Albrecht Dürer zusammen getzogen und zu nutz allen kunstliebhabenden mit zugehörigen figuren in truck gebracht im jar MDXXV«. Den dritten Teil seiner typometrischen Summa widmete er überwiegend der Konstruktion von Initialen der erstmals 1517 gedruckten Fraktur. Bis ins 20. Jahrhundert gehörte es zum Standardrepertoire eines Schriftgestalters, Frakturmajuskeln auch für Werksatzschriften kunstvoll mit Elefantenrüsseln zu verzieren und die Garnituren mit passenden Initialen auszustatten, welche oft sogar über mehrere Glyphen verfügten.

Im 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren in ganz Westeuropa Initialen insbesondere in Akzidenzdrucksachen sehr beliebt. Vor allem Verlagshäuser und Druckereien, deren typographische Kultur sich mehrheitlich am kitschig banalisierten Kunsthandwerk aus Historismus und Jugendstil orientierte, brachte eine babylonische Vielzahl von Initialen hervor. Heute werden Initialen in der Buchtypographie nur noch sehr sparsam eingesetzt.

[T] Seit dem Mittelalter wurden auch serifenlose (
Grotesk) Majuskeln im west- und oströmischen Reich in Kodizes, Sakramentaren und Brevieren als Initialen verwendet.
[L] J.J.G. Alexander: Initialen aus großen Handschriften, München 1978, Prestel Verlag, ISBN 3791304402


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 05.11.2008
von
Wolfgang Beinert

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