Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Inkunabeln

Paläographischer und typographischer Terminus für »Wiegendrucke«. Etymologisch lat. »incunabula« für »Wiege, Windeln«. Buchdrucke aus der Zeit von Johannes Gutenbergs (um 1400–1468) frühesten Straßburger Experimenten um 1438 bis 1500, als das eigentliche Druckerhandwerk sozusagen noch »in der Wiege« lag (Schriftgeschichte).

Die Inkunabeln mit ihren charakteristischen, reich ornamentierten Initialen haben in der Regel weder Titelblatt noch
Impressum; die üblichen bibliographischen Angaben sind in den »Incipit« genannten Einleitungssatz oder in das abschließende »Kolophon« des Textes eingefügt. Die meistverwendeten Schriftarten sind Antiqua oder Fraktur, deren kursive Formen und Ligaturen noch deutliche Ähnlichkeiten zur hier fortwirkenden Praxis der mittelalterlichen Handschriften aufweisen. Namhafte deutsche Inkunabeldrucker (Wiegedrucker) zwischen 1440 und 1500 sind Johannes Gutenberg in Mainz, Albrecht Pfisterer in Bamberg, Anton Koburger in Nürnberg, Günther Zainer in Augsburg und Johannes Mentelin in Straßburg (Prototypographen). Als eine der schönsten und wertvollsten Inkunabeln gilt neben der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel in lateinischer Sprache (1452–1454, geschätzte Auflage 180 Stück, davon ungefähr 30 Exemplare auf Pergament) die Schedel’sche Weltchronik von 1493.

Das in den Jahren 1826 bis 1838 erstellte »Repertorium bibliographicum« von Ludwig Hain ist ein erstes relevantes, wenn auch unvollständiges Verzeichnis von 16.299 Inkunabeln; erst seit 1998 liegt der von Konrad Haebler redigierte »Gesamtkatalog der Wiegendrucke« vor. Die mit fast 28.000 Titeln weltgrößte Inkunabelkollektion besitzt das British Museum in London; Deutschlands umfangreichste Wiegendruck-Sammlung (16.785 Exemplare bei 9.573 Titeln) befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, das etwa 45.000 Inkunabeln (Titel) mit einer durchschnittlichen Auflage von 400 bis 500 Stück gedruckt worden sind.

[T] Bayerische Staatsbibliothek, Ludwigstraße 16, 80539 München.
[L] Otto Mazal: Paläographie und Paläotypie. Zur Geschichte der Schrift im Zeitalter der Inkunabeln, Verlag Anton Hiersemann, Stuttgart 1984.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 05.11.2008
von
Wolfgang Beinert

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