Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Kapitälchen

Stilvariante einer Schrift; Deutsches Diminutiv zu »Kapitale« in der Bedeutung von Majuskelschrift, analog zur lateinischen »Capitalis«; engl. Caps. Schriftstil, dessen Majuskelalphabet aus Versalien [1] von der Grundlinie (Schriftlinie) zur H-Linie (Versalhöhe)
und dessen Minuskelalphabet aus Kapitälchen von der Grundlinie zur x-Linie besteht (Schriftlinien).

Kapitälchen sind abgeleitet von der Capitalis monumentalis bzw. deren skriptographischer Variante Capitalis quadrata. Das systematische Figurenverzeichnis der Kapitälchen im Dreiliniensystem entwickelte sich nach der Karolingischen Schreibreform im 9. Jahrhundert (
Schriftgeschichte) aus durchgängigen, in sich geschlossenen Majuskelzeilen, deren Anfangsbuchstaben größer bzw. im Sinne der Paläographie als Versal geschrieben wurden. Die Typographie adaptierte diese skriptographische Schreibtechnik. In der Prototypographie konnten diese Ziermajuskeln technisch bedingt nur händisch ausgezeichnet werden. Ab dem 16. Jahrhundert zählte der Kapitälchenschnitt – neben kursiven und fetten Schriftstilvarianten – zu den Auszeichnungsschnitten bzw. Auszeichnungsschriften in der Antiqua-Typographie.

Der Duktus, die Dickte und die Höhe der Kapitälchen orientieren sich in ihren Proportionen an Minuskel. Die Strichstärke, der Wechselschwung und die Serifenformen des Groß- und Kleinbuchstabenalphabets sind in Proportion und Ästhetik aufeinander abgestimmt. Kapitälchen sind im Vergleich zu den Majuskeln in ihrer Gesamtheit etwas kräftiger und breiter konstruiert. Alle Buchstaben,
Ziffern und Sonderzeichen besitzen einen gleich starken Strich.

[1] Verwirrende Begrifflichkeit: Sowohl die Klein- als auch die Großbuchstaben eines Kapitälchenstils sind natürlich Majuskeln. In der Typographie wird aber zur besseren Unterscheidung des Kapitälchenfigurenverzeichnisses eine »große Majuskel« als »Versal« und eine »kleine Majuskel« als »Kapitälchen« bezeichnet. Ein in gemischter Schreibweise (groß/klein) gesetztes Wort besteht somit aus einem Versal und Kapitälchen.
[T] Kapitälchen gibt es auch in kursiven, halbfetten und fetten Stilvarianten sowie als Display-Schriften.
[T] In Expertensätzen, beispielsweise bei der Französische Renaissance-Antiqua Minion (1992) von Robert Slimbach, sind Kapitälchen enthalten.
[T] Kapitälchen sollten – wie Majuskelnzeilen – spationiert werden.
[T] Im Figurenverzeichnis der Kapitälchen befinden sich meist auch Mediävalziffern.
[T] In der Schriftmischung werden Kapitälchen gerne dazu verwendet, um Eigennamen auszuzeichnen.
[T] Die ausschließlich im deutschen Sprachraum geläufige Minuskelligatur »ß« wird ausschließlich durch zwei Kapitälchen, also »SS« dargestellt. Eine gesmischte Schreibweise, beispielsweise »MAßSYSTEM«, ist nicht zulässig. Bei der Konvertierung in Kapitälchen ist darauf zu achen, dass die Minuskelligatur »ß« zweimal händisch durch »SS« ersetzt wird. Ansonsten stimmt die Spationierung zwischen den beiden Buchstaben »S|S« nicht mehr.
[T] Computergenerierte Kapitälchen sind falsche Kapitälchen. Hierbei handelt es sich nur um digital verkleinerte Majuskeln, deren Typometrie willkürlich und unverhältnismäßig ist. Falsche Kapitälchen sind grundsätzlich zu vermeiden.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 05.11.2008
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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