Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Kursiv
Kursiver Schriftstil, kursive Schriftlage

Typographischer Terminus für eine nach rechts geneigte Schriftstilvariante; nach rechts geneigte Schriftlage. Klassifikationsmerkmal einer Schrift; Schriftstil. Auch als »Italic«, »Italique« oder »Cursiva« bezeichnet. Etymologisch aus dem Lateinischen »Cursiva« für »schräg, laufend« zu »fortlaufend«.

In der Frührenaissance vom italienischen Typographen Aldus Manutius d.Ä. (1449/50–1515) und seinem Stempelschneider Francesco Griffo (o.A.–1518) nach Vorlagen skriptographischer Verkehrsschriften, beispielsweise der Scriptura cursiva, abgeleiteter Schriftschnitt, der heute primär für
integrierte bzw. leise Auszeichnungen, beispielsweise Zitate, verwendet wird. Der kursive Schriftstil gehört zu den Auszeichnungsschriften einer Schriftfamilie.

[T] Kursivschriften sind von Schriftgestaltern eigenständig gestaltete Schriftstilvarianten. Computergenerierte Varianten dagegen, ausgehend vom normalen Schriftstil, sind nur rechnerisch erzeugte Versionen. Es fehlt ihnen die notwendige typometrische Ästhetik und Lesbarkeit. Generierte Schriftstile sind grundsätzlich zu vermeiden, da sie vom Original erheblich abweichen.
[T] Längere Textpassagen in einem kursiven Schriftstil sind schwer bzw. langsamer lesbar. Diese Erkenntnis aus der Leseforschung kann allerdings als dramaturgisches Stilmittel (schneller und langsamer Lesen) bei der typographischen Gestaltung eines Textes implementiert werden.
[T] Die Laufweite einer kursiven Textpassage sollte, insbesondere in kleinen Schriftgraden, immer etwas (minimal) – von der Normalschriftweite ausgehend – spationiert werden. Dieser mikrotypographischer Eingriff erhöht die Lesbarkeit spürbar. Faustregel: Je kleiner der Schriftgrad einer kursiven Schrift, desto mehr muss spationiert werden.


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 05.11.2008
von
Wolfgang Beinert

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