Kolumne

Der Begriff Kolumne ist in der Typographie mehrdeutig belegt. Er wird sowohl für die Satzseite eines Buches, für die Satzspalte einer Seite, als auch für eine journalistische Darstellungsform verwendet. 

Etymologisch leitet sich »Kolumne« aus dem mittellateinischen »columna« für »Spalte«, eigentlich »Säule« ab. Im Kontext zu verstehen sind die Begrifflichkeiten Kolumnenbreite, Kolumnenabstand, Kolumnenhöhe, Kolumnensatz, Kolumnenraster, Kolumnentitel, Kolumnenziffer und Kolumnenzwischenräume.

Buchtypographie

Der Terminus stammt ursprünglich aus dem gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer und Drucker von Offizinen aus der Periode des materiellen Handschriftsatzes. Gemeint war damit der »Satz einer Seite« 1 ) bzw. die »Satzseite« eines Buches. 2 ) In der traditionellen Buchgestaltung entspricht die Kolumne dem Satzspiegel einer Buchseite, also der bedruckten Fläche eines Buchsatzspiegels, wobei der Satzspiegel eines Buchsatzspiegels in eine oder mehrere Kolumnen (Satzspalten) unterteilt werden kann.

Beispiel einer einspaltigen Kolumne mit Kolumnentitel nebst Randbemerkungen in einer Inkunabel aus dem Jahre 1482: Erhard Ratdolts »Elementa geometrica: Preclarissimus liber elementorum Euclidis perspicacissimi: in artem geometrie incipit ...« des Euclid (um 326 bis 265 v.Chr.). Quelle: Folger Shakespeare Library, 201 East Capitol Street, SE, Washington, DC 20003, USA.
Beispiel einer einspaltigen Kolumne mit Kolumnentitel nebst Randbemerkungen in einer Inkunabel aus dem Jahre 1482: Erhard Ratdolts »Elementa geometrica: Preclarissimus liber elementorum Euclidis perspicacissimi: in artem geometrie incipit …« des Euclid (um 326 bis 265 v.Chr.). Quelle: Folger Shakespeare Library, 201 East Capitol Street, SE, Washington, DC 20003, USA. Online unter http://luna.folger.edu/luna/servlet/detail/FOLGERCM1~6~6~814031~152762:-Elements–Latin–Preclarissimus-li# [27.2.2017].
Beispiel eines Satzspiegels, unterteilt in zwei Kolumnen, mit Kolumnentitel aus dem Anfang des »Buchs Genesis« (Schöpfungsbericht) einer 42-zeiligen Gutenberg-Bibel aus dem Bestand der Staatsbibliothek Berlin. Quelle: Fol. 5r, Bd. 1 des illuminierten Exemplars der Staatsbibliothek Berlin.
Beispiel eines Satzspiegels, unterteilt in zwei Kolumnen, mit Kolumnentitel aus dem Anfang des »Buchs Genesis« (Schöpfungsbericht) einer 42-zeiligen Gutenberg-Bibel aus dem Bestand der Staatsbibliothek Berlin. Quelle: Fol. 5r, Bd. 1 des illuminierten Exemplars der Staatsbibliothek Berlin.

Zeitungstypographie und DTP Desktop Publishing

In der Zeitungstypographie ab dem frühen 18. Jahrhundert 3 ) und im heutigen DTP Desktop Publishing steht der Begriff Kolumne für eine geschlossene Satzspalte innerhalb eines Gestaltungsrasters. Auch als »Satzspalte«, »Druckspalte« oder »Spaltensatz« bezeichnet. Kurzform »Spalte«.

In der Zeitungstypographie und im DTP Desktop Publishing werden die einzelnen Satzspalten auch als »Kolumnen« bezeichnet. In diesem Falle hat das Nordische Format der SZ sechs Kolumnen. Aber Achtung!: Auch die journalistische Darstellungsform des Streiflichts (»Das Streiflicht«, ersten Spalte, links oben) wird als »Kolumne« bezeichnet. Bildzitat: Süddeutsche Zeitung, München.
In der Zeitungstypographie und im DTP Desktop Publishing werden die einzelnen Satzspalten auch als »Kolumnen« bezeichnet. In diesem Falle hat das Nordische Format der SZ sechs Kolumnen. Aber Achtung!: Auch die journalistische Darstellungsform des Streiflichts (»Das Streiflicht«, ersten Spalte, links oben) wird als »Kolumne« bezeichnet. Bildzitat: Süddeutsche Zeitung, München.

Journalismus

Im Journalismus wird unter Kolumne ein kurzer Meinungsbeitrag verstanden, der sich in der Regel über nicht mehr als eine Satzspalte auf einer Zeitungsseite erstreckt. Zeitungskolumnen erscheinen meist regelmäßig an der gleicher Stelle, oft mit gleichem Titel, so beispielsweise das »Streiflicht« auf der ersten Seite der Süddeutschen Zeitung. Der Autor/in einer regelmäßig erscheinenden Kolumne wird als Kolumnist/in bezeichnet.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Quelle: Renner, Paul: Die Kunst der Typographie, Verlag Frenzel & Engelbrecher, Berlin 1940, Seite 251.
2.Quelle: Bosshard, Hans Rudolf: Technische Grundlagen zur Satzherstellung, Bildungsverband Schweizer Typografen, Bern, 1980, Seite 132, ISBN: 3855840105 und 3–85584-010–5.
3.Anmerkung: Die erste regelmäßige Tageszeitung der Welt – die »Einkommenden Zeitungen« des Typographen, Buchdruckers und Buchhändlers Timotheus Ritzsch (1614–1678) – kam am 1. Juli 1650 in Leipzig (Sachsen) heraus. Sie hatte nur eine Kolumne (Satzspalte).