Konsultationsgrößen

1. Konsultationsgrößen in der Buchtypographie

In der Buch­ty­po­gra­phie wird ein Schrift­grad einer Text­schrift mit oder ohne Seri­fen als »Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ße« bezeich­net, wenn die­ser in einem fes­ten Ver­hält­nis zu sei­ner über­ge­ord­ne­ten Lese­grö­ße (Fließ­text) deut­li­ch klei­ner gesetzt wird. Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen wer­den – im Werk­satz bei­spiels­wei­se – für »Kon­sul­ta­ti­ons­tex­te« genutzt, die nur kur­ze, ergän­zen­de Infor­ma­tio­nen zu einer Pas­sa­ge im Fließ­text bereit­stel­len, bei­spiels­wei­se Fuß­no­ten, Mar­gi­na­li­en oder Legen­den. 

Eine Pas­sa­ge im Fließ­text wird in der Regel mit einer »Kon­sul­ta­ti­on« durch ein »Kon­sul­ta­ti­ons­zei­chen« ver­bun­den, bei­spiels­wei­se mit einem Schrift­zei­chen (z.B. *), einer Ara­bi­schen Zif­fer (z.B. 2), einem römi­schen Zähl­zei­chen (z.B. III) oder einem Buch­sta­ben (z.B. d). In der Buch­ty­po­gra­phie sind Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen eine Typi­fi­ka­ti­on für Schrift­gra­de, die klei­ner als Lese­grö­ßen sind. 

2. Konsultationsgrößen im Grafikdesign und DTP

In der Akzi­denz­ty­po­gra­phie, im Gra­fik­de­si­gn und im DTP Desk­top Publis­hing wird der Ter­mi­nus Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ße pau­schal für cha­rak­te­ris­ti­sch klei­ne Schrift­gra­de ohne kor­re­spon­die­ren­den Lese­grö­ßen ver­wen­det, wie sie bei­spiels­wei­se frü­her in Tele­fon­bü­chern und Wör­ter­bü­chern übli­ch waren und heu­te auf Lebens­mit­te­le­ti­ket­ten, Ver­pa­ckun­gen oder Packungs­bei­la­gen zu fin­den sind. Der Ter­mi­nus wird hier als Syn­onym für Schrift­gra­de unter 3 mm (hp-Ver­ti­kal­hö­he) ver­stan­den.

Ety­mo­lo­gi­sch rührt der Begriff »Kon­sul­ta­ti­on« aus dem latei­ni­schen »con­sul­ta­tio« für »Berat­schla­gung, Befra­gung« zu »con­sul­ta­re« für »berat­schla­gen, befra­gen«.

Die sys­te­ma­ti­sche Zuord­nung von bestimm­ten Schrift­gra­den in Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen stammt aus der tra­di­tio­nel­len Buch- und Zei­tungs­ty­po­gra­phie und ist sys­tem­im­ma­nent. Emp­foh­le­ne Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen besit­zen nur für spe­zi­fi­zier­te Schrift­bild­trä­ger (z.B. Tisch­bü­cher) eine Aus­sa­ge­kraft, die auf ande­re Medi­en nicht über­trag­bar ist. 

Die Eva­lu­ie­rung von Schrift­gra­den gehört sowohl in die Makro­ty­po­gra­phie als auch in die Mikro­ty­po­gra­phie. In der gepfleg­ten Typo­gra­phie wer­den im best­mög­li­chen Fal­le für Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen spe­zi­el­le »Kon­sul­ta­ti­ons­schrif­ten« bzw. »Cap­ti­on-Schnit­te« ver­wen­det.

Nonpareille – der Ursprung aller Konsultationsgrößen

Bereits in der Pro­to­ty­po­gra­phie des 15. Jahr­hun­derts waren Mar­gi­na­li­en und Legen­den außer­halb des Satz­spie­gels zuer­st durch hän­di­sche Aus­zeich­nun­gen und spä­ter in klei­ne­ren Schrift­gra­den mit einer Druck­ty­pe übli­ch. Mög­li­cher­wei­se ist die ers­te gedruck­te Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ße für Anmer­kun­gen in rund 3 mm in einem »Neu­en Tes­ta­ment« (Erst- und Nach­auf­la­gen um 1502–1511) des Ver­le­gers Johann Fro­ben (um 1460–1527) zu fin­den, der zusam­men mit den Pro­to­ty­po­gra­phen Johan­nes von Amer­bach (um 1440–1513) und Johan­nes Petri (Petrus Petri de Colo­nia, um 1441–1511) – alle aus der berühm­ten frän­ki­sche »Dru­cker­sip­pe der drei Johan­nes« (Amer­bach-Petri-Fro­ben) – eine Offi­zin in Basel betrieb. 1 )

Ab dem spä­ten 18. Jahr­hun­dert – nach der Erfin­dung des »Point typo­gra­phi­que« durch Pier­re Simon Four­nier (1712–1768), François Ambroi­se Didot (1730–1804) und sei­nen Sohn Fir­min Didot (1764–1836) – beka­men im Hand- und Maschi­nen­schrift­satz alle gän­gi­gen »Kegel­grö­ßen« Eigen­na­men, soge­nann­ten »Mit­tel­na­men«, die sowohl für Gebro­che­ne Schrif­ten (z.B. Frak­tur) als auch für Anti­qua-Schrif­ten, Zier­s­chrif­ten und für Zier­rat gal­ten. 

Der Begriff »Non­pa­reil­le« bür­ger­te sich in Frank­reich und Deutsch­land als Mit­tel­na­me für eine Druck­ty­pe mit einer 6 Didot-Punkt gro­ßen »Kegel­grö­ße« ein. Sie galt im Blei­satz fort­an als die klein­s­te noch les­ba­re Schrift für grö­ße­re Text­pas­sa­gen, wobei dafür nur Schrif­ten mit einer bestimm­ten Typo­me­trie (Let­tern­ar­chi­tek­tur) benutzt wur­den, soge­nann­te Kon­sul­ta­ti­ons­schrif­ten.

Ety­mo­lo­gi­sch stammt der Begriff »Non­pa­reil­le« von franz. »non­pa­reil­le« für »das Klein­s­te« zu »non­pa­reil« für »unver­gleich­li­ch« im Sin­ne von »nicht Glei­ches«.

Im Zuge der Indus­tria­li­sie­rung und ins­be­son­de­re nach der suk­zes­si­ven Ein­füh­rung der Schul­pflicht, wel­che die Nach­fra­ge nach Büchern und Zei­tun­gen stark for­cier­te, wur­den im pro­spe­rie­ren­den Werk­satz im Zuge der Pro­duk­ti­ons­op­ti­mie­rung die­se »Mit­tel« in Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen, Lese­grö­ßen und Schau­grö­ßen unter­teilt. Neben Non­pa­reil­le zähl­ten in Deutsch­land nun auch Bril­lant, Dia­mant, Perl, Kolo­nel, Petit und Bor­gis zu den Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen.

In der Akzi­denz­ty­po­gra­phie und im Holz­let­tern­druck wur­de die­se Klas­si­fi­ka­ti­on noch zusätz­li­ch durch Pla­kat­grö­ßen und Fern­grö­ßen ergänzt.

Konsultationsgrößen im Hand- und Maschinenschriftsatz

Mit­te des 20. Jahr­hun­derts wur­den die­se »Mit­tel« von füh­ren­den deut­schen Schrift­gie­ße­rei­en und Dru­cke­rei­en in einer »Mit­tel­ta­bel­le« doku­men­tiert, einer Umrech­nungs­ta­bel­le mit Schrift­gra­den in Didot-Punk­ten, basie­rend auf dem deut­schen Kon­kor­danz­sys­tem. 

In die­ser Mit­tel­ta­bel­le gal­ten ab Mitte/​Ende der 1940er Jah­re mit der Umstel­lung der Ver­kehrs­schrift von der Frak­tur auf die Anti­qua fort­an bei Werk­satz­schrif­ten fol­gen­de »Kegel­grö­ßen« als ver­bind­li­che Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen:

3 Didot-Punkt = (Mittelname: Brillant)
4 Didot-Punkt = (Mittelname: Diamant)
5 Didot-Punkt = (Mittelname: Perl)
6 Didot-Punkt = (Mittelname: Nonpareille)
7 Didot-Punkt = (Mittelname: Kolonel, Colonel)
8 Didot-Punkt = (Mittelname: Petit)
9 Didot-Punkt = (Mittelname: Borgis, Bourgeois)

Lesegrößen im Optomechanischen Schriftsatz

Mit der Eta­blie­rung des opto­me­cha­ni­schen Schrift­sat­zes (Foto­satz) ver­lor die Mit­tel­ta­bel­le an Ver­bind­lich­keit, da Schrift­gra­de nun stu­fen­los ska­lier­bar waren und sich die Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen in der Druck­vor­stu­fe und im Druck voll­stän­dig ver­än­dert hat­ten. In Deutsch­land, Öster­reich und der deutsch­spra­chi­gen Schweiz wur­de die Auf­tei­lung in Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen fort­an in

6 Didot-Punkt = 2,26 mm 2 )
7 Didot-Punkt = 2,63 mm
8 Didot-Punkt = 3,01 mm 

sowie Lese­grö­ßen (fort­an 10–12 Didot-Punk­te) und Schau­grö­ßen (fort­an 14–48 Didot-Punk­te) in etwas redu­zier­ter Abstu­fung über­nom­men. 3 )

Schriftbildgrößenvergleich Bleisatz vs. Fotosatz

Schrift­grö­ßen gedruck­ter Schrift­bil­der wei­chen im Hoch-, Tief- und Flach­druck­ver­fah­ren und von Papier­sor­te zu Papier­sor­te mehr oder weni­ger stark von­ein­an­der ab. Bei­spiels­wei­se fällt das gedruck­te Schrift­bild einer 6 Didot-Punkt Druck­ty­pe im Hoch­druck grö­ßer aus, als das gedruck­te Schrift­bild einer 6 Didot-Punkt Foto­satz­ty­pe im Off­set­druck. Denn eine Druck­ty­pe, z.B. aus einer Blei-Zinn-Anti­mon-Legie­rung, wird buch­stäb­li­ch in das Papier »gepres­st«. Sil­hou­et­te (Quet­schrän­der) und Farb­weg­schlag­ver­hal­ten sind des­halb deut­li­ch aus­ge­präg­ter, als dies im Off­set­druck mög­li­ch wäre.

6 Didot-Punkt Drucktype ≅ 7–8 Didot-Punkt Fotosatztype

Die Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ße einer 6 Didot-Punkt gro­ßen Druck­ty­pe auf unge­stri­che­nen Papie­ren ent­spricht in ihrem gedruck­ten Schrift­bild also der Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ße einer gedruck­ten 7 bis 8 Didot-Punkt gro­ßen Foto­satz­ty­pe. 4 )

Konsultationsschriften 

Bleisatz

Im Blei­satz lagen gän­gi­ge Werk­satz­schrif­ten auch als spe­zi­el­le »Kon­sul­ta­ti­ons­schrif­ten« vor. Das waren die Schrift­schnit­te aus einer Schrift­fa­mi­lie, deren Let­tern­ar­chi­tek­tur spe­zi­ell auf klei­ne Schrift­gra­de abge­stimmt waren. Sie ver­füg­ten bei­spiels­wei­se über ver­än­der­te Strich­stär­ken, Pun­zen, Dick­ten oder Brei­ten­läu­fe. Kon­sul­ta­ti­ons­schrif­ten ent­fal­ten ihre opti­schen Stär­ken buch­stäb­li­ch erst im Klein­ge­druck­ten.

Fotosatz und DTP Desktop Publishing

Im opto­me­cha­ni­schen und digi­ta­len Schrift­satz ging die­se jahr­hun­der­te­al­te mikro­ty­po­gra­phi­sche Pra­xis weit­ge­hend ver­lo­ren, da ein Schrift­zei­chen – ver­kürzt for­mu­liert – mehr­heit­li­ch nur noch in einer Form­va­ri­an­te im Schrift­satz­sys­tem hin­ter­legt wird und die­se nur pro­por­tio­nal ver­grö­ßert, ver­klei­nert und modi­fi­ziert wer­den kann. 

Die Mehr­heit aller opti­schen Foto­satz­schrif­ten sowie aller digi­ta­ler Fonts ist des­halb nur für Lese- und Schau­grö­ßen opti­miert. Vor­der­grün­dig eine Arbeits­er­leich­te­rung, in der Pra­xis jedoch eine Nivel­lie­rung, die einem hohen Qua­li­täts­an­spruch in der ange­wand­ten Typo­gra­phie nicht gera­de för­der­li­ch ist.

Optische Größen »Caption« bei OpenType Fonts

Auf Initia­ti­ve eini­ger weni­ger Font Found­ries und Schrift­ge­stal­ter (Type Desi­gner) lebt die Tra­di­ti­on der grö­ßen­spe­zi­fi­schen Typo­me­trie von Kon­sul­ta­ti­ons­schrif­ten bei Open­Ty­pe Fonts – zumin­dest bei umfang­reich aus­ge­bau­ten Text­schrif­ten – suk­zes­si­ve wie­der auf. 5 )

Die Abstufung »Optischer Größen« (optical sizes) am Beispiel der Französischen Renaissance Antiqua »Minion Pro« von Robert Slimbach für Adobe®. Dieser Expertensatz verfügt über »Caption-Schnitte« (Konsultationsgrößen) optimiert für 6 bis 8,4 DTP-Punkt, »Regular-Schnitte« (Lesegrößen) optimiert für 8,5–13 DTP-Punkt, »Subhead-Schnitte« (Schaugrößen) optimiert für 13,1 bis 19,9 DTP-Punkt und »Display-Schnitte« (Ferngrößen) optimiert für 20 DTP-Punkt und mehr.
Die Abstu­fung »Opti­scher Grö­ßen« (opti­cal sizes) am Bei­spiel der Fran­zö­si­schen Renais­sance Anti­qua »Mini­on Pro« von Robert Slim­bach für Ado­be®. Die­ser Exper­ten­satz ver­fügt über »Cap­ti­on-Schnit­te« (Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen) opti­miert für 6 bis 8,4 DTP-Punkt, »Regu­lar-Schnit­te« (Lese­grö­ßen) opti­miert für 8,5–13 DTP-Punkt, »Sub­head-Schnit­te« (Schau­grö­ßen) opti­miert für 13,1 bis 19,9 DTP-Punkt und »Dis­play-Schnit­te« (Fern­grö­ßen) opti­miert für 20 DTP-Punkt und mehr.

So wur­de die Typo­me­trie von Schrift­schnit­ten, z.B. bei Exper­ten­sät­zen, in Grö­ßen­be­rei­che – in soge­nann­te »Opti­sche Grö­ßen« (opti­cal sizes) abge­stuft. Bei­spiels­wei­se sind bei der »Mini­on Pro« von Ado­be® die »Cap­ti­on-Schnit­te« Kon­sul­ta­ti­ons­schrif­ten, die auf einen Schrift­grad von 6 bis 8,4 Ado­be DTP-Punkt abge­stimmt sind und sich somit opti­mal für Klein­ge­druck­tes eig­nen. 

Konsultationsschrift = Caption ≅ 6–8,4 DTP-Punkt (Adobe®)

Die Klas­si­fi­ka­ti­on in Opti­sche Grö­ßen ist pri­mär für den Druck gedacht und kann von Schrift zu Schrift unter­schied­li­ch aus­fal­len. Sie eig­nen sich auf­grund der Brow­ser-Inkom­pa­ti­bi­li­tät und unglei­cher Anti-Alia­sing- bzw. Ren­de­ring-Tech­no­lo­gi­en (noch) nicht für eine dif­fe­ren­zier­te Ansicht auf Moni­to­ren.

Schriftgrade sind relativ

Grund­sätz­li­ch ist fest­zu­stel­len, dass im Sin­ne der Metro­lo­gie und Typo­me­trie heu­te kei­ne ver­bind­li­chen und ein­heit­li­chen Bemes­sungs­grund­la­gen für die Bema­ßung von Druck­schrif­ten und Screen Fonts exis­tie­ren (sie­he Schrift­grad).

Heute existieren in der digitalen Typographie im Sinne der Metrologie und Typometrie keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen mehr. Schriftgrade sind deshalb heute relativ. Ein Typometer ist nutzlos – das Auge und die Erfahrung eines Typographen/in ist um so wichtiger geworden. Vergleich einer Baskerville, Curier, DIN 30640 und Zapfino. Alle Schriften wurden in Adobe Photoshop® im Originalmaßstab (1:1) in 72 DTP-Punkt gesetzt. Wie an den Schriftlinien erkennbar ist, weichen sowohl die Majuskelhöhen als auch sämtliche Ober-, Mittel- und Unterlängen voneinander ab.
Heu­te exis­tie­ren in der digi­ta­len Typo­gra­phie im Sin­ne der Metro­lo­gie und Typo­me­trie kei­ne ver­bind­li­chen Bemes­sungs­grund­la­gen mehr. Schrift­gra­de sind des­halb heu­te rela­tiv. Ein Typo­me­ter ist nutz­los – das Auge und die Erfah­rung eines Typographen/​in ist um so wich­ti­ger gewor­den. Ver­gleich einer Bas­ker­vil­le, Curier, DIN 30640 und Zap­fi­no. Alle Schrif­ten wur­den in Ado­be Pho­to­shop® im Ori­gi­nal­maß­stab (1:1) in 72 DTP-Punkt gesetzt. Wie an den Schrift­li­ni­en erkenn­bar ist, wei­chen sowohl die Majus­kel­hö­hen als auch sämt­li­che Ober-, Mit­tel- und Unter­län­gen von­ein­an­der ab.

Das Messen von Konsultationsgrößen

Unab­hän­gig davon, dass Schrift­gra­de rela­tiv sind, gilt ins­be­son­de­re die Bema­ßung von Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen als sehr unzu­ver­läs­sig. 

Erste Zeile: Heute empfiehlt es sich, Schriftgrade von Druckschriften und Screen Fonts im gemischten Schriftsatz anhand der »hp-Vertikalhöhe« inklusive ihrer optischen Überhänge und Ausschweifungen (z.B. inklusive schräger Dachansätze, die über die H-Linie oder k-Linie gehen) zu messen. Diese Methode funktioniert bei den meisten Schriften, auch bei Zierschriften. Zweite Zeile: Im reinen Majuskelsatz wird der Schriftgrad zwischen der Grundlinie und der H-Linie ohne ihre optischen Überhänge, Unterlängen und Ausschweifungen gemessen. Dritte Zeile: Bei Minuskel- oder Konsultationssatz kann die x-Höhe eines Buchstabens zwischen der Grundlinie und der x-Linie als Bemessungsgrundlage sinnvoll sein, insbesondere bei sehr kleinen Schriften, z.B. auf Lebensmitteletiketten.
Ers­te Zei­le: Heu­te emp­fiehlt es sich, Schrift­gra­de von Druck­schrif­ten und Screen Fonts im gemisch­ten Schrift­satz anhand der »hp-Ver­ti­kal­hö­he« inklu­si­ve ihrer opti­schen Über­hän­ge und Aus­schwei­fun­gen (z.B. inklu­si­ve schrä­ger Dach­an­sät­ze, die über die H-Linie oder k-Linie gehen) zu mes­sen. Die­se Metho­de funk­tio­niert bei den meis­ten Schrif­ten, auch bei Zier­s­chrif­ten. Zwei­te Zei­le: Im rei­nen Majus­kel­satz wird der Schrift­grad zwi­schen der Grund­li­nie und der H-Linie ohne ihre opti­schen Über­hän­ge, Unter­län­gen und Aus­schwei­fun­gen gemes­sen. Drit­te Zei­le: Bei Minus­kel- oder Kon­sul­ta­ti­ons­satz kann die x-Höhe eines Buch­sta­bens zwi­schen der Grund­li­nie und der x-Linie als Bemes­sungs­grund­la­ge sinn­voll sein, ins­be­son­de­re bei sehr klei­nen Schrif­ten, z.B. auf Lebens­mit­te­le­ti­ket­ten.

Im »Kon­sul­ta­ti­ons­satz« (Index­satz), bei­spiels­wei­se bei Ver­trags­be­din­gun­gen oder Lebens­mit­te­le­ti­ket­ten, ist es des­halb durch­aus sinn­voll, die x-Höhe (Grund­li­nie bis zur x-Linie) als Bemes­sungs­grund­la­ge für einen Schrift­grad zu wäh­len, so wie es bei­spies­wei­se die EU-Lebens­mit­tel­in­for­ma­ti­ons­ver­ord­nung (LMIV) zur Kenn­zeich­nung von Lebens­mit­teln vor­schreibt. 6 )

Fazit

Die tra­di­tio­nel­le Abstu­fung von Schrift­gra­den in Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen, Lese­grö­ßen, Schau­grö­ßen und Fern­grö­ßen, egal ob am Bild­schirm oder auf Papier, muss heu­te prin­zi­pi­ell hin­ter­fragt wer­den, da sie auf­grund der baby­lo­ni­schen Schrift­viel­falt, unter­schied­li­cher Schrift­trä­ger und Lese­ab­stän­de sowie ver­schie­den­ar­ti­ger Betrach­tungs- und Lese­ge­wohn­hei­ten ihre All­ge­mein­gül­tig­keit ver­lo­ren hat.

Heu­te muss jede Schrift, jede Schrift­stil­va­ri­an­te und jeder Schrift­schnitt auf jedem Schrift­trä­ger indi­vi­du­ell hin­sicht­li­ch sei­ner Kon­sul­ta­ti­ons­grö­ßen beur­teilt wer­den, wobei Kon­sul­ta­ti­ons­schrif­ten (Cap­ti­on) dafür bes­ser geeig­net sind, als ande­re »Opti­sche Grö­ßen«. Alles umfas­sen­de Regeln, wie sie noch bis zum Ende des Foto­sat­zes gebräuch­li­ch waren, sind nicht mehr up to date. Das Auge und der Erfah­rungs­schatz eines Typographen/​in ist des­halb heu­te wich­ti­ger denn je.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Quel­len mit Lite­ra­tur­nach­wei­sen: Pfis­ter, Arnold: Fro­ben, Johann, Neue Deut­sche Bio­gra­phie 5 (1961), S. 638–640. Online-Ver­si­on steht unter https://​www​.deut​sche​-bio​gra​phie​.de/​g​n​d​1​1​8​9​5​5​1​7​9​.​h​t​m​l​#​n​d​b​c​o​n​t​ent zur Ver­fü­gung (27.12.2016).
2.Anmerkung: Bemessungsgrundlage: 1 Didot-Punkt = 0,376 mm
3.Quel­le und Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Boss­hard, Hans Rudolf: Tech­ni­sche Grund­la­gen zur Satz­her­stel­lung, Bil­dungs­ver­band Schwei­zer Typo­gra­fen, Bern, 1980, ISBN: 3855840105 und 3−85584−010−5, Sei­te 145 und 146.
4.Anmer­kung: Ein Pro­blem in der gegen­wär­ti­gen Inter­pre­ta­ti­on alter Schrif­ten ist, dass Schriftgestalter/​innen zwar sich an alten Schrift­stem­peln aus den Muse­en ori­en­tie­ren, jedoch nicht berück­sich­ti­gen, dass die Typo­me­trie die­ser Stem­pel auf das dama­li­ge Papier und die Druck­tech­nik abge­stimmt wur­de. Bei­spiels­wei­se beur­teil­te der Typo­gra­ph Giam­bat­ti­s­ta Bodo­ni (1740–1813) sei­ne Schrif­ten aus­schließ­li­ch nach dem gedruck­ten Schrift­bild. Er schnitt sei­ne Schrif­ten so, dass sie erst in Ver­bin­dung mit »sei­nen« spe­zi­el­len Far­ben und auf »sei­nem« spe­zi­el­len (blau­en) Papier zu ihren wah­ren For­men und Grö­ßen fan­den. Die »dün­nen« Seri­fen sei­ner klas­si­zis­ti­schen Schrift­schnit­te ver­dick­ten sich näm­li­ch, sobald sie auf dem Papier stan­den. Zum einen durch den Druck­pro­zess selbst, also das Ein­drin­gen der Type in das Mate­ri­al, dann durch die Eigen­schaf­ten des Papiers und durch das Weg­schlag­ver­hal­ten der Far­be. Des­halb sieht auch eine gedruck­te Vene­zia­ni­sche Renais­sance Anti­qua heu­te völ­lig anders aus, als dies im 16. Jahr­hun­dert der Fall war.
5.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Ahrens, Tim und Sho­ko Mugi­ku­ra: Size-spe­ci­fic adjust­ments to type designs – An inves­ti­ga­ti­on of the prin­ci­ples gui­ding the desi­gn of opti­cal sizes, erschie­nen bei Just Ano­ther Found­ry, ISBN: 978–3-00–045937-5.
6.Anmer­kung: Unbe­scha­det spe­zi­el­ler Uni­ons­vor­schrif­ten, die aufbe­stimmte Lebens­mit­tel anwend­bar sind, sind die ver­pflich­ten­den Anga­ben gemäß Arti­kel 9 Absatz 1, wenn sie auf der Packung oder dem dar­an befes­tig­ten Eti­kett gemacht wer­den, auf die Ver­pa­ckung oder das Eti­kett in einer Schrift­grö­ße mit einer x- Höhe gemäß Anhang IV von min­des­tens 1,2 mm so aufzudru­cken, dass eine gute Les­bar­keit sicher­ge­stellt ist. Quel­le online ver­füg­bar unter http://​eur​-lex​.euro​pa​.eu/​L​e​x​U​r​i​S​e​r​v​/​L​e​x​U​r​i​S​e​r​v​.​d​o​?​u​r​i​=​O​J​:​L​:​2​0​1​1​:​3​0​4​:​0​0​1​8​:​0​0​6​3​:​d​e​:​PDF (28.12.2017).