Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Laufweite
Schriftlaufweite, Schriftweite

Typographischer Terminus für die Laufweite einer Schrift; Schriftlaufweite; Schriftweite. Im materiellen Schriftsatz (Bleisatz) auch als Zurichtung oder Breitenlauf bezeichnet. Abstand der Buchstaben,
Ziffern und Sonderzeichen zueinander. Die Laufweite einer Schrift wird in der relativen Maßeinheit Geviert gemessen. Ausgehend von der Normalschriftweite (NSW), differenziert die Mikrotypographie folgende Grundschriftweiten (Grundschrift):

- weit (+1/48 Geviert NSW)
- normal (NSW)
- eng (-1/48 Geviert NSW)
- sehr eng (-2/48 Geviert NSW)
- extrem eng (-3/48 Geviert NSW).

Die Laufweite ist u.a. ausschlaggebend für die Lesbarkeit einer Schrift und den Satzumfang einer Schriftsatzarbeit. Je mehr die Laufweite einer Schrift von der Normalschriftweite abweicht, desto unlesbarer wird sie. In der Regel werden professionelle Fonts (z.B. von Linotype ®) heute in einer Normalschriftweite ausgeliefert, welche u.a. in Long- oder Short-Kerning-Tabellen vorgegeben ist.

Wird die Laufweite eines Textes, eines Wortes oder einer
Graphemkombination erweitert oder verringert, bezeichnet man dies als Laufweitenausgleich (Optischer Schriftweitenausgleich). Wird die Laufweite einer Schrift vergrößert, spricht man von Spationieren, wird sie verringert, bezeichnet man das als Unterschneiden.

[T] Die Zurichtung von Schriften hat sich im Laufe der Jahre aufgrund neuer Schriftsatzsysteme und aufgrund modischer Ambitionen stark verändert.
[T] Die NSW unterscheidet sich je nach Hersteller und Erscheinungsjahr der Schrift.
[T] Der optimale Raum zwischen zwei Graphemen kann zwar u.a. durch Long- oder Short-Kerning-Tabellen vorgegeben werden; diese ersetzen aber keinesfalls das geübte Auge eines Typographen, Schriften in ihrer Anwendung optimal zu interpretieren.
[T] Laufweiten über und unter der NSW sind bei geringeren Textmengen aus ästhetischen oder praktischen Gründen manchmal sinnvoll, nicht jedoch im Mengensatz.
[T] Die Zurichtung der meisten PostScript-Fonts stammt aus den 80er Jahren. Sie laufen unterhalb der Schaugröße zu eng und sind somit nicht optimal zu lesen. Die NSW einer Schrift sollte deshalb bei jeder Satzarbeit überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.
[T]
TrueType-Fonts verfügen in der Regel über kein professionelles Kerning. Die Laufweiten sind in der Regel willkürlich. Sie sind für die Print-Typographie unbrauchbar.
[T] Die optimale NSW ist abhängig von der jeweiligen Schrift, orientiert sich aber an der Punze der Minuskel » n «.
[T] Kapitälchen- und Majuskelzeilen sollten mindestens in einer Laufweite von +10/48 Geviert über NSW gesetzt werden.
[T] Viele Schriften sind heute aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen schlecht, manche sogar überhaupt nicht » zubereitet «. Das bedeutet in der Regel nichts anderes, dass das die NSW und das Kerning fehlerhaft ist. Deshalb ist in vielen Fällen der Optische Schriftweitenausgleich (OSW) eines Textes, eines Wortes oder einer Buchstabenkombination erforderlich.
[L] Peter Karow: Schrifttechnologie, Methoden und Werkzeuge, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, N.Y., ISBN 3-540-54918-8.


Aufsatz zuletzt bearbeitet am 07.11.2008
von
Wolfgang Beinert




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Quelle: © Wolfgang Beinert, Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie
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