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Lesbarkeit
Unter » Lesbarkeit « wird im Segment der Lesetypographie die optimale makro- und mikrotypographische Aufbereitung eines Schriftsatzes verstanden, die der Leser auch beim Erfassen längerer Textpassagen, z.B. in einem Buch, einem Geschäftsbericht oder auf einer Website, als angenehm, richtig und als nicht störend empfindet. Grundsätzlich ist festzustellen, dass Lesbarkeit eine nur relative Feststellung sein kann.
Abgesehen von der Lesekompetenz (Fixationen), der Textschwierigkeit, den physikalischen Rahmenbedingungen (Presbyopie [1], Oculomotorik) und der(n) gewählten Schriftart(en), ist u.a. die richtige Abstimmung von Schriftgrad (siehe auch Lesegrößen), Schriftweite, Optischer Schriftweitenausgleich, Wortzwischenraum, Satzart, Satzbreite, Zeilenabstand, Absatztechnik, Trennmethode sowie Wahl des Trägermaterials und der Druckfarbe bzw. am Bildschirm die Hintergrund- und Schriftfarbe entscheidend für die optimale Lesbarkeit einer Schrift bzw. eines Textes.
[T] Der Schriftgrad alleine hat nur sehr wenig mit der optimalen Lesbarkeit eines Schriftsatzes zu tun, auch wenn dieser Irrglaube leider weit verbreitet ist.
[T] In der Lesetypographie gilt die Erkenntnis, dass die Typometrie eines Buchstabens und insbesondere die Serifenformen den Leseprozess spürbar beinflussen können. So gelten beispielsweise fette, blockartige Endstriche - wie sie bei Egyptienne-Schriften zu finden sind - oder sehr feine Endstriche - z.B. bei Klassizistischen Antiquas - als lesehemend. Dagegen werden Serifenformen von Renaissance-Antiquas und Vorklassizistische Antiquas als lesefördernd eingestuft. Druckschriften mit Serifen werden in Westeueropa grundsätzlich, je nach Print-Lesbarkeitstest, bis zu einem Fünftel schneller gelesen, als Druckschriften ohne Serifen (z.B. Pyke, 1929, Monotype No. 2 Old Style ./. Stephenson & Blake No. 10 Lining Grotesque).
[T] Bei Orientierungs-, Informations- und Leitsystemen weichen die Kriterien bezüglich der Lesbarkeit stark von denen der Lesetypographie ab. So sind beispielsweise konstruierte, fette Groteskschriften mit großen Binnenräumen auf Verkehrsschildern besser lesbar als Schriften mit Serifen. Wiederum andere Kriterien gelten in der Gebrauchs- bzw. Werbetypographie (z.B. Werbeanzeigen oder Plakate).
[T] Schriftmischungen in der Lesetypographie optimieren den Leseprozess spürbar.
[T] Der Grad der Lesbarkeit ist ausschlaggebend für die Akzeptanz einer schriftlichen Botschaft (Textinhalt) beim Rezipienten und entscheidet somit auch über den Erfolg einer Kommunikationsmaßnahme.
[T] [1] Obwohl Lese-, Gleitsichtbrillen und Mehrstärken-Kontaktlinsen eine Presbyopie (Alterssichtigkeit, beginnend ca. ab dem 40. Lebensjahr) erfolgreich ausgleichen können, sollte bei der typographischen Gestaltung daran gedacht werden, dass in der Hektik des Alltags nicht immer eine Lesebrille parat ist. Kleine Schriftgrade sind zwar hübsch, aber für die meisten » Über40jährigen « nur schwer oder nicht lesbar.
[L] W. F. Dearborn, 1906. The psychology of reading. Columbia Univerity Studies, Archives of Philosophical, Psychological and Scientific Mehods, 14., und J. Gagel, 1965. Untersuchungen zur Lesbarkeit und Erkennbarkeit von Druckschriften. Hamburg: Psychologisches Institut der Universität.
[L] Weingarten, Rüdiger, 2000. Visuelle und phonologische Prozesse beim Lesen, Universität Osnabrück.
[L] Peter Karow: Schrifttechnologie, Methoden und Werkzeuge, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, N.Y., ISBN 3-540-54918-8.
Aufsatz zuletzt bearbeitet am 22.09.2009
von Wolfgang Beinert
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