Typolexikon.de. Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie. Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin. Online seit 2002. Nec scire fas est omnia.
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Lesegrößen

Typographische Bezeichnung für Schriftgrade von 10 bis 12 Didot-Punkten, (3 mm bis 4,5 mm) also von Korpus (Garamond) bis Cicero (
Mittel). Unter 10 Didot-Punkt werden die Schriftgrade als Konsultationsgrößen, über 12 Didot-Punkt als Schaugrößen bzw. ab 48 Didot-Punkt als Plakatgrößen bzw. im optomechanischen Schriftsatz (Fotosatz) als Display-Größen bezeichnet.

[T] In der Typographie existieren keine verbindlichen Bemessungsgrundlagen für Schriftgrößen im Sinne der Metrologie und der Typometrie.
[T] Die Divergenz bei Typometern, Software, Peripheriegeräten (RIPs) etc. ist – trotz oft gleich lautender Termini und Größen – gravierend.
[T] In Deutschland ist offiziell das metrische System, also die Angaben in mm, cm bzw. Meter bindend.

[T] Einen optimale Lesegröße gibt es leider nicht. Sie hängt jeweils von der Schrift, ihrem Charakter, ihrem Stil, ihrer Zubereitung, ihren Berechnungsparametern, dem Trägermaterial, dem Produkt (Web oder Tischbuch?) und u.a. von der physischen und kulturellen Lesekompetenz ab. Noch weniger existiert der optimale Schriftgrad auf elektronischen Benutzeroberflächen. Hier kommen erschwerend zusätzliche relative Parameter hinzu. Beispielsweise die technische Ausstattung (Qualität und Größe) und die technische Kompetenz der User.
[T] In der klassischen Lese- und Buchtypographie gelten insbesondere Französische Renaissance-Antiquas in der Tradition von Claude Garamond bis heute als Inbegriff typographischer Ästhetik, Eleganz und Lesbarkeit. Erfahrene Typographen haben deshalb oft für einem Roman (Handbuch) eine Garamond im normalen Stil in 12 Didot-Punkt (Cicero-Schnitt) verwendet und dies als den »optimalen« Schriftgrad bezeichnet.
[T] Obwohl Lese-, Gleitsichtbrillen und Mehrstärken-Kontaktlinsen eine Presbyopie (Alterssichtigkeit, beginnend ca. ab dem 40. Lebensjahr) erfolgreich ausgleichen können, sollte bei der typographischen Gestaltung daran gedacht werden, dass in der Hektik des Alltags nicht immer eine Lesebrille parat ist. Kleine Schriftgrade sind zwar hübsch, aber für die meisten »Über40jährigen« nur schwer oder nicht lesbar.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 07.11.2008
von
Wolfgang Beinert

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Quelle: © Wolfgang Beinert, typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie.
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