Ligatur

Eine Ligatur ist in der Typographie eine typometrische Verbindung zwischen zwei oder drei Buchstaben zu einem eigenständigen Zeichen; Verbundbuchstabe; Buchstabenverbindung; Buchstabenverschmelzung; Haltebogen. Plural Ligaturen. 

Die Anwendung von typographischen Ligaturen gehört in den Bereich der Mikrotypographie.

Der Terminus Ligatur entstand in Europa im 18. Jahrhundert. Etymologisch rührt »Ligatur« aus dem mittellateinischen »ligatura« für »Band« zu lateinisch »ligare« für »binden«. Der Begriff Ligatur wird auch in anderen Disziplinen, z.B. der Musik (Notengrafik), in der Medizin oder in der Soziologie, für und in jeweils anderen Zusammenhängen verwendet.

Ligaturen gibt es in allen Schriftgattungen, Hauptschriftgruppen, Schriftarten und Schriftschnitten. Sie unterscheiden sich von nicht verbundenen Buchstaben eines Alphabets in der Regel durch ein geringfügig anderes Aussehen.

Bei physischen Drucktypen für den Bleihandsatz befindet sich eine Ligatur auf einem Schriftkegel bzw. bei OpenType Fonts wird sie als einzelnes Sonderzeichen einer bestimmten Taste zugeordnet bzw. über eine Unicode®-Tabelle adressiert. 

Eine Ligatur ist eine Buchstabenverbindung zwischen zwei oder drei Buchstaben. Hier im Beispiel die getrennt geschriebenen Buchstaben »f« und »i« die zu dem eigenständigen Zeichen »fi« verschmelzen. Ligaturen gibt es sowohl für Fraktur-Schriften als auch für Antiqua-Schriften mit und ohne Serifen. Gesetzt im normalen Schriftschnitt der »Meta Plus« von Erik Spiekermann (* 1947).
Eine Ligatur ist eine Buchstabenverbindung zwischen zwei oder drei Buchstaben. Hier im Beispiel die getrennt geschriebenen Buchstaben »f« und »i« die zu dem eigenständigen Zeichen »fi« verschmelzen. Ligaturen gibt es sowohl für Fraktur-Schriften als auch für Antiqua-Schriften mit und ohne Serifen. Gesetzt im normalen Schriftschnitt der »Meta Plus« von Erik Spiekermann (* 1947).
Satztechnisch gesehen sind Ligaturen für professionelle Desktop Publishing Computerprogramme, beispielsweise InDesign® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®, heute nicht mehr notwendig und in den meisten Fällen im Segment der Lesetypographie auch nicht mehr sinnvoll. So verfügt beispielsweise eine Ligatur immer über eine feste Normalschriftweite, die nicht spationiert, unterschnitten oder ausgemittelt werden kann. Aber was noch wichtiger ist: Ligaturen entsprechen nicht mehr den heutigen Lesegewohnheiten. Beispiel gesetzt aus der Mrs Eaves Roman und Mrs Eaves Just Ligatures Roman von Zuzana Licko, USA 1995.
Satztechnisch gesehen sind Ligaturen für professionelle Desktop Publishing Computerprogramme, beispielsweise InDesign® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®, heute nicht mehr notwendig und in den meisten Fällen im Segment der Lesetypographie auch nicht mehr sinnvoll. So verfügt beispielsweise eine Ligatur immer über eine feste Normalschriftweite, die nicht spationiert, unterschnitten oder ausgemittelt werden kann. Aber was noch wichtiger ist: Ligaturen entsprechen nicht mehr den heutigen Lesegewohnheiten. Beispiel gesetzt aus der Mrs Eaves Roman und Mrs Eaves Just Ligatures Roman von Zuzana Licko, USA 1995.
Typographische Zierligaturen, beispielsweise für »OO«, werden in der Gebrauchstypographie (Akzidenzsatz) sehr gerne verwendet. Im Gegensatz zur Lesetypographie, können sie hier mehr oder weniger bedenkenlos nach ästhetischen Gesichtspunkten verwendet werden. Beispiel gesetzt aus der Mrs Eaves Roman und Mrs Eaves Just Ligatures Roman von Zuzana Licko, USA 1995.
Typographische Zierligaturen, beispielsweise für »OO«, werden in der Gebrauchstypographie (Akzidenzsatz) sehr gerne verwendet. Im Gegensatz zur Lesetypographie, können sie hier mehr oder weniger bedenkenlos nach ästhetischen Gesichtspunkten verwendet werden. Beispiel gesetzt aus der Mrs Eaves Roman und Mrs Eaves Just Ligatures Roman von Zuzana Licko, USA 1995.

Eine Ligatur verfügt immer über einen natürlichen Breitenlauf bzw. eine feste Normalschriftweite (NSW 0) und kann somit im Sinne des Optischen Schriftweitenausgleichs auch nicht spationiert, unterschnitten oder ausgemittelt werden. 

Die Verwendung von Ligaturen ist in keiner europäischen Sprache orthografisch vorgeschrieben. Grundsätzlich sind Ligaturen bei allen Druckschriften und Screen Fonts römischen Ursprungs kein notwendiger Bestandteil des Schriftsystems. 

Die deutschen Orthographie kennt – abgesehen vom »ß« (Eszett), das es heute nur noch in der deutschen Sprache gibt – keine Ligaturen, wobei streng genommen das »ß« in der deutschen Rechtschreibung als Einzelbuchstabe bzw. Sonderbuchstabe und nicht als Ligatur wahrgenommen wird und ggf. auch durch »ss« bzw. im Majuskelsatz generell durch »SS« ersetzt werden kann. 1 ) 2 ) 3 ) 4 ) 5 ) 6 )

Die Letternarchitektur, die Anzahl von Ligaturen je Schriftart und deren Gebrauch folgt ausschließlich typografischen Regeln, die je nach geschriebener Sprache, Epoche, Schriftart und Schriftsatzsystem voneinander mehr oder weniger stark abweichen. Verbindliche Regeln, wie Ligaturen gegenwärtig im deutschsprachigen Raum gesetzt werden, existierten nicht.

Abgesehen von »&« (et), 7 ) »§« (signum separationis) 8 ) »%« (per cento), »@« (engl. at, siehe @-Zeichen) sowie in Deutschland und Österreich »ß« (Eszett), sind Ligaturen in Tastaturlayouts von Schreibmaschinen, Textverarbeitungssystemen oder Computerterminals nach der Tastaturbelegung 1 der DIN 2137:2012-06 nicht vorgesehen. 

Im Segment der Lesetypographie gelten Ligaturen als lesehemmend, da sie nicht mehr den gegenwärtigen Lesegewohnheiten entsprechen. In der Gebrauchstypographie (Akzidenzsatz) bzw. im Grafikdesign werden sie gerne als Zierligaturen verwendet. Innerhalb von Webanwendungen können Ligaturen ggf. zu Performance-, SEO- 9 ) und Kompatibilitätsproblem führen.

Ligaturen können nur mit professionellen Desktop Publishing Computerprogrammen, beispielsweise InDesign® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®, und Fonts (z.B. OpenType Fonts) mit Ligaturen in einen Schriftsatz korrekt eingearbeitet werden. In  Textverarbeitungsprogrammen, z.B. Microsoft Word® oder Pages von Apple®, können Standardligaturen zwar im Rahmen der OpenType-Technologie automatisch aktiviert, jedoch nicht fachgerecht verwendet werden.

Ursprung und Historie

Ursprünglich dienten Ligaturen ausschließlich dazu, schnell und ökonomisch zu schreiben bzw. zu drucken, da u.a. Trägermaterialien wie Pergament bzw. später Papier sehr rar und kostbar waren. Sprachliche Aspekte, beispielsweise die Entwicklung des Konsonanten »w« aus einer Ligatur von zwei »v« bzw. »u« kamen erst später hinzu (11./12. Jahrhundert). Ästhetische Aspekte in der Formgebung und Anwendung erst nach dem Manierismus. Generell ist es sehr schwer festzustellen, ob und ab wann eine Ligatur als originär oder als zusammengesetzt betrachtet werden muss. 

Die Epigraphik, die Paläographie und die Diplomatik dokumentieren bereits in vorrömischen Alphabeten erste Zeugnisse von Ligaturen und Abbreviaturen (Abkürzungen) 10 )

In der europäischen Kalligraphie werden Ligaturen spätestens seit dem 1. Jahrhundert – z.B. in Form des Et-Zeichens (lt. »et« für »und«) – genutzt. Zu den ältesten noch angewandten Wortligaturen zählt das Et-Zeichen aus dem Zeichenrepertoire der Tironischen Noten von Marcus Tullius Tiro (um 103–4 v.Chr.), welches auch heute noch in Irland in unveränderter Form genutzt wird.

Im Ausschnitt: Das tironische Et ist ein Kürzel für lateinisch et (und). Als einzige tironische Note wird diese heute noch in Irrland verwendet. Bildnachweis: Tironische Noten im Codex Casselanus aus dem 8. Jahrhundert, commons.wikimedia.org, gemeinfrei (18.12.2016).
Im Ausschnitt: Das tironische Et ist ein Kürzel für lateinisch et (und). Als einzige tironische Note wird diese heute noch in Irrland verwendet. Bildnachweis: Tironische Noten im Codex Casselanus aus dem 8. Jahrhundert, commons.wikimedia.org, gemeinfrei (18.12.2016).

Der Prototypograph Johannes Gutenberg (um 1400–1468) übernahm aus der Kalligraphie die Formgebung von Ligaturen und Abbreviaturen. Beispielsweise entwarf und schnitt er 1460 für den Druck der berühmten Mainzer Erstausgabe des aus dem Jahre 1286 stammenden »Catholicon« – ein in lateinischer Sprache verfaßtes etymologisches Wörterbuch und einer Grammatik zur Bibel – des Dominikanerpaters Johannes Balbus (geboren vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Genua, gestorben um 1298) eine »Gotico-Antiqua-Type« (Catholicontype) mit 22 Majuskeln, 103 Minuskeln mit und ohne Abbreviaturen, 81 Ligaturen und vier Sonderzeichen. Insbesondere die Ligaturen nutzte Gutenberg, um in zwei Kolumnen zu jeweils 66 Zeilen platzsparend drucken zu können.

Ligaturen wurden im deutschsprachigen Werksatz von Offizinen rund 500 Jahre lang bis zum Ende des materiellen Schriftsatzes (Bleisatz) verwendet; in der BRD, Österreich und der Schweiz bis Mitte der 1980er bzw. in der DDR teilweise bis nach der deutschen Wiedervereinigung (1989/1990), u.a. von der Offizin Andersen Nexö in Leipzig. 11 )

Ab den 1960er Jahren mit der sukzessiven Einführung des Fotosatzes (optomechanischer Schriftsatz) und dem damit einhergehenden Verzicht der Buch- und Zeitungsverlage auf die Verwendung von typographischen Ligaturen – dies war nun technisch möglich und deutlich günstiger –, veränderten sich auch die Lese- und Betrachtungsgewohnheiten der deutschlesenden Rezipienten.

Spätestens ab Mitte der 1980er Jahre sind typographische Ligaturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr gebräuchlich.

Arten von Ligaturen

Bei Druckschriften und Screen Fonts römischen Ursprungs gibt es unterschiedliche Arten von Ligaturen:

  • Typographische Ligaturen 
    – Minuskelligaturen zweifach, z.B. für »fi«
    – Minuskelligaturen dreifach, z.B. für »ffi«
    – Majuskelligaturen zweifach, z.B. für »TT«
    – Majuskelligaturen dreifach, z.B. für »THE«
  • Tonligaturen
    – Phonetische Majuskelligaturen, z.B. »Æ«
    – Phonetische Minuskelligaturen, z.B. »ß«
  • Wortligaturen, z.B. »&«
  • Kaufmannsligaturen, z.B. »%«

Im deutschsprachigen Raum werden heute nur noch die Tonligatur »ß« (Eszett), 12 ) die Wortligaturen »&« (et) und »§« (signum separationis) 13 ) sowie die Kaufmannsligaturen (ligatura mercatoris) »%« (per cento) und »@« (engl. at) verwendet.

Bei Druck- und Screen Fonts römischen Ursprungs gibt es unterschiedliche Arten von Ligaturen. Von links: Minuskelligatur zweifach (fi), Minuskelligatur dreifach (ffi), Majuskelligatur zweifach (TT), Majuskelligatur dreifach (THE), Phonetische Majuskelligatur (Æ), Phonetische Minuskelligatur (ß), Wortligatur (&) und Kaufmannsligatur (%). Beispiel gesetzt aus der Mrs Eaves Roman und Mrs Eaves Just Ligatures Roman von Zuzana Licko, USA 1995.
Bei Druckschriften und Screen Fonts römischen Ursprungs gibt es unterschiedliche Arten von Ligaturen. Von links: Minuskelligatur zweifach (fi), Minuskelligatur dreifach (ffi), Majuskelligatur zweifach (TT), Majuskelligatur dreifach (THE), Phonetische Majuskelligatur (Æ), Phonetische Minuskelligatur (ß), Wortligatur (&) und Kaufmannsligatur (%). Beispiel gesetzt aus der Mrs Eaves Roman und Mrs Eaves Just Ligatures Roman von Zuzana Licko, USA 1995.

Im Hochdeutschen ist der Schriftsatz, abgesehen von »ß«, frei von Ligaturen, wobei wie bereits erwähnt, das »ß« aus Sicht der deutschen Orthographie als Sonderzeichen wahrgenommen wird, nicht als Ligatur.

Gründe für die Verwendungen von Ligaturen

Im materiellen Schriftsatz werden Ligaturen aus folgenden Gründen verwendet:

  • als Ersatz für manuelle Unterschneidungen, die im Blei- und Holzsatz sehr aufwendig und materialintensiv sind
  • als Lesehilfe zur Verdeutlichung von Wortfugen
  • als platzsparende Abbreviaturen
  • als Zierligaturen (Schmuckligaturen)
  • um bei bestimmten Buchstabenkombinationen kritische Vor- und Nachbreiten zu vermeiden, die einen ungleichmäßigen Grauwert zu Lasten der Lesbarkeit und der Ästhetik ergeben könnten
  • um die Aussprache eines Lauts zu verändern
  • um einen Formsatz zu erzwingen
  • um im Werksatz im natürlichen Breitenlauf (Normalschriftweite) platzsparend zu setzen

Und im DTP Desktop Publishing: 14 )

  • als platzsparende Abbreviaturen
  • als Zierligaturen
  • bei deutschem Fraktursatz
  • um die Aussprache eines Lauts zu verändern
     

Ligaturen im deutschsprachigen Bleisatz

Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Fraktur über 400 Jahre die Buch- und Verkehrsschrift der Deutschen und Österreicher und bis 1941 die offizielle Amtsschrift im Deutschen Reich war. Der deutsche Typograph und Schriftgelehrte Jan Tschichold (1902–1974) bemerkte: 15 )

Wie kommt es, dass die alten Antiquaschriften vor der Mitte des 19. Jahrhunderts kein ß enthalten? Es war bis gegen 1800 gar nicht, später nur selten üblich, Deutsch in der Antiqua zu setzten …

Der Gebrauch von Ligaturen im deutschsprachigen Raum konzentriert sich deshalb überwiegend auf die der Gebrochenen Schriften. Daraus ergeben sich – im Vergleich zur Französischen oder Englischen Typographie – eigenständige Gesetzmäßigkeiten in Form, Aussprache und Anwendung von Ligaturen beim Satz Gebrochener Schriften.

Der ausschließliche Gebrauch von Antiqua-Schriften in der deutschen Sprache während des materiellen Schriftsatzes beschränkt sich in Deutschland und Österreich auf rund 40 bis maximal 50 Jahre – von ungefähr Mitte der 1940er bis Ende der 1980er Jahre.

Minuskelligaturen im deutschsprachigen Bleisatz

Minuskelligaturen für Werksatzschriften wurden bzw. werden auf einem Schriftkegel im natürlichen Breitenlauf geschnitten. Bei der Fraktur sind die Zweifachligaturen ch, ck ff, fi, fl, ft, ll, fch, ∫i, ∫∫, ß, ∫t, tt und tz sowie die Dreifachligatur fch geläufig. Sie galten im Fraktursatz als unabdingbar (korrekte Formgebung der Frakturligaturen siehe Abbildung ↓ der Schriftprobe »Wilhelm-Klingspor-Schrift«). Der Typograph Albert Kapr (1918–1995) beschrieb ihre Wichtigkeit folgendermaßen: 16 )

Eine Quelle der Schluderei beim Satz gebrochener Schriften ist das Mißachten von Ligaturen, die beim nicht gesperrten Satz unbedingt eingesetzt werden müssen, so tz, ß, ∫i, ∫t, ∫i, ff, fl, fi, ll, ch und ck und gelegentlich noch einige andere.

Bei den Antiqua-Schriften waren in Deutschland und Österreich nach dem II. Weltkrieg die Zweifachligaturen für ch, ck, ff, fi, fl, ft, ß und tz sowie selten Dreifachligaturen für ffi und ffl gebräuchlich.

Majuskelligaturen im deutschsprachigen Bleisatz

Da bei Gebrochenen Schriften der Versalsatz nicht üblich ist – die Alternative zum Satz in Großbuchstaben war der Sperrsatz–, kennt die »Deutsche Schrift« folglich auch keine Majuskelligaturen, sondern nur Minuskelligaturen. 17 ) Phonetische Majuskelligaturen, z.B. »Æ«, gab es überwiegend nur für Antiqua-Schriften im Fremdsprachensatz, äußerst selten bei Fraktur-Schriften, so beispielsweise bei der »Peter-Jessen-Schrift« des Offenbacher Typographen Rudolf Koch (1876–1934), die 1931 bei Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor in Offenbach am Main erschien. 

Die phonetischen Majuskelligaturen »Æ« und »Œ« (bzw. »æ« und »œ«) wurden von deutschen Handschriftsetzern als Französisches Betonungszeichen (Akzentzeichen) für»Ä« und »Ö« verstanden, nicht als typographische Ligaturen. 18 )

Regeln für das Setzten von Ligaturen

Verbindliche Regeln, wie Ligaturen im deutschsprachigen Raum gesetzt werden, existierten heute nicht mehr. Allerdings gibt es gewisse Reglements, die sich aus den »Regeln zur Verwendung von Ligaturen im Fraktursatz« in Relation zur deutschen Rechtschreibung des beginnenden 20. Jahrhunderts rekrutieren.

Auch für den korrekten deutschen Ligaturensatz in einer Antiqua gibt es klare Regeln. Unter anderem beispielsweise, dass Ligaturen wie »fi« keine Wortstämme von Komposita verbinden dürfen. Automatikfunktionen von HTML-Editoren, Layout- und Satzprogrammen scheitern bereits an dieser simplen Aufgabenstellung. Beispiel gesetzt aus der Mrs Eaves Roman und Mrs Eaves Just Ligatures Roman von Zuzana Licko, USA 1995.
Auch für den korrekten deutschen Ligaturensatz in einer Antiqua gibt es klare Regeln. Unter anderem, dass Ligaturen wie »fi« keine Wortstämme von Komposita verbinden dürfen. Automatikfunktionen von HTML-Editoren, Layout– und Satzprogrammen scheitern bereits an dieser simplen Aufgabenstellung. Beispiel gesetzt aus der Mrs Eaves Roman und Mrs Eaves Just Ligatures Roman von Zuzana Licko, USA 1995.
Für den korrekten Ligaturensatz in der »Deutschen Schrift« gibt es noch mehr Regeln. Beispielsweise, dass im Sperrsatz einer Fraktur die Ligaturen aufgelöst werden müssen, jedoch nicht ß, tz, ch und ck. Schriftprobe gesetzt aus der »Wilhelm Klingspor Gotisch« von Linotype®.
Für den korrekten Ligaturensatz in der »Deutschen Schrift« gibt es noch mehr Regeln. Beispielsweise, dass im Sperrsatz einer Fraktur die Ligaturen aufgelöst werden müssen, jedoch nicht ß, tz, ch und ck. Schriftprobe gesetzt aus der »Wilhelm Klingspor Gotisch« von Linotype®.
Deutscher Sperrsatz einer Gebrochenen Schrift. Die »Auszeichnung« ist bis auf die Minuskelligaturen »ch« und den ortographischen Punkt gesperrt bzw. dicktengleich spationiert. Beispiel gesetzt im Photoshop® von Adobe® in der Fraktur »Notre Dame« (1993) von Karlgeorg Hoefer (1914–2000), Vertrieb Linotype®. Infografik: www.typolexikon.de
Deutscher Sperrsatz einer Gebrochenen Schrift. Die »Auszeichnung« ist bis auf die Minuskelligaturen »ch« und den ortographischen Punkt gesperrt bzw. dicktengleich spationiert. Beispiel gesetzt im Photoshop® von Adobe® in der Fraktur »Notre Dame« (1993) von Karlgeorg Hoefer (1914–2000), Vertrieb Linotype®.

Geläufige Regeln (Auswahl) für den deutschsprachigen Ligaturensatz:

  • bei der Spationierung einer Antiqua werden alle Ligaturen aufgelöst
  • bei der Worttrennung am Zeilenende werden Ligaturen aufgelöst
  • im Sperrsatz einer Fraktur müssen die Ligaturen aufgelöst werden, jedoch nicht ß, tz, ch und ck
  • keine Ligaturen für getrennt gesprochenen Buchstaben
  • keine Ligaturen im gesperrten Satz
  • Ligaturen dürfen am Wortende (Beugungsendungen und Endsilben) nicht getrennt werden, jedoch bei mit einer »i« beginnenden Nachsilben schon
  • Ligaturen richten sich nicht nach den Sprachsilben
  • Ligaturen sind dort anzuwenden, wo sie die sprachliche Richtigkeit nicht stören
  • Ligaturen verbinden keine Wortstämme von Komposita
  • Minuskelligaturen im Versalsatz von Antiqua-Schriften sind nicht erlaubt
  • ss kann es nicht geben, stattdessen muss eine Ligatur verwendet werden
  • treffen drei Buchstaben zusammen, von denen je zwei eine Ligatur bilden können, entscheidet die Silbengrenze

Die Ligatur »Eszett« in der Schweiz

Die Schweiz (und Lichtenstein) bildet in Bezug die Ligatur »ß« (Eszett) eine Ausnahme, da deren Kantone zum Ende der 1930er Jahre begannen, das »scharfe s« in den Primarschulen (Grundschulen) nicht mehr zu lehren. 19 ) Das althergebrachte Eszett wird seither in der Schweiz mit »ss« aufgelöst, was gemäß der deutschen Orthographie auch in Deutschland und Österreich möglich ist. Offiziell abgeschafft wurde das »ß« in der Schweiz allerdings aber nie.

Ligaturen im digitalen Corporate Publishing

Abgesehen von Ton-, Wort- und Kaufmannsligaturen ist der korrekte Gebrauch von Buchstabenverbindung – z.B. von Bogenligaturen – für den digitalen Mengensatz nicht standardisiert und sehr zeitaufwendig. 

Ligaturensatz mit Layout- und Satzprogrammen

Im DTP Desktop Publishing ist es mit professionellen Layout- und Satzprogrammen, beispielsweise InDesign® und Illustrator® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®, technisch möglich, jegliche Arten von Ligaturen aus einem OpenType Font in einen Schriftsatz einzuarbeiten. 

Da professionelle Layout- und Satzprogramme für den internationalen Markt optimiert sind, folgen sie keinen speziellen sprach- und landesspezifischen typographischen Regeln für die Verwendung von Ligaturen. Ein stereotyper Austausch von Buchstabenpaaren (z.B. »fi« oder »ff«) gegen die jeweilig korrespondierenden Standardligaturen ist nach den typographischen Regeln gemeinhin fehlerhaft (siehe obige Regeln für das Setzen von Ligaturen).

Ligaturen bei OpenType Fonts

Seit dem Jahre 1997 ist es durch die OpenType-Fonttechnologie von Adobe® und Microsoft® möglich – ein Font kann technisch betrachtet +/-65.000 Zeichen im Unicode®-Zeichencodierungsstandard umfassen –, Druck- und Screen Fonts mit einer Vielzahl von Ligaturen auszustatten, wobei Unicode® nur für rund 40 Standardligaturen für die Sprachen lateinischen Ursprungs Unterstützung bietet. Das Unicode Consortium lehnt es grundsätzlich ab, weitere Ligaturen in den Unicode® aufzunehmen, da dadurch schwerwiegende Kompatibilitätsprobleme mit bestehenden Zeichenkodierungen entstehen. 20 ) 21 )

Unabhängig davon ist in der digitalen Schriftgestaltung (Type Design) allerdings seit einigen Jahren bei Antiqua-Schriften eine babylonische Vielzahl von Ligaturen zu beobachten, die in ihrer Formvielfalt und Anzahl die der analogen Ära weit übertrifft. 

Im Zeichenvorrat (Figurenverzeichnis) eines Fonts, insbesondere von Zierschriften (Decorative), kann es Duzende von fantasievollen Verbundbuchstaben geben. Vereinzelt finden sich bei OTF Fonts auch spezielle Schriftschnitte, deren Zeichenrepertoire ausschließlich aus Ligaturen besteht, beispielsweise die Mrs Eaves Just Ligatures Roman von Zuzana Licko, USA 1995, die u.a. auch Majuskelligaturen für CE, OC, OG, OO, CE, TE THE, TR, TT, TW TY, UR oder VA enthält und den normalen Schriftschnitt der Mrs Eaves ergänzt.

Bei Gebrochenen Schriften in OTF-Formaten dagegen ist das Angebot an Ligaturen sehr begrenzt und für den deutschsprachigen Ligaturensatz in der Regel unvollständig. Darüberhinaus herrscht bei dieser Schriftgattung ein heilloses To­hu­wa­bo­hu bei der Adressierung (Codierung) der Ligaturen, beispielsweise beim Lang-f.

Schriftprobe der »Wilhelm-Klingspor-Schrift« von Rudolf Koch (1876–1934), die zwischen 1920 und 1926 bei der Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor in Offenbach am Main erschien. In der Bildmitte die gebräuchlichen Ligaturen für den deutschsprachigen Ligaturensatz in der Fraktur. Bei heutigen Varianten im OpenType-Format fehlen leider meist wichtige deutsche Ligaturen. Bildzitat: Schriftprobe gesetzt von Brigitte und Hans Peter Willberg aus »Fraktur« von Albert Kapr, Seite 125.
Schriftprobe der »Wilhelm-Klingspor-Schrift« von Rudolf Koch (1876–1934), die zwischen 1920 und 1926 bei der Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor in Offenbach am Main erschien. In der Bildmitte die gebräuchlichen Ligaturen für den deutschsprachigen Ligaturensatz in der Fraktur. Bei heutigen Varianten im OpenType-Format fehlen leider meist wichtige deutsche Ligaturen. Bildzitat: Schriftprobe gesetzt von Brigitte und Hans Peter Willberg aus »Fraktur« von Albert Kapr, Seite 125.

Wie auch im materiellen Schriftsatz, lassen sich Ligaturen bei OpenType Fonts im Sinne des Optischen Schriftweitenausgleichs nicht sperren, spationieren, unterschneiden oder ausgleichen, was insbesondere bei der Anpassung des Kernings bei Konsultationsgrößen und Ferngrößen sowie im Majuskelsatz sehr nachteilig sein kann. Wird beispielsweise die Normalschriftweite (NSW 0) einer Schrift bei einem kleinen Schriftgrad zur besseren Lesbarkeit erweitert, führt dies zwangsweise zu Problemen bei den Ligaturen.

Typographische Ligaturen in OpenType Fonts sind deshalb heute in erster Linie als Zierligaturen zu verstehen, wobei sehr qualifizierte Typographen/innen damit auch im Segment der Lesetypographie einen Schriftsatz durchaus ästhetisch aufwerten können. Dies erfordert allerdings sehr viel typographisches Fachwissen und ein sehr feines Gespür für Sprache und Typometrie. 22 )

Ligaturen bei Webfonts 

Wie bei OpenType Fonts ist es auch bei Webfonts technisch möglich, Antiqua-Ligaturen als Sonderzeichen in den Zeichenvorrat einer Schrift einzubinden, um diese dann beispielsweise in einen HTML-Text einzuarbeiten. Allerdings ist der Aufwand für den Typographen/in hier spürbar größer als mit professionellen DTP-Layout- und Satzprogrammen, da HTML-Editoren (z.B. Adobe Dreamweaver®) oder Webanwendungen (z.B. WordPress® oder TYPO3®) nicht für den mikrotypographischen Feinsatz ausgelegt sind. Noch mehr Aufwand erfordert die Verarbeitung von Fraktur-Ligaturen.

Special Features, wie z.B. die Funktion »Webschriftzeichen« beim grafischen HTML-Editor Adobe Muse®, welche die Darstellung von Ligaturen in modernen Browsern sicherstellen soll, sind mit den Regeln des deutschsprachigen Ligaturensatzes inkompatibel, da diese Autofunktionen nur stereotyp gewisse Buchstabenkombinationen (z.B. »ff« oder »fi«) gegen angelsächsische Standardligaturen austauschen, falls diese überhaupt vorhanden sind.

Die meisten aktuellen Clients (z.B. Safari® von Apple® oder Google Chrome® von Google®) können heute OpenType-Features verarbeiten, wobei es allerdings aufgrund systemimmanenter Technologiedefizite oft zu Darstellungsfehlern bei Ligaturen kommen kann, beispielsweise bei einer Abweichung vom Unicode®-Zeichencodierungsstandard oder bei der automatischen Interpretation von Ligaturen im Mozilla Firefox®. Insbesondere bei der Darstellung von deutschen Fraktur-Schriften sind Fehlinterpretationen bei Ligaturen sehr wahrscheinlich.

Ligaturen für Suchmaschinen und Rechtschreibprogramme

Typographische Ligaturen in System- oder Webfonts verhalten sich in aller Regel inkompatibel zu den Algorithmen von Suchmaschinen und Suchfunktionen auf Websites, da diese als Sonderzeichen interpretiert werden. Gleiches gilt für Rechtschreibprogramme, die Ligaturen nicht verifizieren können.

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps:   [ + ]

1.Quelle: Deutsche Rechtschreibung, Regeln und Wörterverzeichnis, entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung, überarbeitete Fassung des amtlichen Regelwerks 2004 mit den Nachträgen aus dem Bericht 2010. Zum Ersatz von »ß« durch »ss« oder »SS« siehe § 25 E2 und E3. Online verfügbar unter http://www.rechtschreibrat.com (30.3.2017).
2.Literaturempfehlung: Tschichold, Jan: Herkunft und Form des ß in der Fraktur und der Antiqua, Fachaufsatz. Eingebunden auch in der Publikation »Schriften 1925–1974«, Brinkmann & Bose, Berlin, Band 1, Seiten 242–244, ISBN 3-922660-37-1.
3.Literaturempfehlung: Tschichold, Jan: Formwandlung der ET-Zeichen. Erstausgabe als Broschüre im Eigenverlag, 1953. Eingebunden auch in der Publikation »Schriften 1925–1974«, Brinkmann & Bose, Berlin, Band 2, Seiten 120–140, ISBN 3-922660-36-3.
4.Anmerkung: Das »ß« (Eszett) wird im Majuskelsatz (Versalsatz) ausschließlich durch zwei Großbuchstaben, also »SS« dargestellt bzw. falls vorhanden durch eine spezielle Majuskelligatur dargestellt. Eine gesmischte Schreibweise, beispielsweise »MAßSYSTEM«, ist nicht zulässig.
5.Tipp: Bei automatischer Konvertierung von Kleinbuchstabenzeilen in Großbuchstabenzeilen bzw. in Kapitälchen ist darauf zu achten, dass die Minuskelligatur »ß« zweimal händisch durch »SS« ersetzt wird. Ansonsten stimmt die Spationierung zwischen den beiden Buchstaben nicht mehr.
6.Anmerkung: Das Deutsche Institut für Normung (DIN) und die Internationale Organisation für Normung (ISO) haben die Minuskelligatur »ß« in den Zeichensätzen ISO-10646 und Unicode 5.1. als Majuskelligatur für »ß« 2008 normiert. Es hat dort den Platz mit der Bezeichnung 1E9E. Die deutschen Rechtschreibregeln sowie die typographischen Regeln sind davon nicht betroffen, es handelt sich ausschließlich um eine Empfehlung.
7.Anmerkung: Obwohl »&« (et) umgangssprachlich auch als Kaufmanns-Und bezeichnet wird, ist es dennoch keine »Kaufmannsligatur« sondern eine »Wortligatur«.
8, 13.Anmerkung: Ob das Paragraphenzeichen »§« für »signum separationis« (lat. Zeichen der Trennung) eine Ligatur, eine Abbreviatur oder gar ein Abschnitts- oder Trennungszeichen war bzw. ist, darüber gehen die Expertenmeinungen auseinander.
9.Anmerkung: SEO ist die Abkürzung für »search engine optimization« und bedeutet Suchmaschinenoptimierung.
10.Literaturempfehlung: Faulmann, Carl: Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und Völker, Reprint im Augustus Verlag, ISBN 3-8043-0142-8. 
11.Anmerkung: Der erste Bildschirmarbeitsplatz BAP 2000 des VEB Typoart Dresden wurde erst 1985 produziert. Offiziell wurden in der DDR Blei-Schriftsetzer/innen bis 1990 ausgebildet.
12.Anmerkung: Tonligaturen sind phonetische Ligaturen und nicht zu verwechseln mit Ligaturen in der Musik.
14.Anmerkung: Betrachtungsweisen, dass der Einsatz von Minuskelligaturen im Segment der Lesetypographie auch heute noch elementar für einen guten Schriftsatz sei, ist pure Setzer-Romantik. Denn satztechnisch gesehen sind Ligaturen für professionelle Desktop Publishing Computerprogramme, beispielsweise InDesign® von Adobe® oder QuarkXpress® von Quark®, nicht mehr notwendig. Darüber hinaus entsprechen Ligaturen auch nicht mehr den heutigen Lesegewohnheiten.
15.Quelle: Tschichold, Jan: Herkunft und Form des ß in der Fraktur und der Antiqua, Fachaufsatz. Eingebunden auch in der Publikation »Schriften 1925–1974«, Brinkmann & Bose, Berlin, Band 1, Seite 242, ISBN 3-922660-37-1.
16.Quelle und Literaturempfehlung: Kapr, Albert: Fraktur. Form und Geschichte der gebrochenen Schriften, Verlag Hermann Schmidt, Mainz, 1993, Seite 95. ISBN 3-87439-260-0.
17.Anmerkung: Dies ist auch der Grund dafür, weshalb auch heute noch die Mehrheit aller Antiqua-Schriften keine Majuskelligatur für das deutsche »ß« (Eszett) besitzen.
18.Quelle: Luidl, Philipp: Typographie, Herkunft, Aufbau, Anwendung. Schlütersche Verlagsanstalt und Druckerei, Hannover, 1984, ISBN 3–87706-212–1, Seite 43–44.
19.Anmerkung: Der Kanton Zürich nutzte das »ß« ab dem 1. Januar 1938 nicht mehr. Am 4. November 1974 stellte auch die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) als letzte der Schweizer Zeitungen auf »ss« um. Quelle: Peter Müller, SOK, Schweizer Orthographische Konferenz, verfügbar online unter http://sok.ch/2007/11/eszett-in-der-schweiz/ (31.3.2017).
20.Anmerkung: Unicode® ist ein internationaler Standard des Unicode Consortiums, in dem langfristig für jedes Sinn tragende Schriftzeichen oder Textelement aller bekannten Schriftkulturen und Zeichensysteme ein digitaler Code festgelegt wird. Online verfügbar unter http://www.unicode.org (5.4.2017).
21.Literaturempfehlung: Bergerhausen, Johannes und Siri Poarangan: Decodeunicode, Die Schriftzeichen der Welt, Verlag Hermann Schmidt Mainz, ISBN 978-3-87439-813-8.
22.Tipp: Nur sehr geübte Typographen/innen sollten im Segment der Lesetypographie mit Ligaturen setzen. Denn nicht alles was technisch machbar ist, ist auch sinnvoll!