Typolexikon.de : Das Lexikon der westeuropaeischen Typographie : Herausgegeben von Wolfgang Beinert, Berlin.
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Makrotypographie

Segment der gestalterischen Typographie. Im Gegensatz zur Mikrotypographie beschreibt die Makrotypographie den optischen Gesamtkomplex einer gestalterischen Schriftsatzarbeit. Etymologisch rührt das Präfix » Makro- « für » groß, lang « vom altgriechischen » makrós « für » lang, groß « her und » Typo- « vom altgriechischen » typos «, das eigentlich » Schlag, Stoß «, später auch » Eindruck, Muster, Bild « bedeutet, analog zu » typtein « für » schlagen, hauen «, als Ursprung für das lateinische » typus «, das dann » Figur, Bild, Muster « meint; das Wort » -graphie « entspricht dem altgriechischen » -graphia « für das » Schreiben, Darstellen, Beschreiben « zu altgriechisch » graphein « für » ritzen, schreiben «.

In der Makrotypographie werden insbesondere die Funktion, der Stil, die Ästhetik und der didaktische Nutzen eines Druckerzeugnisses, einer New-Media-Arbeit oder einer dreidimensionalen Oberfläche festgelegt. Ein makrotypographischer Entwurf basiert auf einem Grob- oder Rohlayout.

DIE MAKROTYPOGRAPHIE UMFASST FOLGENDE TEILBEREICHE:

Wahl der Trägermaterialien (Naturpapiere, Feinstpapiere, Gestrichene Papiere, Kunststoffe, Bildschirme, Lichtprojektionen etc.)
Wahl der Produktions- bzw. Herstellungsverfahren (Offset, Tiefdruck, Blindprägedruck, Siebdruck, HTML, Flash etc.)
Wahl der Schrifttechnologie (
TrueType, PostScript, Screen-Schriften, Flashpixel, ISO-Pixelfonts, Bleitypen etc.)
Wahl der Farbsysteme (Euroscala, Echtfarben, Pantone ®, HKS, No-Fresh, RGB, Web-sichere Farben etc.)
Wahl der Maßsysteme (Metrisch, Zoll, Geviert, Typographischer Punkt, Pixel etc),
Wahl/Entwurf der Flächenformate (Papierformate, Screen-Formate, Grundrisse etc.)
Wahl/Entwurf eines Gestaltungsrasters oder Satzspiegels
Wahl der Schriftsatzart
Entwurf einer s
emantischen und typographischen Schriftauszeichnungsmatrix (Schriftmischung)
Wahl der Schriftgattungen, Schriftarten und Schriftstile [1] (Schriftklassifikation)
Wahl der
Schriftgrade [2]
Wahl der
Schriftfarben (Farbauszeichnung)

[1] In Makrotypographie erfolgt die Schriftwahl auf den Klassifikationsebenen der Haupt-, Unter- und Nebengruppen. Im folgenden Beispiel eine feine, edel anmutende Schrift mit feinen Serifen, eine kursive Klassizistische Antiqua im Stil einer Bodoni:

SCHRIFTGATTUNG [HAUPTGRUPPE]: Antiqua
SCHRIFTART [UNTERGRUPPE]: Klassizistische Antiqua
NEBENGRUPPE: Bodoni-Varianten
SCHRIFTSTIL [SCHRIFTSCHNITT]: Kursiv

In der Mikrotypographie entscheidet man sich dann für eine bestimmte Bodoni:

FONT: Bauer Bodoni ®
FOUNDRY: Linotype Library ®, 1996
TYPE DESIGNER: Giambattista Bodoni (1790), Jost, Heinrich und Höll, Lois (1926/1927)
FIGURENVERZEICHNIS: Mitteleuropa (nach ISO), Mac
TECHNOLOGIE: PostScript Type 1 für Mac

Merke: Schrift ist nicht gleich Schrift, auch wenn Schriften auf den ersten Blick ähnlich aussehen können oder vordergründig sogar den gleichen Namen tragen. Beispielsweise gibt es heute Duzende von Bodonis in den unterschiedlichsten Formen, Lagen, Stärken, Figurenverzeichnissen, Technologien, die auch noch völlig unterschiedlich auf Produktionsverfahren, Farben sowie Trägermaterialien reagieren und auch unterschiedliche Lauf- und Umbruchverhalten (Lesbarkeit) aufweisen.
[2] Im Segment der Makrotypographie wird der Schriftgrad relativ festgelegt. Z.B. eine Bodoni in 10 Punkt. Erst in der Mikrotypographie wird dann – nachdem ein konkreter Font gewählt wurde, der Schriftgrad exakt fixiert, also beispielsweise eine Bauer Bodoni von Linotype in 10,5 Pica Point. Ebenso werden sämtliche Auszeichnungsschriften, welche in der Schriftmatrix dokumentiert wurden, auf Basis der Grundschrift kalibriert.
[T] Natürlich gehen Makro- und Mikrotypographie Hand in Hand. Je mehr Wissen und Übung ein Typograph hat, desto mehr verschmelzen die Arbeitschritte beider Segmente ineinander.

Aufsatz zuletzt bearbeitet am 26.02.2009
von
Wolfgang Beinert




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Quelle: © Wolfgang Beinert, Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie
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