Mendell, Pierre

US-ame­ri­ka­ni­scher Gra­fik­de­si­gner und Pla­kat­ge­stal­ter. Gebo­ren am 17.11.1929 in Essen in Nord­rhein-West­fa­len. Gestor­ben am 19.12.2008 in Mün­chen in Bay­ern. Pier­re Men­dell zählt im Seg­ment des Gra­fik­de­signs zu den wich­ti­gen Pla­kat­künst­lern in Deutsch­land. Über­re­gio­nal bekannt wur­de er ins­be­son­de­re durch sei­ne Pla­ka­te für die Neue Samm­lung, einem staat­li­chen Muse­um für ange­wand­te Kunst in Mün­chen, und für die Baye­ri­sche Staats­oper. Von 1961 bis 2000 führ­te er zusam­men mit Klaus Oberer (*1937) 1 ) in Mün­chen das »Gra­phic Desi­gn Stu­dio Men­dell & Oberer«.

Pierre Mendell, US-amerikanischer Grafikdesigner und Plakatgestalter. Geboren am 17.11.1929 in Essen in Nordrhein-Westfalen. Gestorben am 19.12.2008 in München in Bayern. Foto: Auftragsarbeit von Pierre Mendell zur Veröffentlichung u.a. durch Wolfgang Beinert von ihm persönlich freigegeben. Fotograf und Jahr unbekannt. Die Fotografie könnte um das Jahr 2000 entstanden sein.
Pier­re Men­dell, US-ame­ri­ka­ni­scher Gra­fik­de­si­gner und Pla­kat­ge­stal­ter. Gebo­ren am 17.11.1929 in Essen in Nord­rhein-West­fa­len. Gestor­ben am 19.12.2008 in Mün­chen in Bay­ern. Foto: Auf­trags­ar­beit von Pier­re Men­dell zur Ver­öf­fent­li­chung u.a. durch Wolf­gang Bei­nert von ihm per­sön­li­ch frei­ge­ge­ben. Foto­graf und Jahr unbe­kannt. Die Foto­gra­fie könn­te um das Jahr 2000 ent­stan­den sein.

Eini­ge sei­ner Pla­ka­te für die Neue Samm­lung und die Baye­ri­sche Staats­oper fan­den weit über die Gren­zen Deutsch­lands hin­aus Beach­tung. Neben der Pla­kat­ge­stal­tung arbei­te­te Pier­re Men­dell auch in den Dis­zi­pli­nen Cor­po­ra­te Desi­gn sowie Buch- und Ver­pa­ckungs­ge­stal­tung. Sei­ne gra­fi­schen Arbei­ten, die bis Ende 1999 zusam­men mit sei­nem Kom­pa­gnon Klaus Oberer ent­stan­den, wur­den im Zeit­raum von 1971 bis 2002 rund ein Dut­zend Mal inter­na­tio­nal aus­ge­zeich­net, u.a. mit der Gold­me­dail­le des Art Direc­tors Club New York. 1993 erhielt er den Design­preis der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen. 2 )

Über sei­ne frü­hen Jah­re war bis­her wenig bekannt. Men­dell galt dies­be­züg­li­ch als sehr ver­schlos­sen. »Er hat nie­mals über sei­ne Kind­heit oder Jugend gespro­chen (…) er war da immer äußer­st zurück­hal­tend (…) obwohl ich ihn schon – ich glaub seit Anfang oder Mit­te der 80i­ger Jah­re – gut kann­te (…) von der AGI her (…) aber er hat eigent­li­ch nie über sich pri­vat erzählt (…) viel­leicht war da was? …«, so Kurt Wei­de­mann (1922–2011) im Jah­re 2009. 3 ) 

Sei­ne Kind­heit und Jugend waren geprägt durch die Flucht vor dem Nazi­re­gime. Nach der Macht­ergrei­fung der Natio­nal­so­zia­lis­ten im Jah­re 1933 – und der ein­her­ge­hen­den Juden­ver­fol­gung – flüch­ten »Wolf­gang Men­dell« und sei­ne Eltern 1934 in die neu­tra­len Nie­der­lan­de. Zu Beginn der deut­schen Beset­zung der Nie­der­lan­de (1939–1945) flie­hen sie dann wei­ter zu Fuß nach Paris (Frank­reich), wo sie bis zum Ein­mar­sch der deut­schen Trup­pen bis 1940 leben. Wolf­gang Men­dell geht dort zu Schu­le. Da die Fran­zo­sen Pro­ble­me mit der Aus­spra­che sei­nes deut­schen Vor­na­mens »Wolf­gang« hat­ten, änder­te er die­sen in »Pier­re«. Auf der Flucht vor Nazi-Deutsch­land und ihren Kol­la­bo­ra­teu­ren flüch­ten die Men­dells vor Beginn des Ein­mar­sches der Deut­schen aus Paris in die Hafen­stadt Mar­seil­le (Pro­vence-Alpes-Côte d’Azur, Süd­frank­reich), wo sie ursprüng­li­ch per Schiff in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka (USA) exi­lie­ren woll­ten. Dies erwies sich jedoch auf­grund ihrer Staa­ten­lo­sig­keit als unmög­li­ch – denn Juden gal­ten für das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Deutsch­land – und somit auch im besetz­te Frank­reich – als staa­ten­los. 

In Mar­seil­le konn­te sich Men­dells Mut­ter nur knapp einer Ver­haf­tung durch fran­zö­si­sche Häscher des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­lands ent­zie­hen, indem sie im Win­ter, mit nur einem Nacht­hemd beklei­det, aus dem Fens­ter sprang. Men­dell wur­de bei die­ser Akti­on von fran­zö­si­schen Kol­la­bo­ra­teu­ren fest­ge­hal­ten, wobei er sich aber los­rei­ßen und ent­flie­hen konn­te.

Erst nach der Befrei­ung von Mar­seil­le durch ame­ri­ka­ni­sche Trup­pen fin­det sich eine Gele­gen­heit für Pier­re Men­dell und sei­ne Mut­ter, mit einem Pas­sa­gier­schiff in die USA zu emi­grie­ren. »Als der Krieg zu Ende war, schiff­ten wir nach Ame­ri­ka ein«, so Pier­re Men­dell 2007 zu Wolf­gang Bei­nert. Sein Vater kehrt zeit­gleich ins Elsass (Régi­on Alsace, Frank­reich), spä­ter dann nach Essen zurück.

In den USA ange­kom­men, leben Men­dell und sei­ne Mut­ter an der Pazi­fik­küs­te in Big Sur im US-Bun­des­staat Kali­for­ni­en (USA). Sie fin­den dort Auf­nah­me bei einer Gast­fa­mi­lie, bei der Men­dells Mut­ter auch als Köchin arbei­tet. Pier­re Men­dell wird von die­ser Fami­lie fast wie ein Sohn auf­ge­nom­men und geför­dert. Zum Freun­des­kreis die­ser Fami­lie zäh­len Intel­lek­tu­el­le und Künst­ler, u.a. der Schrift­stel­ler Hen­ry Mil­ler (1891–1980). Men­dell kommt dadurch erst­mals mit Kunst und Kul­tur in Berüh­rung. Sei­ne Mut­ter zieht es aller­dings nach kur­zer Zeit wie­der nach Euro­pa ins Elsass zurück. Pier­re Men­dell bleibt allei­ne in den USA und besucht dort eine Schu­le, ver­mut­li­ch ein Col­le­ge.

Mit Hil­fe sei­ner Gast­fa­mi­lie erhält er 1947 die Staats­bür­ger­schaft der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka (USA), da ihm die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit von den Natio­nal­so­zia­lis­ten aus ras­sis­ti­schen Grün­den ent­zo­gen wur­de. Demons­tra­tiv lehn­te Men­dell des­halb bis zu sei­nem Tode die durch das deut­sche Grund­ge­setz ver­brief­te Opti­on einer Wie­der­ein­set­zung der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit (Art. 116) ab. »Er war immer stolz dar­auf, US-Bür­ger zu sein (…) außer zur Zei­ten Geor­ge W. Bushs (…) er ver­län­ger­te jedes Mal pünkt­li­ch sei­ne deut­sche Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung«, so Annet­te Krö­ger, Assis­ten­tin von Pier­re Men­dell. 4 )

1953 kehrt Pier­re Men­dell im Alter von 24 Jah­ren als Sol­dat der United Sta­tes Army im Ran­ge eines »Pri­va­te First Class« nach Deutsch­land zurück, wo er bis zum Ende sei­ner Wehr­pflicht in der Nähe von Wies­ba­den (Hes­sen) als Dol­met­scher ein­ge­setzt wird. Nach der Ent­las­sung aus der US-Army fin­det er Arbeit bei einem Onkel, der im Elsass (Régi­on Alsace) in der Nähe von Basel (Schweiz) ein Tex­til­ge­schäft betreibt und für den schon sein Vater als Han­dels­ver­tre­ter arbei­te­te. Die Tätig­keit sagt Men­dell aller­dings lang­fris­tig nicht zu. Er möch­te krea­tiv tätig sein und Gebrauchs­gra­fi­ker wer­den. Er bemüht sich des­halb mit­tels sei­ner US-Kon­tak­te um eine Aus­bil­dung in der Schweiz.

1958 beginnt er im Alter von 30 Jah­ren eine Aus­bil­dung an der »All­ge­mei­nen Gewer­be­schu­le Basel« – heu­te »Schu­le für Gestal­tung Basel« – in der Gra­fik­fach­klas­se des schwei­zer Gebrauchs­gra­fi­kers und Litho­gra­fen Armin Hof­mann (*1920). Hof­mann nimmt Men­dell wegen sei­nes höhe­ren Alters ein Jahr frü­her in sei­ne Fach­klas­se auf.

Auf­grund einer Anfra­ge des Gebrauchs­gra­fi­kers Klaus Oberer und einer dar­aus resul­tie­ren­den Emp­feh­lung von Armin Hof­mann, erhält Pier­re Men­dell in Mün­chen bei dem renom­mier­ten Wer­be­gra­fi­ker und Pla­kat­ge­stal­ter Pavel Micha­el Engel­mann (1928–1966) einen Feri­en­job, wo er sei­nen spä­te­ren Kom­pa­gnon näher ken­nen lernt. 5 ) Oberer besuch­te von 1955 bis 1959 eben­falls die Gra­fik­fach­klas­se von Armin Hof­mann und ist von 1959 bis 1961 für Engel­mann als stän­di­ger frei­be­ruf­li­cher Mit­ar­bei­ter tätig.

Nach den Som­mer­fe­ri­en kehrt Men­dell nach Basel zurück. Im Stu­dio von Engel­mann herr­schen unter­des­sen ange­spann­te Ver­hält­nis­se: Engel­mann ist oft im In- und Aus­land unter­wegs, die Auf­trä­ge häu­fen sich und Klaus Oberer kann als allei­ni­ger Mit­ar­bei­ter die­se nur schwer­li­ch abar­bei­ten. Oberer nimmt des­halb Kon­takt zu Men­dell auf, um ihn zu über­re­den, wie­der nach Mün­chen zu kom­men. In Rück­spra­che mit Hof­mann, der auch mit Engel­mann befreun­det ist, bricht Men­dell sei­ne Aus­bil­dung in Basel ab und zieht nach Mün­chen, um zusam­men mit Oberer für Engel­mann zu arbei­ten.

Im Ate­lier von Engel­mann in der Münch­ner Uhland­stra­ße (Nähe The­re­si­en­wie­sen) arbei­ten Oberer und Men­dell nahe­zu rund um die Uhr die Kun­den­auf­trä­ge ab, bei­spiels­wei­se Anzei­gen für Bols (Geträn­ke) und Par­ke-Davis (Phar­ma). »Ich arbei­te­te damals für 400,- Mark im Monat rund um die Uhr, meist auch an den Wochen­en­den (…) der Men­dell dann auch«, so Klaus Oberer. 6 )

Dabei freun­den sich die bei­den an; der Beginn einer sym­bio­ti­schen Freund­schaft, die rund 40 Jah­re lang hal­ten wird. Um den chao­ti­schen Arbeits­be­din­gun­gen bei Engel­mann zu ent­flie­hen, ent­schlie­ßen Oberer und Men­dell gemein­sam, dort auf­zu­hö­ren und in Paris ein gemein­sa­mes Gra­fik­de­sign­stu­dio zu eröff­nen. Kurz bevor die bei­den ihren Plan aller­dings in die Tat umset­zen kön­nen, ver­schwin­det 1961 Engel­mann spur­los aus sei­nem Ate­lier und kommt nicht wie­der. Nach einer anfäng­li­ch gro­ßer Rat­lo­sig­keit ent­schei­den Oberer und Men­dell in Abspra­che mit Engel­manns Kun­den und dem Woh­nungs­ver­mie­ter, das Ate­lier vor­er­st wei­ter­zu­füh­ren. Sie fir­mie­ren fort­an unter »Gra­phic Desi­gn Stu­dio Men­dell & Oberer«. Nach fast einem Jahr taucht Engel­mann plötz­li­ch wie­der auf und for­dert »sein Ate­lier und sei­ne Kun­den« zurück. Men­dell, Oberer, Engel­mann und die Auf­trag­ge­ber ver­stän­di­gen sich. Etwa die Hälf­te der Kun­den bleibt bei Engel­mann, die ande­ren Hälf­te möch­te mit Men­dell & Oberer zusam­men­ar­bei­ten.

1962 zie­hen Men­dell & Oberer mit ihren »neu­en alten Kun­den« in Mün­chen aus der Uhland­stra­ße in ein Büro in der Otto­stra­ße (Nähe Karlsplatz/Stachus) um. Die Arbeits­tei­lung der bei­den sieht vor, dass Men­dell sich um »außen« und Oberer sich um »innen« küm­mert. Men­dell ist fort­an für die Außen­wir­kung des Stu­di­os (Öffent­lich­keits­ar­beit) und den Kon­takt zu den Kun­den ver­ant­wort­li­ch, Oberer für das ope­ra­ti­ve Geschäft, die Imple­men­tie­rung der Ent­wür­fe, die Foto­gra­fie und die Pro­duk­ti­on. Alle gra­fi­schen Arbei­ten wer­den mehr oder weni­ger gemein­sam gestal­tet und bespro­chen.

In den 1960er Jah­ren ent­ste­hen die ers­ten gra­fi­schen Arbei­ten unter eige­nem Namen, z.B. für das Inter­na­tio­na­le Desi­gn Zen­trum Ber­lin (Signet, 1967), die Gale­rie Hei­ner Fried­rich in Mün­chen (Aus­stel­lungs­pla­ka­te Blin­ky Paler­mo und Ger­hard Rich­ter, 1967), das Gewer­be­mu­se­um Basel (Pla­kat für eine Austel­lung von Alum­ni der Kunst­ge­wer­be­schu­le Basel, 1967), Cap­su­gel AG (Fach­an­zei­gen, 1967) und Par­ke-Davis Phar­maceuti­cal Mün­chen (Fach­an­zei­gen, 1962–1965).

1965 zie­hen Men­dell & Oberer von der Otto­stra­ße in die Widen­may­er­stra­ße 12 (Lehel), in eine klas­si­sche Alt­bau­woh­nung aus der Grün­der­zeit. Zuer­st in das Hoch­par­terre, eini­ge Jah­re spä­ter dann in den ers­ten Sto­ck. Pier­re Men­dell zog Jah­re spä­ter auch pri­vat in das glei­che Haus. Er wohn­te zuert in den hin­te­ren Räu­men des Ate­liers im 1. Sto­ck, dann zog er pri­vat in eine Woh­nung in der drit­ten Eta­ge. Ab 1965 arbei­ten sie gele­gent­li­ch auch für Wil­ly Fleck­haus (1925–1983), den Art­di­rec­tor des Maga­zins »twen«, einem jun­gen und pola­ri­sie­ren­den Lif­sty­le-Maga­zin, des­sen Redak­ti­ons­räu­me sich eben­falls in der Widen­may­er­stra­ße befan­den. 7 )

1970 tritt Men­dell auf Anra­ten von Oberer in den Werk­bund ein und lernt dabei Hans Wich­mann (*1905), den Lei­ter des Deut­scher Werk­bunds Bay­ern ken­nen. Wich­mann wird zu einem wich­ti­gen För­de­rer und PR-Mul­ti­pli­ka­tor des Gra­fik­de­sign­stu­di­os Men­dell & Oberer. 8 ) In den 1970er Jah­ren gestal­ten Men­dell & Oberer u.a. für Cap­su­gel AG (Signet, 1974), Euro­pa­lia (Deut­sch-Bel­gi­scher Kul­tur­aus­tau­sch und Fes­ti­val, 1976), Schlag­heck & Schul­tes Desi­gn (Anzei­ge, 1979), Alois Dall­mayr (Signet und Ver­pa­ckun­gen, Ent­ste­hungs­jahr unbe­kannt) und eine Edel­stahl­plas­tik in Otto­brunn (1974). Anfang der 1970er Jah­re erhält Men­dell & Oberer erst­mals eine Aus­zeich­nung, eine Gold­me­dail­le des Art Direc­tors Clubs Deutsch­land, des­sen Prä­si­dent 1972 Wil­ly Fleck­haus wird.

1980 wird Hans Wich­mann lei­ten­der Samm­lungs­di­rek­tor der Neu­en Samm­lung in Mün­chen. Er bie­tet Pier­re Men­dell und Klaus Oberer die ein­ma­li­ge Chan­ce, sämt­li­che Aus­stel­lungs­pla­ka­te, Ein­la­dun­gen und Buch­um­schlä­ge zu gestal­ten. Die Neue Samm­lung ent­wi­ckelt sich fort­an zum pres­ti­ge­träch­ti­gen Auf­trag­ge­ber, der ins­be­son­de­re im öffent­li­chen Raum und von ande­ren öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen und gra­fi­schen Samm­lun­gen, z.B. vom Muse­um of Modern Art in New York, wahr­ge­nom­men wird.

Dane­ben arbei­ten Men­dell & Oberer in den 1980er Jah­ren für Agfa Geva­ert (Pla­kat zur Pro­dukt­ein­füh­rung einer Film­ka­me­ra, 1980), Baye­ri­sche Staats­ge­mäl­de­samm­lun­gen (Pla­kat zur Eröff­nung der Neu­en Pina­ko­thek, 1981) Mar­ker Ski­bin­dun­gen (Pla­kat zur Ein­füh­rung einer neu­en Ski­bin­dung, 1981), Harry´s (Tra­ge­ta­sche für ein Mode­ge­schäft, 1981), Libero Kin­der-Sport­schu­he (Signet, 1981), Fischer Ver­lag (Umschlä­ge Fischer Wis­sen­schaft, 1981), Vide­on Video­the­ken (CD und Pla­ka­te, 1981) Kind­ler Ver­lag (Schutz­um­schlag, 1982), IBM (Umschlag für eine Bro­schü­re zum 50-jäh­ri­gen Jubi­lä­um, 1984), Kie­ler Woche (Pla­kat für die Segel­re­gat­ta, 1985), Ange­la Gras­hoff (Tra­ge­ta­schen für ein Mode­ge­schäft, 1985) und Kel­ler & Kalm­bach (Ver­pa­ckung für Schrau­ben, 1985), Mode­haus Lan­ge (Signet 1985), Olden­bourg Ver­lag (Umschlä­ge, 1986), desi­gnfunk­ti­on (Pla­kat, 1987), City­Golf (Schrift­zug, 1986) und Sie­mens (Rede­si­gn Cor­po­ra­te Logo, 1989).

1984 erscheint das Port­fo­lio »Gra­phic Desi­gn: Men­dell & Oberer«, eine Begleit­pu­bli­ka­ti­on zu einer publi­kums­wirk­sa­men mono­gra­phi­schen Aus­stel­lung in der Neu­en Samm­lung in Mün­chen, die von Hans Wich­mann initi­iert und geför­dert wird. Mit­te der 80i­ger Jah­re tritt Men­dell in die Alli­an­ce Gra­phi­que Inter­na­tio­na­le (AGI) ein, einer inter­na­tio­nal agie­ren­den Ver­ei­ni­gung von Gra­fik­de­si­gnern, die 1951 in der Schweiz gegrün­det wur­de und bei der auch Men­dells ehe­ma­li­ger Leh­rer Armin Hof­mann Mit­glied ist. Zuvor war Men­dell Mit­glied im Bund deut­scher Gra­fik­de­si­gner (BDG) und in der Typo­gra­phi­schen Gesell­schaft Mün­chen (TGM), die er aber bei­de vor Ein­tritt in die AGI ver­lässt. 9 ) Ab 1987 bis 1996 unter­rich­tet Men­dell an der Som­mer­aka­de­mie der Yale Uni­ver­si­ty in Bris­sa­go in der Schweiz, deren Lei­ter nun sein ehe­ma­li­ger Leh­rer Armin Hof­mann ist und die 1977 vom US-ame­ri­ka­ni­schen Gra­fik­de­si­gner Paul Rand (1914–1996) initi­iert wur­de. Ende der 1980er Jah­re ver­mit­telt Men­dell eine Aus­stel­lung mit gra­fi­schen Arbei­ten von Armin Hof­mann an die Neue Samm­lung in Mün­chen (27.10.1989 bis 14.1.1990), für die er 1989 auch das Pla­kat gestal­tet.

1990 wird Flo­ri­an Huf­nagl (*1948) lei­ten­der Samm­lungs­di­rek­tor der Neu­en Samm­lung in Mün­chen. Huf­nagl war bereits unter Hans Wich­mann Kura­tor. 10 ) Er ist somit bes­tens mit der Arbeits­wei­se von Men­dell & Oberer ver­traut. Huf­na­gel setzt die erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit mit Men­dell & Oberer fort, wel­che erst mit Men­dells Tod 2008 enden wird. 11 ) 

Plakat »Vor Gott sind alle Menschen gleich«, eine Initiative von Pierre Mendell (Entwurf: Pierre Mendell, 1995) und Plakat »Japanische Plakate« für die Neue Sammlung München (Mendell & Oberer, Entwurf: Pierre Mendell, Foto: Klaus Oberer, 1988).
Pla­kat »Vor Gott sind alle Men­schen gleich«, eine Initia­ti­ve von Pier­re Men­dell (Ent­wurf: Pier­re Men­dell, 1995) und Pla­kat »Japa­ni­sche Pla­ka­te« für die Neue Samm­lung Mün­chen (Men­dell & Oberer, Ent­wurf: Pier­re Men­dell, Foto: Klaus Oberer, 1988).

Men­dell & Oberer gestal­te­ten von 1980 bis 2000 – bzw. Men­dell allei­ne bis 2008 – mehr­heit­li­ch die Pla­ka­te für die Neue Samm­lung in Mün­chen, wel­che auch in die per­ma­nen­te Samm­lung des Muse­ums auf­ge­nom­men wur­den. Das letz­te Pla­kat ent­stand mit sei­ner Assis­ten­tin Annet­te Krö­ger und erschien im Zuge einer Fran­co Cli­vio Aus­stel­lung im Febru­ar 2009. 12 )

1993 beauf­tragt Sir Peter Jonas (*1946), Staats­in­ten­dant der Baye­ri­schen Staats­oper in Mün­chen, Men­dell & Oberer, die Pla­ka­te für die Baye­ri­sche Staats­oper zu gestal­ten. Eine Zusam­men­ar­beit, die wäh­rend der gesam­ten Staats­in­ten­d­anz von Sir Peter Jonas von 1993 bis 2006 bestehen wird. 13 ) 14 ) 

Ende 1995 wird Susan­ne May (*1959) Pro­gramm­di­rek­to­rin der Münch­ner Volks­hoch­schu­le (MVHS). Beein­druckt von den gra­fi­schen Arbei­ten für die Baye­ri­sche Staats­oper beauf­tragt sie Men­dell & Oberer mit der Über­ar­bei­tung des visu­el­len Erschei­nungs­bil­des, wel­ches 1996 zum ein­hun­dert­jäh­ri­gen Jubi­lä­um der MVHS imple­men­tiert wird. Ab Ende 1998 bis 2008 gestal­tet Men­dell unter­schied­li­che Pla­kat­se­ri­en für die MVHS. 15 ) Des Wei­te­ren arbei­ten Men­dell & Oberer in den 1990er Jah­ren u.a. für Sie­mens, Vitra (Cor­po­ra­te Logo, Bro­schü­re, 1994) und das Münch­ner Stadt­mu­se­um (Pla­kat, 1995).

1999 erhält Men­dell von der bri­ti­schen Royal Socie­ty for the Encou­ra­ge­ment of Arts, Manu­fac­tures & Com­mer­ce (RSA) in Lon­don die Aus­zeich­nung »Hono­ra­ry Royal Desi­gner for Indus­try of the Royal Socie­ty of Arts«, eine Wür­di­gung der RSA für aus­län­di­sche Desi­gner.

Im Janu­ar 2000 tren­nen sich nach 39 Jah­ren erfolg­rei­cher Part­ner­schaft Pier­re Men­dell und Klaus Oberer. Die bei­den ver­ein­ba­ren, dass Men­dell das Stu­dio in der Widen­may­er­stra­ße in Mün­chen behält, wobei die­ses nun unter »Men­dell Gra­phic Desi­gn« fir­miert. Oberer zieht in die Schweiz in den Kan­ton Tes­sin und nimmt eine Bera­ter­tä­tig­keit bei der desi­gna­f­airs GmbH an, einer Desi­gnagen­tur ihres lang­jäh­ri­gen Kun­den Sie­mens. 16 )

2002 ver­dich­ten sich die Anzei­chen, dass Men­dell unter »Amyo­tro­phe Late­ral­skle­ro­se« lei­det, einer dege­ne­ra­ti­ven Krank­heit des moto­ri­schen Ner­ven­sys­tems. Am 16. Mai 2002 hält Men­dell in Mün­chen im Ate­lier des Gra­fik­de­si­gners Wolf­gang Bei­nert sei­nen letz­ten öffent­li­chen Vor­trag vor Stu­den­ten und Kol­le­gen. 17 ) Ein paar Wochen spä­ter trifft er in einer Züri­cher Gale­rie ein letz­tes Mal Klaus Oberer. Men­dell ist bereits von der Krank­heit gezeich­net; er trägt sei­nen Arm in einer Bin­de, weil er die ers­ten Läh­mungs­er­schei­nun­gen hat. Die Krank­heit nimmt ab 2003 spür­bar ihren Lauf. Men­dell zieht sich aus der Öffent­lich­keit zurück. Er ist fort­an auf die Hil­fe von Freun­den ange­wie­sen.

Annet­te Krö­ger, die seit 1997 als Gra­fik­de­si­gne­rin bei Men­dell & Oberer arbei­tet, über­nimmt suk­zes­si­ve die ope­ra­ti­ven und reprä­sen­ta­ti­ven Auf­ga­ben des Stu­di­os. Vom 5. April bis 5. Juni 2008 fin­det in der Aspek­te Gale­rie der Münch­ner Volks­hoch­schu­le die Aus­stel­lung »Pier­re Men­dell – Pla­ka­te für die Bil­dung« statt. »(…) lei­der konn­te er selbst nicht anwe­send sein, er wur­de von sei­ner lang­jäh­ri­gen Assis­ten­tin, Frau Krö­ger, ver­tre­ten. (…) er hat sich aber die Lage­plä­ne schi­cken las­sen, hat bestimmt wo wel­ches Pla­kat gehängt wur­de, wie pla­ziert und wel­che Aus­wahl getrof­fen wer­den soll­te (…) das Book­let wur­de auch von ihm bzw. Frau Krö­ger gestal­tet (…)«, so Susan­ne Lößl. 18 )

Am 19. Dezem­ber 2008 stirbt Pier­re Men­dell infol­ge sei­ner lan­gen Krank­heit in einer Münch­ner Kli­nik.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Vie­le Infor­ma­tio­nen in die­ser Kurz­bio­gra­phie von Wolf­gang Bei­nert zu Pier­re Men­dells Kind­heit und Jugend basie­ren auf Erzäh­lun­gen sei­nes lang­jäh­ri­gen Freun­des und ehe­ma­li­gen Kom­pa­gnons Klaus Oberer (* 1937 in Basel). Oberer lebt heu­te in Worps­we­de in Nie­der­sach­sen. Quel­le: Klaus Oberer in Gesprä­chen mit Wolf­gang Bei­nert am 27. und 28. Janu­ar 2009.
2.Quel­len: Web­site von Pier­re Men­dell, www​.men​dell​-desi​gn​.de, besucht am 29.1.2009 und Web­site der Lhst. Mün­chen, www​.muen​chen​.de, besucht am 29.1.2009.
3.Quel­le: Prof. Dr. hc. Kurt Wei­de­mann (1922–2011) in einem Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert am 27.1.2009 in Mün­chen.
4.Quel­le: Annet­te Krö­ger, Assis­ten­tin von Pier­re Men­dell, in einem Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert am 28.1.2009 in Mün­chen.
5.Anmer­kung: Micha­el Engel­mann teil­te ein ähn­li­ches Schick­sal wie Men­dell. 1941 mus­s­te er als »Halb­ju­de« mit sei­nem Vater in die USA exi­lie­ren. Engel­mann zähl­te in Deutsch­land zu den renom­mier­ten Gra­fik­de­si­gnern. Er arbei­te­te u.a. für Bols, Libel­la, Renault und Roth-Händ­le. Im Alter von 37 Jah­ren nahm er sich in Düs­sel­dorf das Leben.
6.Quel­le: Klaus Oberer im Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert am 28. Janu­ar 2009.
7.Quel­le: Micha­el Koetz­le und Cars­ten M. Wolff (Hrsg.): Fleck­haus. Deutsch­lands ers­ter Art Direc­tor, Sei­te 89, Ver­lag Klink­hardt & Bier­mann, 1979, ISBN 3–7814-0405–6.
8.Quel­len: Pier­re Men­dell im Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert am 2. Mai 2002 und der Auf­satz »Eine Span­ne gemein­sa­men Weges« von Hans Wich­mann im Aus­stel­lungs­ka­ta­log »Gra­phic Desi­gn Men­dell und Oberer«, her­aus­ge­ge­ben von Hans Wich­mann anläss­li­ch einer Aus­stel­lung in der Neu­en Samm­lung, Staat­li­ches Muse­um für ange­wand­te Kunst, Mün­chen. Birk­häu­ser Ver­lag, 1987. ISBN 3–7643-1905–4.
9.Quel­le: Annet­te Krö­ger, Assis­ten­tin von Pier­re Men­dell, in einem Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert am 28.1.2009. Die genau­en Zeit­räu­me der Mit­glied­schaf­ten konn­ten nicht eru­iert wer­den.
10.Quel­le: Josef Stra­ßer, Kon­ser­va­tor der Neue Samm­lung in Mün­chen in einem Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert im Janu­ar 2009.
11.Quel­le: Pres­se­mit­tei­lung zum Tode von Pier­re Men­dell, Form, The Making of Desi­gn, www​.form​.de, Web­site besucht am 2.2.2009.
12.Quel­le: Dr. Josef Stra­ßer, Kon­ser­va­tor, Die Neue Samm­lung, Staat­li­ches Muse­um für ange­wand­te Kunst, Mün­chen, Tür­ken­stra­ße 15 (Pina­ko­thek der Moder­ne) im Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert im Janu­ar 2009, www​.die​-neue​-samm​lung​.de.
13.Quel­le: Sir Peter Jonas im Gespräch mit Wolf­gang Bei­nert im April 2009 in Mün­chen und Pres­se­mit­tei­lung Dezem­ber 2009 der Baye­ri­schen Staats­oper, Max-Jose­ph-Platz 2, Mün­chen, www​.baye​ri​sche​.staats​oper​.de.
14.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Pier­re Men­dell, Pla­ka­te für die Oper, Aus­stel­lungs­ka­ta­log in deut­scher und eng­li­scher Spra­che, Her­aus­ge­ge­ben von der Baye­ri­schen Staats­oper. Auto­ren: Sir Peter Jonas, Flo­ri­an Huf­nagl, Ulri­ke Hess­ler, Karl Micha­el Armer und Lars Mül­ler.
15.Quel­len: Vor­wort »IQ statt PS …« von Susan­ne May aus dem Book­let zur Aus­stel­lung »Pier­re Men­dell – Pla­ka­te für die Bil­dung«, Münch­ner Volks­hoch­schu­le, und Susan­ne Lößl, Münch­ner Volks­hoch­schu­le, Schrift­ver­kehr mit Wolf­gang Bei­nert vom 4.2.–12.2.2009. Münch­ner Volks­hoch­schu­le GmbH, Gas­teig, Kel­ler­stra­ße 6, 81667 Mün­chen, www​.mvhs​.de.
16.Lite­ra­tur­emp­feh­lung: Pier­re Men­dell, Auf den ers­ten Bli­ck, Ver­lag Lars Mül­ler Publis­hers, 2001. ISBN 3−907044−49−5 (Cover eng­lish) und ISBN 3−907078−64−0 (Cover deut­sch).
17.Quel­le: Ate­lier­ge­spräch mit Pier­re Men­dell vom 16. Mai 2002 im Ate­lier Bei­nert in Mün­chen, http://​www​.bei​nert​.net/​p​i​e​r​r​e​-​m​e​n​d​e​l​l​-​a​u​f​-​d​e​n​-​e​r​s​t​e​n​-​b​l​ick.
18.Quel­le: Susan­ne Lößl, Münch­ner Volks­hoch­schu­le, in einem Schrei­ben an Wolf­gang Bei­nert vom 12.2.2009.