Minuskel

Kleinbuchstabe. Wissenschaftlicher Terminus für den kleinen Buchstaben eines altgriechischen und römischen Alphabets karolingischen Ursprungs. In der Typographie, der Paläographie, der Paläotypie, der Epigraphik und in den Sprachwissenschaften seit dem 19. Jahrhundert als peripherer Begriff für »Kleinbuchstabe« gebräuchlich. Im gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Schriftsetzer und Drucker im Plural auch als »Gemeine« (im Sinne von klein, nieder) bezeichnet. 

Etymologisch vom mittellateinischen »minuscula (litera)« zu lateinisch »minusculus« für »etwas kleiner« zu lateinisch »minus« für »weniger, kleiner«. Das Pendant zu Minuskel ist Majuskel, der Großbuchstabe eines Alphabets.

Unsere heutigen Kleinbuchstaben beziehen ihre Herkunft aus der »Karolingischen Minuskel« und der »Humanistica« (Humanistische Minuskel), die im Wesentlichen auf der Carolina und der klassischen »Littera antiqua« – einer klaren kalligraphischen Schrift, die bereits der Theologe und Philosoph Augustinus von Hippo (um 354–430) verwendete – basierte (siehe Schriftgeschichte).

Schriftprobe einer frühen Karolingischen Minuskel, vermutlich aus dem ehemaligen Kloster Corbie in Frankreich, die der Heidelberger Wissenschaftler Tino Licht um 765 datiert. Sie soll also bereits vor der Regierungszeit Karls des Großen entstanden sein. Quelle: Licht, Tino: Die älteste karolingische Minuskel, Mittellateinisches Jahrbuch, Internationale Zeitschrift für Mediävistik und Humanismusforschung 2012 (3. Heft), Band 47, S. 337-345. Weitere Information unter https://idw-online.de/de/news514180 (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, besucht am 17.12.2016). Bildnachweis: Staatsbibliothek zu Berlin.
Schriftprobe einer frühen Karolingischen Minuskel, vermutlich aus dem ehemaligen Kloster Corbie in Frankreich, die der Heidelberger Wissenschaftler Tino Licht um 765 datiert. Sie soll also bereits vor der Regierungszeit Karls des Großen entstanden sein. Quelle: Licht, Tino: Die älteste karolingische Minuskel, Mittellateinisches Jahrbuch, Internationale Zeitschrift für Mediävistik und Humanismusforschung 2012 (3. Heft), Band 47, S. 337-345. Weitere Information unter https://idw-online.de/de/news514180 (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, besucht am 17.12.2016). Bildnachweis: Staatsbibliothek zu Berlin.

Das deutsche Alphabet führt 26 Minuskeln nach dem karolingischen Alphabet. Dreizehn Kleinbuchstaben (a, c, e, m, n, o, r, s, u, v, w, x und z) besitzen nur Mittellängen, sechs (b, d, f, h, k und l) Mittellängen und Oberlängen und fünf (g, j, p, q und y) Mittellängen und Unterlängen.

Dreizehn Minuskeln (a, c, e, m, n, o, r, s, u, v, w, x und z) unseres Alphabets verfügen nur über Mittellängen, die durch die Schriftlinie (Grundlinie) und die x-Linie begrenzt werden.
Dreizehn Minuskeln (a, c, e, m, n, o, r, s, u, v, w, x und z) unseres Alphabets verfügen nur über Mittellängen, die durch die Schriftlinie (Grundlinie) und die x-Linie begrenzt werden.
Sechs Minuskeln (b, d, f, h, k und l) unseres Alphabets verfügen über vollständige und zwei (i und t) über nicht ganz vollständige Oberlängen, die durch die x-Linie und die H-Linie, bzw. bei Renaissance Antiquas durch die k-Linie, begrenzt werden.
Sechs Minuskeln (b, d, f, h, k und l) unseres Alphabets verfügen über vollständige und zwei (i und t) über nicht ganz vollständige Oberlängen, die durch die x-Linie und die H-Linie, bzw. bei Renaissance Antiquas durch die k-Linie, begrenzt werden.
Fünf Minuskeln (g, j, p, q und y) unseres Alphabets verfügen über Unterlängen, die durch die Schriftlinie (Grundlinie) und die p-Linie begrenzt werden.
Fünf Minuskeln (g, j, p, q und y) unseres Alphabets verfügen über Unterlängen, die durch die Schriftlinie (Grundlinie) und die p-Linie begrenzt werden.

Oberlängen, Mittellängen und Unterlängen werden in der Typographie durch Hauptschriftlinien definiert bzw. begrenzt. Bei originalen kursiven Minuskeln verfügt das »f« sowohl über eine Oberlänge als auch über eine Unterlänge; gleiches gilt für die in Deutschland und Österreich gebräuchliche phonetische Ligatur »ß» in Form der altdeutschen Tonligatur »tz«. 1 )

Die Größe der Oberlängen, Mittellängen und Unterlängen variiert von Schrift zu Schrift. Es gibt beispielsweise Schriften mit großen Mittellängen, mit fast gleich großen Oberlängen, Mittellängen und Unterlängen, kleinen Mittellängen sowie großen und kleinen Unterlängen, was u.a. auch ein Grund dafür ist, dass Schriftgrade relativ sind.

Besteht ein Alphabet, beispielsweise die Carolina, nur aus Kleinbuchstaben, nennt man dieses Alphabet »Minuskelalphabet«. 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmerkung: Bei generierten kursiven Schriften – also mittels PC generierte kursive Schriftlagen (Button i) fehlt dieses besondere Klassifikationsmerkmal, da Computer bekanntlich dumm sind und den kursiven Stil nur vom normalen Schriftstil rechnerisch ableiten können. Insbesondere in der Webtypographie ist dies eine Einschränkung.