Mittelnamen für Kegelgrößen

Mit­tel­na­me; Abkür­zung »Mit­tel«. Fach­be­zeich­nun­gen bzw. Eigen­na­men aus dem gewer­be­spe­zi­fi­schen Sprach­schatz deut­scher Schrift­set­zer und Dru­cker von Offi­zi­nen aus der Peri­ode des mate­ri­el­len Hand­schrift­sat­zes (z.B. Blei­satz) für bestimm­te Kegel­grö­ßen, also für die Schrift­gra­de einer phy­si­schen Druck­schrift (z.B. Blei­ty­pen, Holz­schrif­ten) sowie für die Strich­stär­ken (Lini­en­di­cken) von phy­si­schen Stück- und Setz­li­ni­en, bei­spiels­wei­se Eng­li­sche Lini­en1 ) 

Ein »Mit­tel­na­me« bzw. die Abkür­zung »Mit­tel« stand jeweils für eine fes­te Kegel­grö­ße, wel­che im deutsch­spra­chi­gen Raum mit­tels eines Typo­me­ters (Typo­maß) 2 ) in typo­gra­phi­schen Didot-Punk­ten gemes­sen wur­de. 

Die Schriftgrade im materiellen Schriftsatz, z.B. im Bleisatz, wurden in »Mittel« angegeben. Beispielsweise stand »3 Cicero« (im Beispiel NR. 477.) für eine Kegelgröße von 36 Punkt. Abbildung: Schriftmusterbuch »Schrift-Proben« der Schriftgießerei Julius Klinkhardt, Leipzig und Wien, Handausgabe, ca. 1885.
Die Schrift­gra­de im mate­ri­el­len Schrift­satz, z.B. im Blei­satz, wur­den in »Mit­tel« ange­ge­ben. Bei­spiels­wei­se stand »3 Cice­ro« (im Bei­spiel NR. 477.) für eine Kegel­grö­ße von 36 Punkt. Abbil­dung: Schrift­mus­ter­buch »Schrift-Pro­ben« der Schrift­gie­ße­rei Juli­us Klink­hardt, Leip­zig und Wien, Hand­aus­ga­be, ca. 1885.

Mit­tel­na­men wur­den von deutsch­spra­chi­gen Schrift­gie­ße­rei­en in einer soge­nann­ten Mit­tel­ta­bel­le doku­men­tiert, einer Umrech­nungs­ta­bel­le mit Schrift­gra­den, basie­rend auf dem deut­schen Kon­kor­danz­sys­tem. Bei Lini­en­strich­stär­ken wur­den die Mit­tel auch unter­teilt, bei­spiels­wei­se in Ach­tel­pe­tit, Vier­tel­pe­tit, Vier­tel­ci­ce­ro und Halb­pe­tit (sie­he Lini­en).

Mitteltabelle nach Didot-Punkten 

Konsultationsgrößen

03 Punkt = Bril­lant
04 Punkt = Dia­mant
05 Punkt = Perl
06 Punkt = Non­pa­reil­le
07 Punkt = Kolo­nel, Colo­nel
08 Punkt = Petit
09 Punkt = Bor­gis, Bour­geois

Lesegrößen

10 Punkt = Kor­pus, Cor­pus, Gara­mond
11 Punkt = Rhein­län­der
12 Punkt = Cice­ro

Schaugrößen

14 Punkt = Mit­tel
16 Punkt = Ter­tia
18 Punkt = Para­gon
20 Punkt = Text
24 Punkt = 2 Cice­ro, Dop­pel­ci­ce­ro
28 Punkt = Dop­pel­mit­tel
32 Punkt = Dop­pel­ter­tia
36 Punkt = 3 Cice­ro, Kanon

Plakat- und Ferngrößen (Auswahl)

48 Punkt = 4 Cice­ro, Kon­kor­d­anz 3 )
72 Punkt = 6 Cice­ro, Klei­ne Sabon
84 Punkt = 7 Cice­ro, Gro­be Sabon
96 Punkt = 8 Cice­ro

Bei Holz­schrif­ten (Pla­kat­schrif­ten) wur­den die Kegel­grö­ßen in den Schrift­mus­ter­bü­chern mit bis zu 72 Cice­ro aus­ge­wie­sen. Zwi­schen­grö­ßen, bei­spiels­wei­se etwa 9,5 Punkt, wur­den z.B. mit »Bour­geois auf Cor­pus« ange­ge­ben.

Das Mit­tel »Cice­ro« exis­tiert bereits seit den Anfän­gen der Typo­gra­phie und basiert auf dem berühm­ten Cice­ro­schnitt der deut­schen Typo­gra­phen Con­rad Sweyn­he­ym und Arnold Pann­artz. Die Bezeich­nung »Text« geht auf die von Johan­nes Guten­berg für sei­ne 42zei­li­ge Bibel ver­wen­de­te Tex­tu­ra zurück. Das Mit­tel »Gara­mond« wur­de nach dem fran­zö­si­schen Typo­gra­phen Clau­de Gara­mond benannt.

© Wolf­gang Bei­nert, www​.typo​l​e​xi​kon​.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmer­kung: Heu­te exis­tie­ren in der digi­ta­len Typo­gra­phie im Sin­ne der Metro­lo­gie und der Typo­me­trie kei­ne ver­bind­li­chen Bemes­sungs­grund­la­gen mehr. Schrift­gra­de sind heu­te somit rela­tiv.
2.Anmer­kung: Das Mes­sen mit einem Typo­me­ter ist heu­te sys­tem­im­ma­nent. Es funk­tio­niert also nur inner­halb eines bestimm­ten geschlos­se­nen Schrift­satz- und Schrift­ver­viel­fäl­ti­gungs­sys­tems, ansons­ten ist der gemes­se­ne Schrift­grad nur rela­tiv und somit nicht ver­wend­bar. Die Diver­genz bei Typo­me­tern, Soft­ware, Peri­phe­rie­ge­rä­ten und RIPs etc. ist – trotz oft gleich lau­ten­der Ter­mi­ni und Grö­ßen­an­ga­ben – gra­vie­rend.
3.Anmer­kung: Der Begriff »con­cor­d­an­tia« in deut­schen Bibel­dru­cken und Klas­si­ker­aus­ga­ben war ein Hin­weis der Schrift­set­zer dar­auf, dass die »Tex­te über­ein­stimm­ten«.