OCR Schriften

Terminus aus der Informatik (Computer Science) für alphanumerische Antiqua Schriften mit einer stark stilisierten Typometrie für die automatisierte optische Zeichenerkennung durch Codiergeräte oder Computer;  maschinenlesbare Schriften. OCR steht für engl. »Optical Character Recognition«, eine Methode für die automatisierte »Optische Zeichenerkennung« innerhalb von Bildmotiven. 

Die erste OCR Schrift, die OCR-A, wurde 1968 im Auftrag der US-amerikanischen Regierung entwickelt. Sie ist eine Normschrift, die in der ANSI INCITS 17-1981, 1 ) DIN 66008 2 ) und ISO 1073-1 3 ) spezifiziert ist.

Da die Elektronische Datenverarbeitung (EDV) gescannte Texte als Grafiken wahrnimmt, basieren OCR Schriften auf dem Prinzip der Mustererkennung. D.h., einzelne Buchstaben, Ziffern und Satzzeichen werden zuerst aus einem Gesamtmotiv, z.B. einem Reisepass oder einer ID-Card, extrahiert, um die Textinformation anschließend in einer textbasierten Software weiterverarbeiten zu können. Dazu vergleicht eine Software die einzelnen Zeichenmuster einer OCR-Schrift mit einer im System hinterlegten Mustermaske und erzeugt dann den jeweiligen Buchstaben bzw. das Satzzeichen.

Die ersten Anwendungen der OCR-A Schrift waren beispielsweise für die automatische Verarbeitung von gescannten Pässen, ID-Cards, KFZ-Zeichen oder Scheckformularen gedacht. 

OCR Schriften wurden in den 1960er und 1970er Jahren als maschinenlesbare Schriften konzipiert. Die OCR-A wurde 1968 im Auftrag der US-amerikanischen Regierung, die OCR-B 1973 im Auftrag der European Computer Manufacturers Association (ECMA) entwickelt. Infografik: www.typolexikon.de
OCR Schriften wurden in den 1960er und 1970er Jahren als maschinenlesbare Schriften konzipiert. Die OCR-A wurde 1968 im Auftrag der US-amerikanischen Regierung, die OCR-B 1973 im Auftrag der European Computer Manufacturers Association (ECMA) entwickelt.

1973 entwickelte die European Computer Manufacturers Association (ECMA), 4 ) eine privatwirtschaftliche internationale Normungsorganisation zur Normung von Informations- und Kommunikationssystemen und Unterhaltungselektronik mit Sitz in Genf, die OCR-B, die der Schweizer Schriftgestalter Adrian Frutiger (1928–2015) gestaltete. Diese OCR-Variante verfügte im Gegensatz zur OCR-A über eine natürlichere Typometrie und war nicht mehr so künstlich stilisiert. Die OCR-B ist ebenfalls eine Normschrift, die in der DIN 66009 und in der ISO 1073-2 spezifiziert ist.

Sowohl die OCR-A wie auch die OCR-B sind dicktengleiche Schriften und verfügen über ein Majuskel– und Minuskelalphabet sowie Arabische Ziffern.

Bei Banken und Behörden kam kurzeitig auch eine OCR-H, eine Referenzschrift für handgeschriebene Blockschriften im Rahmen vorgegebener Felder von Formularen zur Anwendung. Die OCR-H war ebenfalls eine genormte Schrift, die in der DIN 66225 spezifiziert wurde. Sie verfügte nur über Majuskeln und Arabische Ziffern.

OCR Schriften haben ihre ursprüngliche Anwendung aufgrund moderner Technologien verloren. 5 ) Sie werden heute nur noch in der Typographie als Zierschriften verwendet. OCR Schriften gibt es in unterschiedlichen Schrifttechnologien, beispielsweise als OpenType-Standard, sowohl kostenpflichtig als auch kostenfrei bei unterschiedlichen Font Foundries

Heute versteht man unter OCR Optical Character Recognition eine Software für die schriftunabhängige Texterkennung. 

© Wolfgang Beinert, www.typolexikon.de

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Quellen / Literatur / Anmerkungen / Informationen / Tipps   [ + ]

1.Anmerkung: InterNational Committee for Information Technology Standards (INCITS). Weiterführende Informationen unter www.incits.org.
2.Anmerkung: Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN). Weiterführende Informationen: www.din.de.
3.Anmerkung: International Organization for Standardization (ISO). Weiterführende Information unter www.iso.org.
4.Weiterführende Informationen unter www.ecma-international.org.
5.Anmerkung: Heute können alle Schriften mittels OCR Software dekodiert werden.